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Trockenheit schmälert die Getreideernte

von , am
18.08.2015

Die deutsche Getreideernte wird mit voraussichtlich 46,5 Millionen Tonnen das Rekordergebnis des Vorjahres in Höhe von 52 Millionen Tonnen um 11 Prozent verfehlen. Auch die Rapsernte fällt mit knapp 5 Millionen Tonnen unterdurchschnittlich aus. Dies geht aus dem abschließenden Erntebericht des Deutschen Bauernverbandes (DBV) hervor.

© imago/blickwinkel
Wie DBV-Präsident Joachim Rukwied bei der Präsentation der Erntebilanz feststellte, hat die seit Mai in weiten Teilen Deutschlands extrem ausgeprägte Trockenheit deutliche Spuren hinterlassen. "Die Getreideernte fällt von Region zu Region sehr unterschiedlich aus. Kleinste Unterschiede in der Bodengüte und der Wasserversorgung machen sich deutlich in den Erträgen bemerkbar", kommentierte Rukwied das Ergebnis. In Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und den östlichen Bundesländern wurde 15 bis 30 Prozent weniger Weizen geerntet als im Vorjahr. Bei Wintergerste seien hingegen im Norden Deutschlands aufgrund ausreichender Niederschläge die Erträge des Vorjahres wieder erreicht worden.

Deutlich mehr Sommergerste angebaut

Nach Angaben des DBV wurde die Anbaufläche von Winterweizen zur Ernte 2015 wurde um knapp 2 Prozent auf 3,2 Millionen Hektar ausgedehnt. Die Erträge liegen mit durchschnittlich 7,6 Tonnen pro Hektar 12 Prozent unter dem Vorjahr. Die Erntemenge wird vor diesem Hintergrund 24,6 Millionen Tonnen betragen und damit das Vorjahresergebnis um 2,8 Millionen Tonnen unterschreiten. In Schleswig-Holstein stehen noch zwei Drittel des Weizens auf dem Halm und müssen gedroschen werden. Die Qualitäten fallen sehr unterschiedlich aus.
 
Die Ernte der Wintergerste, die von allen Getreidearten als erste gedroschen wird, ist abgeschlossen. Entgegen der wetterbedingten Erwartungen überraschten die erzielten Erträge. Mit 7,3 Tonnen pro Hektar liegt die Ertragsleistung der Wintergerste im Bundesdurchschnitt knapp 6 Prozent unterhalb des Jahres 2014; der Mittelwert der vergangenen Jahre wird sogar um 9 Prozent übertroffen. Ein Teil der Ertragsminderung wird über die Ausweitung der Anbaufläche auf 1,26 Millionen Hektar (+ 2,4 Prozent gegenüber 2014) kompensiert, so dass 2015 rund 9,2 Millionen Tonnen Wintergerste geerntet wurden. Dies entspricht gegenüber dem Vorjahr einem Rückgang um 3 Prozent.
 
Der Anbau von Sommergerste hat 2015 im Vergleich zu 2014 um mehr als 7 Prozent auf 371.000 Hektar zugenommen. Vor allem in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Schleswig-Holstein wurde der Anbau ausgedehnt. Trotz dieser Ausweitung verfehlte die diesjährige Erntemenge in Höhe von knapp 2 Millionen Tonnen das Vorjahresergebnis um fast 5 Prozent. Zurückzuführen ist dies auf die deutlich geringeren Erträge. Diese unterschreiten mit 5,3 Tonnen pro Hektar das Vorjahresergebnis um mehr als elf Prozent.
 
Die Ernte von Roggen fiel in diesem Jahr mit insgesamt 3,2 Millionen Tonnen deutlich niedriger aus als im Vorjahr (2014: 3,85 Millionen Tonnen). Beim Winterraps sind die Anbaufläche und die Erträge in allen Regionen Deutschlands in Relation zum vergangenen Jahr zurückgegangen. Mit rund 1,3 Millionen Hektar wurden in 2015 knapp 8 Prozent weniger Winterraps angebaut. Hinzu kommen um 13 Prozent niedrigere Erträge in Höhe von 3,9 Tonnen pro Hektar.
 
Die diesjährige Rapsernte wird daher mit nur 5 Millionen Tonnen das Vorjahresergebnis um 1,25 Millionen Tonnen verfehlen.

Getreidemärkte unter Druck

Das in der Ernte stetig steigende Angebot erzeugt weiterhin Druck auf die Terminmarktnotierungen und somit auf die Erzeugerpreise. Für eine Tonne Wintergerste erhalten Erzeuger laut DBV aktuell 130 Euro bis 150 Euro, die Tonne Winterweizen erlöst je nach Qualität 145 Euro bis 175 Euro. Obwohl auch in der EU-28 eine deutlich reduzierte Erntemenge von voraussichtlich knapp 302 Millionen Tonnen (2014: 329 Millionen Tonnen) zu erwarten ist, wird bisher keine Preisverbesserung erkennbar. Dies liegt an den Rekordernten des vergangenen Jahres und der guten Versorgungslage. Der deutliche Rückgang der Erntemenge in der EU-28 ist neben einer geringeren Weizenernte (minus 9,3 Millionen Tonnen) vor allem auf eine deutlich niedrigere Maisernte zurückzuführen (Schätzung: minus 12,3 Millionen Tonnen). Sollten sich die Prognosen für die Maisernte im Herbst bestätigen, könnte die Nachfrage nach Futtergerste und Futterweizen steigen. Preiserhöhungen sind somit möglich.
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