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Agritechnica 2015

9 Technik-Trends bei den Traktoren

Hermann Krauß, agrarheute ,
am
09.11.2015

Auf der Agritechnica in Hannover sieht man, wohin die Reise bei der landtechnischen Entwicklung geht. Bei den Traktoren hat die DLG neun Trends ausgemacht.

1. Standardtraktoren erreichen die 500-PS-Marge

Die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) hat im Vorfeld der Agritechnica einige Trends bei den Traktoren ausgemacht. Dazu gehört unter anderem das nächste Level bei den Standardtraktoren, was die Leistung betrifft.

Mit der Modellreihe 1000 realisiert ACGO-Fendt einen kompakten Standardtraktor mit bis zu 369 kW. Diese Leistung hatten bisher nur Systemtraktoren, Knicklenker oder Raupenfahrzeuge, deren Leergewichte jedoch deutlich über 14 t liegen. Für schwere Zugarbeiten auf dem Feld lässt sich das Fahrzeug auf bis zu 25 t ballastieren.

2. Motorenentwicklung geht weiter

  • Noch sind die aktuellen Abgasvorschriften der Stufe IV nicht bei allen Traktormodellen umgesetzt, schon wird in der Fachwelt die nächste Stufe V diskutiert. Neben einer Vereinheitlichung der Grenzwerte über die unterschiedlichen Leistungsklassen hinweg werden ab 2019 auch Regulierungen für die Partikelanzahl erwartet. Nach dem derzeitigen Stand der Technik würden dann alle Off-Highway Dieselmotoren einen Partikelfilter benötigen.
     
  • Besonders in der Leistungsklasse unterhalb 56 kW (75 PS), die derzeit aufgrund geringer Abgasanforderungen kostengünstige Motoren erlaubt, würden sich der Aufwand und damit die Kosten deutlich erhöhen.
     
  • Trotz strengerer Abgasgrenzwerte hat sich der praxisnahe Dieselverbrauch von Traktoren in den letzten Jahren reduziert.

3. Traktorgetriebe: Allradantrieb im Focus

Um den gesamten Antriebsstrang noch weiter zu optimieren, steht der Allradantrieb im Focus. Bisher wurde dieser in Abhängigkeit von Lenkwinkel und Fahrgeschwindigkeit zu- oder abgeschaltet.

Bei zunehmendem Schlupf an der Hinterachse hätte man zwar den Allradantrieb schon früher automatisch zuschalten können, jedoch fehlte bisher ein verlässliches Signal, aufgrund dessen sich der Allradantrieb dann automatisch ausschaltet, wenn er nicht gebraucht wird oder sogar die Gesamteffizienz des Antriebsstrangs negativ beeinflusst. Dies ist zum Beispiel auf fester Fahrbahn häufig der Fall.

So misst John Deere beispielsweise den Lastzustand in der Allradkupplung und schaltet diese nicht nur radschlupfabhängig ein, sondern auch bei niedriger Fahrgeschwindigkeit gezielt aus. Im eingeschalteten Zustand bleibt die Voreilung der Vorderachse fest, so dass bei enger Kurvenfahrt der Allradantrieb weiterhin automatisch ausgeschaltet wird.

4. Einfachere Bedienung und automatisierte Abläufe

Vorgewendemanagementsysteme werden von allen führenden Herstellern angeboten. Jedoch leidet deren Akzeptanz laut DLG in der Praxis unter komplizierten Aufnahme- und Eingabeprozeduren. Die Hersteller bieten nun einfachere Lösungen für die Bedienung an:

  • Das John Deere System "iTec AutoLearn" erkennt ähnliche Bediensequenzen. Nach dreimaliger Wiederholung wird die letzte als automatischer Ablauf vorgeschlagen. Mit einem einzigen Knopfdruck kann diese übernommen werden. Nach der Übernahme können Sequenzen nachträglich editiert werden.
     
  • Mit dem System "VarioGuide Kontursegmente" vereinfacht Fendt das Anlegen von Vorgewenden mit automatischer Spurführung. Nach der manuellen Umfahrung des Schlages zerlegt das System die Fahrroute automatisch in Segmente. Bevor das System in den normalen Bearbeitungsmodus wechselt, können am Vorgewende mit der automatischen Spurführung beliebig viele Parallelspuren angelegt werden. Die Auswahl des passenden Spursegmentes erfolgt voll automatisch.

5. Bodenschonende und effiziente Fahrwerke

  • Reifendruck schneller regeln: AGCO-Fendt löst dieses Problem mit einem neuartigen Reifen, in den ein zweiter Hochdruckreifen integriert ist. Dieser dient als Druckspeicher für die schnelle Reifendruckanpassung. So kann ohne Einfluss der Motordrehzahl durch den direkten Druckaustausch innerhalb von 30 s der Reifeninnendruck von 0,8 auf 1,8 bar erhöht werden.
     
  • arbeiten mit niedrigem Zugkraftbedarf effizient verrichten: Das EZ Ballast System von John Deere nimmt unterhalb des Traktors ein zusätzliches Gewicht (1,7 t) hydraulisch auf. So wird in kürzester Zeit eine zusätzliche Ballastierung mit ausgeglichener Achslastverteilung erreicht, was die Gesamteffizienz im praktischen Einsatz deutlich verbessert. 
     
  • Der Fendt Grip Assistant unterstützt den Fahrer laut DLG bei der Auswahl der optimalen Ballastierung und des passenden Reifeninnendruckes, wenn der Fahrer eine bestimmte Arbeitsgeschwindigkeit anstrebt. Steht die Ballastierung des Traktors fest, schlägt das System dem Fahrer die optimale Fahrgeschwindigkeit und den passenden Reifeninnendruck vor.
     
  • Gute Zugkraftübertragung bei wenig Bodendruck ermöglichen Zwillingsräder, deren Akzeptanz in Mitteleuropa meist an der Reglementierung der Fahrzeugbreite scheitert. Peecon aus Holland stellt ein Klappsystem vor, dass erstmals einen einfachen Transport mit einem zeitsparenden An- und Abbau an der Hinterachse von Traktoren ermöglicht.

6. Mehr Nutzlast durch leichtere Transport- und Zugfahrzeuge

Mit dem Ultra-Light UL-T18 realisiert Zunhammer einen auf Nutzlast optimierten zweiachsigen Gülletankwagen. Der GFK-(Glasfaserverstärkter Kunststoff) Tank ist selbsttragend und direkt mit zwei luftgefederten Achsen ausgestattet, ohne ein separates Chassis zu benötigen.

Dadurch verringert sich das Leergewicht gegenüber vergleichbaren Gülletankwagen mit Stahltanks um 40 Prozent bei gleichzeitiger Erhöhung der Nutzlast auf 14,5 t. Beim Annaburger Güllewagen übernimmt das GFK-Fass ebenfalls tragende Funktion, wodurch das Leergewicht um 1 t gesenkt und die Nutzlast entsprechend erhöht wurden.

7. Elektrische und hydraulische Triebachsen

Hydraulische Triebachsen ermöglichen es mit kleinen Traktoren schwere Anhänger auf schwierigem Feld zu fahren. So entwickelte John Deere mit Fliegl eine elektrisch angetriebene Anhängerachse (Fliegl sDrive). Der Traktor steuert die Antriebsleistung der Triebachse nach seinem eigenen Lastzustand. Ausreichend elektrische Leistung erhält das System von einem 100 kW Frontzapfwellengenerator. Die Antriebsleistung des Zapfwellengenerators belastet nicht den Fahrantrieb des Traktors, weshalb der Motor geschwindigkeitsunabhängig die volle Boostleistung zur Verfügung stellt. Diese erhöht die Fahrleistung nicht nur auf dem Feld, sondern auch bei Straßenfahrt.

Für Fahrzeuge zugelassene digitale Kraftsensoren an der Achsaufhängung und in der Deichsel lassen sich bei Fliegl auch nachrüsten, so dass eine genaue Gewichtserfassung bei Transportanhängern in der ganzen Bandbreite möglich wird. 

8. Mehr Übersicht bei großen Fahrzeugen

Großräumige gefederte Kabinen mit guter Rundumsicht sind Stand der Technik. Jedoch bleiben im Umfeld von großen Traktoren und selbstfahrenden Erntemaschinen zwangsläufig Bereiche, die nicht eingesehen werden können.

Dafür gibt es auf der Agritechnica einige Lösungen zu sehen:

  • AGCO-Valtra installiert eine zweite Dachluke, um die Sicht auf am Heck montierte Ladekräne zu verbessern.
     
  • Auf dem Frontanbaugerät montierte Kameras von Fliegl oder Satcom geben dem Fahrer bei Einfahrt in eine Straße frühzeitig ein geteiltes Bild vom Querverkehr in beiden Richtungen.
     
  • Mehr auf Traktor und Selbstfahrer fokusieren die bildanalytischen digitalen Umfeldüberwachungssysteme von Deutz Fahr, Fendt und John Deere.

9. Stufenlose Frotnzapfwelle

Im neuen Optum von Case IH lässt sich die Drehzahl der Frontzapfwelle von der Kabine aus auf 1000 oder 1000eco schalten. Der Fahrer kann beispielsweise beim Mähen bei der Talfahrt auf 1000eco umschalten und so Kraftstoff sparen.

Noch mehr Möglichkeiten bietet laut DLG die stufenlose Frontzapfwelle von Zuidberg. In einem weiten Motordrehzahlbereich kann die Frontzapfwellendrehzahl über das stufenlose Toroidgetriebe konstant gehalten werden, was für Arbeitsqualität und Kraftstoffverbrauch die besten Voraussetzungen schafft. 

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