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Wissenschaftler fordern eine Zeit der Aufklärung (update)

von , am
19.05.2015

Sollen künftig alle - wirklich alle - Produkte, die unter Einsatz von Gentechnik entstanden sind, entsprechend gekennzeichnet werden? Das "Forum Grüne Vernunft" sagt ja und fordert diese Kennzeichnung in einer Petition, die am 19. Mai in den Deutschen Bundestag eingebracht wird. agrarmanager-Redakteurin Catrin Hahn berichtet von der zugehörigen Pressekonferenz.

© frameworks2014/fotolia
Mit einer Petition, die am 19. Mai vom Forum Grüne Vernunft (FGV) beim Deutschen Bundestag eingebracht wurde, fordern der FGV-Vorsitzende, Minister a.D. Dr. Horst Rehberger, und zahlreiche prominente Wissenschaftler, alle mit Gentechnik in Berührung gekommenen Produkte als solche zu kennzeichnen.
Die Kennzeichnung solle für alle Lebens-, Arznei-, Futter-, Wasch- und Reinigungsmittel sowie für Baumwoll-Textilien gelten. Hintergrund dieser Forderung ist der Gedanke, damit endlich beim Verbraucher für Transparenz und Klarheit zu sorgen. Vielen Verbrauchern sei völlig unklar, wie stark Gentechnik bereits zu unserem Alltag gehöre. Politik, NGOs, so mancher Hersteller und diverse Interessenverbände hätten bislang wenig Interesse gezeigt, hier für mehr Aufklärung zu sorgen.
 
Bei der Pressekonferenz zur Vorstellung der Initiative standen neben Rehberger weitere Wissenschaftler, die die Petition vertreten, den Journalisten Rede und Antwort: Dr. Christel Happach-Kasan, Biologin und FGV-Vorstandsmitglied, Prof. Dr. Wolfgang Nellen, Präsident VBIO Hessen, Prof. Dr. Klaus-Dieter Jany, Vizepräsident für Forschung und Lehre der WIU Syrien und Prof. Dr. Hans-Jörg Jacobsen, Gesellschaft für Pflanzenbiotechnologie.
Schon vor der Veröffentlichung der Petition fanden sich weitere prominente Befürworter. So haben bereits die Nobelpreisträgerin Prof. Dr. Christiane Nüsslein-Volhard, Staatssekretär Marco Tullner (CDU), DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer, DIHK-Vizepräsident Klaus Olbricht oder der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner unterzeichnet.
 
Über die Art und Weise der Kennzeichnung will die Petition keine Vorgaben machen. Ihnen gehe es einzig und allein darum, betont Rehberger, dass überhaupt gekennzeichnet würde: "Wir sind der Überzeugung, dass die Ablehnung der Gentechnik nicht zuletzt auf einem Mangel an Wissen beruht." Professor Jany, seit 1980 beruflich mit Gentechnik befasst, ergänzt: "Gentechnik befindet sich in 60 bis 70% aller Lebensmittel, 80% aller Baumwollprodukte, Bioethanol, Geldscheinen." Und: "Die Bevölkerung glaubt, dass Gentechnik bei uns keine Rolle spielt!" Sinn der Petition sei deshalb, darauf aufmerksam zu machen, dass Gentechnik überall sei. "Wir wollen aufklären", sagt Jany. Und Dr. Happach-Kasan, die sich seit ihrer Promotion mit Gentechnik befasst, fügt hinzu: "Die Menschen sollen das Recht haben, wählen zu können. Dafür müssen sie aber wissen, wie Produkte hergestellt wurden. Teilweise findet der Verbraucher für ein Segment keine Produkte ohne Gentechnik mehr. Das ist dann eben so."
 
Seit dem 19. Mai 2015 kann diese Petition von jedem Interessierten unterzeichnet werden.
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