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Die Zeichen der ZEIT - ein Kommentar

von , am
20.11.2014

Die ZEIT hetzt in ihrer neuen Ausgabe unter dem Titelthema "Die Rache aus dem Stall" auf unsägliche Weise gegen große Agrarbetriebe. Geschickt wird dabei nahezu jeder konventionelle Tierhaltungsbetrieb an den Pranger gestellt und mit Panikparolen zur Gefahr für Leib und Leben des Verbrauchers erklärt. Die Schlagzeilen, mit denen die Zeitschrift um Leser buhlt, stünden jedem Sensationsblättchen gut zu Gesicht.

© Screenshot Zeit.de
Moderne Großbetriebe seien "Massentierhaltung" und kreuzgefährlich, ja "todbringend". Das müsse endlich mal jemand klar sagen, erklärt die Zeit säbelrasselnd und selbstverliebt in ihrer neuesten Ausgabe. Bauern schütteten in "hermetisch abgeriegelten Ställen" Antibiotika ins Trinkwasser und verdammten mit den so gezüchteten Keimen "Ärzte in den Praxen und Kliniken zur Hilflosigkeit". Die resistenten Keime, die mit dem "Gülledünger" ins Grundwasser sickerten, bedrohten nun sogar Vegetarier und Veganer (man weiß in der Zeit-Redaktion schließlich, wie man die richtigen Kreise aktiviert). Nirgends seien die "Verflechtungen von Industrie und Politik" so "dreist" wie in der "Agrarlobby".
 
Mittlerweile neige ich fast dazu, diese Aussagen für Satire zu halten. Was sonst könnte eine bis dato halbwegs seriöse Zeitschrift zu einem derartig unverschämten Schlagzeilenszenario bewegen? 20 Journalisten der Zeit hätten "recherchiert", schreibt das Blatt. Und alles, was sie dabei herausgefunden haben, ist diese durch keinerlei fundierte Fakten belegte Panikmache?
 
"Todbringend" sind, wenn man so will, auch Zugvögel, Bockshornklee-Sprossen, schnelle Autos und Waldpilze - unter bestimmten ungünstigen Bedingungen. Einer meiner Facebook-Kontakte stellte heute die Frage, was wohl in der hiesigen Presselandschaft losginge, würde eine Zeitung eine kleine, aber über ganz Deutschland verbreitete Bevölkerungsgruppe als "todbringend" bezeichnen, nur weil einzelne Vertreter dieser Gruppe für zwei Prozent der gewaltsamen Todesfälle hierzulande verantwortlich seien (die Herkunft multiresistenter Keime in deutschen Krankenhäusern bewegt sich auf einem ähnlichen Anteilsniveau: rund zwei Prozent). Kein ernstzunehmender Politiker und kein seriöses Medium würde eine solche Aufbauschung und Verallgemeinerung zulasten einzelner Mitbürger akzeptieren, wir legen in Deutschland großen Wert auf Fairness und Vorurteilsfreiheit im Umgang mit Menschen verschiedener Hautfarben, Religionen, Geschlechter oder Lebensweisen. Gegen bestimmte Berufsgruppen gerichtet scheint Hetze allerdings ein Kavaliersdelikt zu sein.
 
Meine "Kollegen" von der Zeit arbeiten gerade mit Fleiß am Ruin des Rufes gleich zweier Berufe: der des Landwirts und der des Journalisten. Ich bin beides - gelernte und studierte Landwirtin und Agrarjournalistin. Und ich nehme das, was das Team um Giovanni di Lorenzo da schreibt, persönlich! Gute Journalisten schreiben, um zu informieren, nicht zu diffamieren. Das Werkzeug dafür ist eine gründliche und ausgewogene Recherche. Und Landwirte sind lebensspendend, nicht todbringend. Denn sie ernähren Menschen. Dass aus ihrer täglichen Arbeit auch Risiken entstehen können, ist kein Ausnahmefall für einen Berufsstand. Ärzte, Apotheker, Busfahrer, Piloten, Polizisten ... viele Tätigkeiten können für die Betreiber und ihr Umfeld unter bestimmten Umständen gefährlich werden, egal, ob durch menschliches Versagen oder systembedingte Fehler. Ziel muss es sein, diese Risiken so weit wie möglich zu minimieren. Daraus jedoch zu schließen, Apotheken, Flugzeuge und Busse seien "todbringend", wäre sträfliche Hetze, die entsprechende Konsequenzen nach sich zöge. Geht es allerdings gegen moderne Landwirte, wird bereits im Vorfeld jegliche Kritik an der einseitigen Pressearbeit geschickt im Keim erstickt. Alles Lobbyismus! Wer wollte sich auch den gerade mit viel Brimborium installierten Prügelknaben wieder wegnehmen lassen.
 
Bereits heute werden Landwirte psychisch wie physisch angegriffen, weil Gerichte und Medien Tierrechtlern Persilscheine ausstellen. Wer unberechtigt in Stallgebäude eindringt, darf nicht "Einbrecher" genannt werden, weil er "im Sinne des Verbrauchers" handeln könnte. Die Zeit hat den Stallstürmern hierzulande gerade ein neues Deckmäntelchen für ihre Übergriffe verschafft. "Massentierhalter" sind potenzielle Mörder. Muss so sein, stand in der Zeitung. Danke, Herr di Lorenzo.
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