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Tietböhl: Akzeptanz verlangt Diskussion

von , am
20.03.2014

Der mecklenburg-vorpommersche Bauernpräsident Rainer Tietböhl hatte am Wochenende unter den Verbandsmitgliedern für ein gewisses Unverständnis gesorgt, als er in einem Interview gegenüber dpa eine Diskussion über "Gigantismus" in der Landwirtschaft anregte. Auf dem Landesbauerntag am 20.3. präzisierte er seine Aussage.

Große Betriebe mit entsprechend schlagkräftiger Technik gehören zum vielfältige Bild der Landwirtschaft in mecklenburg-Vorpommern. © imago/Koserowsky
Landesbauernpräsident Rainer Tietböhl wolle im mecklenburg-vorpommerschen Bauernverband eine Diskussion über den „Gigantismus“ in der Landwirtschaft anschieben, meldete die Nachrichtenagentur dpa am vergangenen Wochenende. Es ginge, so dpa weiter, dabei um Tierhaltungsanlagen, aber auch um landwirtschaftlichen Verkehr auf öffentlichen Straße.

Unter den Landwirten sorgte diese Aussage für einige Verwirrung, das zeigte die Diskussion auf dem Landesbauerntag am 20. März in Linstow. Ob die Vielfalt von Betriebsformen und Wirtschaftsweisen im Land damit infrage gestellt werden solle, wollten einige Delegierte wissen. Das entspräche einem Paradigmenwechsel, der - wenn überhaupt - vom gesamten Verband getragen werden müsse, bis hinunter zur Basis.
 
Rainer Tietböhl stellte daraufhin klar, es sei ihm vor allem um das Anstoßen einer Diskussion gegangen. Die Akzeptanz landwirtschaftlicher Anlagen und Tätigkeiten innerhalb der Bevölkerung habe inzwischen einen dramatischen Tiefpunkt erreicht. "Wir haben hier im Land mittlerweile faktisch einen kompletten Baustopp. Das verhindert nicht nur den Neubau sehr großer Anlagen, sondern hält unsere Landwirte - egal mit welcher Betriebsgröße - auch von notwendigen Investitionen in Stallanlagen ab. Das widerspricht dem Tier- und dem Menschenwohl."

Tietböhl räumte ein, dieser Dialog zwischen Landwirten (respektive Bauernverband) und Bevölkerung müsse natürlich auf breiter Ebene getragen werden, und er dürfe auf keinen Fall zu einem puren Größendiskurs ausarten. "Weiterhin haben in unserem Land alle Betriebsformen und -strukturen ihre Daseinsberechtigung. Diese Vielfalt definiert Mecklenburg-Vorpommerns Agrarwirtschaft." Außerdem, so Tietböhl weiter, müsse jeder unternehmerische Landwirt selber entscheiden dürfen, mit welchen Betriebszweigen er sein Geld verdient. Das sei vor allem an die Politik gerichtet.

Die Teilnehmer am Landesbauerntag haben mit ihrer Diskussion gezeigt, dass das Thema aktive Öffentlichkeitsarbeit sie mehr interessiert denn je. Man darf gespannt bleiben, inwieweit dieses Interesse praktische Auswirkungen haben wird, und wie der Bauernverband seine Mitglieder dabei zukünftig noch stärker unterstützt. Und es bleibt zu hoffen, dass der Ausdruck "Gigantismus" in der öffentlichen Diskussion nicht zu einem neuen Diskreditierungsbegriff für wachsende Agrarbetriebe wird.
 
Sabine Leopold, Redaktion agrarmanager
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