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Stefan Dürr muss sanieren

von , am
11.03.2015

Voriges Jahr riet der deutsch-russische Agrarpionier Stefan Dürr nach seinen eigenen Worten Russlands Präsident Wladimir Putin zu Sanktionen gegen den Westen. Jetzt ist Dürrs Landtechnikhandel Ekotechnika selbst infolge der deutlich verschlechterten Wirtschaftsbeziehungen zwischen Moskau und dem Westen ins Schlingern geraten.

Stefan Dürr auf dem Deutschen Molkereikongress Ende Februar in Frankfurt am Main. © Norbert Lehmann
Wie die Ekotechnika-Gruppe gestern Abend bekannt gab, sieht sich das Unternehmen zu einem Kapitalschnitt gezwungen. Angesichts der Rubelabwertung und hoher Zinsen in Russland läuft das Geschäft mit John Deere Traktoren nicht mehr. Der Umsatz sank in dem am 30. September beendeten Geschäftsjahr 2013/14 nach noch ungeprüften Zahlen um 18,8 Prozent auf 172,5 Millionen Euro. Das Ergebnis verschlechterte sich von einem leichten Minus auf einen Verlust von 21,1 Millionen Euro. Das Eigenkapital fiel auf -20,8 Millionen Euro.
 
Das geplante Sanierungskonzept sieht vor, zunächst das Stammkapital der Gesellschaft im Verhältnis 25 zu 1 auf 81.000 Euro herabzusetzen. Dann soll die von Ekotechnika begebene Anleihe im Nennwert von 60 Millionen Euro zuzüglich Zinsen voll als Einlage im Wert von 1,5 Millionen Euro eingebracht werden. Jeder Anleihegläubiger erhält für je 1.000 Euro Schuldverschreibungen 25,65 neue Stückaktien an dem von einer GmbH in eine Aktiengesellschaft umgewandelten Unternehmen. Anschließend wird die Muttergesellschaft Ekotechnika Holding 1,62 Millionen Euro bar zur Erhöhung des Grundkapitals der AG zuführen. Nach der Umwandlung in eine AG sollen die Aktien an einer deutschen Börse gehandelt werden. Die Gläubiger sollen ohne Versammlung zwischen dem 30. März und dem 2. April über das Refinanzierungskonzept beschließen.

Milchwirtschaft stabil

Stabiler entwickelt sich der landwirtschaftliche Geschäftszweig von Stefan Dürrs russischen Unternehmen. So verkündete die Ekosem-Agrar GmbH, die auf die Milcherzeugung ausgerichtet ist, für 2014 heute nach vorläufigen Zahlen einen Jahresüberschuss von über 10 Millionen Euro; das sind 2,1 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. In Rubel konnte das Unternehmen höhere Preise für Milch und Getreide erzielen, wodurch die Währungseffekte mehr als ausgeglichen wurden. Die Milchkuhherde wurde um 2.700 auf 22.000 Tiere aufgestockt. Die Milcherzeugung stieg um 28 Prozent auf 153.700 Tonnen. Für das laufende Jahr kündigte Dürr Ende Februar auf dem Deutschen Molkereikongress in Frankfurt am Main eine weitere Vergrößerung des Bestands auf 28.000 Milchkühe an, so dass die Jahreskapazität 200.000 t Milch übersteigen wird.

Unter Putins Schutzschirm

Nach eigenen Angaben steht Dürrs Unternehmensgruppe auf einer Liste von 199 Unternehmen, die von der russischen Regierung im Februar 2015 als strategisch wichtig eingestuft wurden. Ebenfalls auf der Liste geführt werden Danone und Pepsico. Diesen Unternehmen wurde im Krisenfall von der russischen Regierung Unterstützung zugesagt.
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