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AT-Fachbeiträge

"Aufgabenspektrum komplett abdecken" aus der AGRARTECHNIK 09/2014

von , am
10.09.2014

Trendbericht Radlader im
GaLaBau | Radlader sind durch ihr breites Einsatzspektrum im GaLaBau sehr gefragte Maschinen. Folglich bewegt sich der Markt stabil auf einem hohen Niveau. Allerdings werden Interessenten von vielen Herstellern umworben, was deren Preis und Innovationsdruck steigert.

Der kompakte Radlader ist für den GaLaBau sowohl als Maschine für Ladearbeiten, für die Erdbewegung und als Trägerfahrzeug für Anbaugeräte interessant. © Werkbild
Der kompakte Radlader hat im deutschen Garten- und Landschaftsbau eine hohe Bedeutung. Er wird sowohl als Maschine für Ladearbeiten, für die Erdbewegung und als Trägerfahrzeug für Anbaugeräte verwendet. Die relativ hohen Ladeleistungen, die starke Hydraulik, die hohe Wendigkeit und die kompakten Abmessungen machen die Maschine zum Allrounder für alle Einsatzbereiche. Man sieht sie sowohl auf Parkflächen, Außenanlagen von öffentlichen Gebäuden, Grünflächen im öffentlichen und privaten Wohnungs- und Siedlungsbau, auf Friedhöfen, Sportplätzen und so weiter.
AGRARTECHNIK hat sich deshalb mit einigen Herstellern über den Markt von Radladern im GaLaBau unterhalten.

Stabiler Markt mit hohen Anforderungen

Zunächst wollten wir wissen, wie sich der Markt von Radladern im Segment GaLaBau in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Weiter fragten wir nach der aktuellen Situation und danach, mit welcher Entwicklung die Hersteller für die kommenden Monate und mittelfristig rechnen. Hierauf erklärte Joachim Stein (Leiter Produktsupport Baumaschinen bei Kubota): „Für das kommende Jahr rechnen wir für Deutschland mit einem etwa gleichbleibenden Marktvolumen wie in diesem Jahr. Allerdings produziert unser Baumaschinen-Werk im pfälzischen Zweibrücken die Maschinen nicht nur für den deutschen Markt, sondern hat hier vielmehr auch den europäischen Markt im Fokus. Und da fällt nach wie vor auf, dass Deutschland für die Radlader in Europa und auch weltweit der größte und auch wichtigste Markt für alle Hersteller ist. Nennenswerte Verkaufszahlen und Marktgrößen finden Sie dann noch in Frankreich und Skandinavien. So ist auch für uns – als Marktführer unter den Kompaktbaggern – ganz klar die künftige Marktausrichtung als ‚Newcomer‘ unter den Radladern klar vorgegeben. Wenn es um Technik und Maschinenausstattung geht, dann richten wir uns nach den Wünschen des deutschen Radlader-Kunden und -Bedieners.“ Richard Bremenkamp (Marketing- und Verkaufsleiter bei der Schäffer Maschinenfabrik GmbH) meinte hierzu: „Das Segment GaLaBau hat sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt. Parallel dazu hat sich auch die Nachfrage nach unseren Radladern in den letzten Jahren kontinuierlich verstärkt. Wir gehen davon aus, dass sich die Branche und damit auch die Nachfrage nach Radladern weiterhin positiv entwickeln. Deswegen haben wir uns dazu entschlossen, mit der 24iger Serie Lader auf den Markt zu bringen, die den Anforderungen im GaLaBau besonders gerecht werden. Der Vorderwagen und die Schwinge wurden komplett neu konstruiert. Dadurch erreichen die neuen Modelle eine deutlich höhere Kipplast. So kann der Schäffer 2445 mit einem Einsatzgewicht von 2,5 Tonnen eine bis zu 1,7 Tonnen schwere Palette problemlos verfahren.“ Um die Besonderheit der neuen Baureihe zu unterstreichen, würden die Maschinen anstelle vom gewohnten Rot nun in gelber Farbe lackiert, so der Marketing- und Verkaufsleiter. Die 24er Serie werde in Zukunft durch weitere Modelle ergänzt. Manuel Huiber (Produktmanager Kompaktmaschinen bei der Kiesel GmbH) berichtete: „Früher hatte ein Kompaktradlader nicht viele verschiedene Aufgaben. Die Radlader hatten meist eine Erdbauschaufel oder eine Palettengabel. Die Marktentwicklung in den letzten Jahren zeigt jedoch, dass sich der Trend im Segment Kompaktradlader in Richtung Flexibilität und Vielseitigkeit entwickelt. Gerade im Bereich GaLaBau erwarten die Kunden eine Maschine, mit der sie alle Bereiche ihres Aufgabenspektrums abdecken können. Für uns Hersteller beziehungsweise Händler ist das eine große Herausforderung, da die Tätigkeiten in diesem Segment sehr umfangreich sind – egal ob es um die Pflege von Grünflächen, den Bau von Außenanlagen oder den Einsatz im Winterdienst geht. Kiesel hat sich zum Ziel gesetzt, all diese Bereiche abzudecken. Neben dem Trend zu multifunktionalen Maschinen, die neben einer hohen Hydraulikleistung auch mehrere elektrisch angesteuerte proportionale zusätzliche hydraulische Hydraulikkreise besitzen, rückt auch bei kleinen Kompaktradladern der Komfort immer mehr in den Vordergrund. Zudem werden CAN-Bus-Systeme, die bei größeren Maschinen ab fünf Tonnen heutzutage zum Standard gehören, in Zukunft auch unterhalb der Fünf-Tonnen-Grenze verbaut.“
Thomas Sterkel (Geschäftsführer Avant Tecno Deutschland GmbH) erklärte zum Thema: „Der Markt für ‚kleine’ Radlader unterscheidet sich sehr stark in den Bereichen ‚kleine’ Radlader und ‚kleine’ Multifunktionslader. Beide Segmente haben sich in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt. Die aktuelle Situation ist sehr zufriedenstellend und in den nächs­ten sechs Monaten rechnen wir mit einem anhaltenden, positiven Wachstum.“ Mittelfristig gehe Avant von weiterem, gesundem Wachstum aus, so der Geschäftsführer, da die Aufgabensituation für die Unternehmer auf den Baustellen immer vielseitiger werde. Diese könne Avant mit seinem Programm bes­tens abdecken.“
Thomas Drechsler (Verkauf/Kundenbetreuung bei der Thaler GmbH & Co. KG) berichtete hierzu: „Die aktuelle Situation ist etwas schwierig einzuschätzen, da es im GaLaBau-Bereich immer auf die Größe der Betriebe beziehungsweise den Arbeitsbereich der einzelnen Betriebe ankommt. In den meisten GaLaBau-Betrieben laufen die Maschinen über Leasing oder Mietparks.“
 

Einsatzflexibilität ist Trumpf

Auch Radlader mit Teleskoparm sind im GaLaBau gefragt. © Werkbild
Dann wollten wir wissen, welche Gewichts- oder PS-Klasse im GaLaBau verstärkt nachgefragt wird und welche Anbaugeräte und Optionen dabei im Fokus der Anwender sind. Für Joachim Stein (Kubota) ist die wichtigste Klasse in Deutschland jene mit 0,6 und 0,8 Kubikmeter. Das betreffe die Maschinen mit 50 bis 59 PS und 60 bis 79 PS.
Richard Bremenkamp (Schäffer Maschinenfabrik) erklärte: „Die Nachfrage aus dem Galabau konzentriert sich besonders auf die kompakten Schäffer-Lader mit einem Einsatzgewicht von bis zu 2,5 Tonnen. Diese bieten eine hohe Einsatzflexibilität, da die Maschinen prob­lemlos zur nächsten Baustelle transportiert werden können. Es werden eher die Modelle mit stärkerer Motorisierung gewählt, um die zum Teil sehr hohen Anforderungen für den hydraulischen Antrieb von Mulchern oder Schneefräsen sicher zu stellen. Der Trend geht ganz klar zum ganzjährigen Einsatz, so dass auch immer mehr Maschinen mit Kabine ausgeliefert werden. Der Kunde benötigt ein sehr umfangreiches Werkzeugangebot, um seine individuellen Aufgaben zu bewältigen.“
Thomas Drechsler (Thaler) meinte, je nach Anforderung der Betriebe würden ab 38 PS benötigt. Das sei das Feld des 2138K, der sich bei Thaler am stärksten durchgesetzt habe. Die größere Anfrage gehe auch in Richtung Teleskoplader (zum Beispiel der 48T18). Thomas Drechsler weiter: „Der GaLaBauer benötigt in erster Linie die Schaufel für Erdarbeiten und einen Erdbohrer für den Zaunbau. Im Bereich der Landschaftspflege werden auch Schneeschilder, Kehrmaschinen, Mulcher, Mäher und so weiter nachgefragt.“Manuel Huiber (Kiesel) sieht traditionell den Bereich von fünf bis sechs Tonnen am stärksten nachgefragt. „Der Trend geht also in Richtung größere Kompakt­radlader mit zirka 60 PS. Jedoch sind im Hause Kiesel auch die Radlader mit zirka 45 PS – also rund drei Tonnen – absolute Zugpferde hinsichtlich der Absatzzahlen.“ Bei den Anbaugeräten würden (neben den Standardanbaugeräten wie Schaufel und Palettengabel) hydraulisch betriebene Anbaugeräte wie zum Beispiel Schlegelmulcher, Pflasterverlegezangen, Heckenscheren, Baumstumpfbohrer, Holzspalter, Kehrmaschinen und so weiter immer mehr in den Vordergrund rücken. Optional seien unter anderem Pro-Inching-Systeme, zusätzliche Pumpen für hohe Hydraulikleistung, eine StVZO-Beleuchtung und zusätzliche Hydraulikkreisläufe für diverse Anbaugeräte gefragt. Interesse bestehe auch für hydraulische Schnellwechsler, Komfortausstattungen, Leckölanschluss (druckfreier Rücklauf) und Stabilitätssysteme (Stabilo-System).
Thomas Sterkel (Avant Tecno) erklärte: „Die Butter- und Brotmaschine für den ‚typischen’ Anwender im Galabau liegt im Bereich von einer Tonne Hubkraft und zirka 30 bis 40 PS, ausgerüstet mit  einer Zusatzhydraulik von bis zu 70 Litern je Minute. Bei Avant braucht es dazu nur  1 500 Kilogramm Eigengewicht. Gepaart mit Vier-Radantrieb, Teleskophubarm, Traktionskontrolle und Niveauausgleich für den Hubarm sind somit die besten Voraussetzungen für einen Anwender im GaLaBau-Bereich gegeben, um die typischen Anbaugeräte wie Schlegelmulcher, Mähwerk, Umkehrfräse, Erdkanalfräse, Kehrmaschine oder Erdbohrgerät, wirtschaftlich und effektiv einzusetzen.“

Elektronik, Komfort und Effizienz

Hybrid- oder Elektroantriebe sind bei den kompakten Radladern im Moment noch nicht breit im Makrt vertreten. © Werkbild
{BILD:616621:jpg}Zuletzt fragten wir noch, welche technischen Trends sich bei Radladern (für den GaLaBau) in den kommenden Jahren durchsetzen werden. Als Beispiele nannten wir Hybridtechnologien und alternative Antriebskonzepte. Hierauf antwortete Thomas Drechsler (Thaler): „In Zukunft werden Hybrid- oder Elektroantriebe im Bereich Rad-, Hof- und Teleskoplader sicherlich eine wichtige Rolle spielen, jedoch können derzeit in diesem Bereichen die technischen Anforderungen noch nicht erfüllt werden.“ So wären zum Beispiel die zu geringen Betriebszeiten bei Elektromotoren noch ein Problem. Die Antwort von Thomas Sterkel (Avant Tecno) geht in dieselbe Richtung: „Hybridtechnologien und alternative Antriebskonzepte sind sicherlich schon heute für die Marktführer technisch machbar. Jedoch ist die Umsetzung – hinsichtlich Kostenfaktor und/oder Nutzungsdauer pro Tag – heute noch nicht zufriedenstellend für den Anwender. Denn Leistung müssen die Maschinen jeden Tag bringen. Im Vordergrund der nächsten Jahre wird man sich mehr und mehr mit der Thematik der Reduktion von Immissionen im Gesamten beschäftigen.“
Manuel Huiber (Kiesel) erwartet ein verstärktes Verwenden von CAN-Bus-Systemen. Diese würden auch die Wartung der meisten Komponenten erleichtern, durch Diagnosegeräte und eine bessere Vernetzung von Getriebe, Motor, Achsen und so weiter.
Für Joachim Stein (Kubota) ist immer wieder auch die Maschinen-Bedienung und der Fahrkomfort ein sehr wichtiges Thema, ebenso – wie bei dem Modell R085 – der regelbare Fahrantrieb. Dieser lasse sich schnell und einfach auf alle Arbeitseinsätze einstellen. „Derzeit sind wir damit beschäftigt, unsere neuen Maschinen in den Markt einzuführen. Weitere Überlegungen im Bereich der Hybridtechnologien gibt es noch nicht.“ Hier stelle sich natürlich zuerst die Frage, welchen Preis der Kunde bezahlen würde. Schließlich sei der Radladermarkt in Deutschland hart umkämpft und nicht einfach. Richard Bremenkamp (Schäffer Maschinenfabrik) antwortete abschließend: „Wir sehen im Augenblick noch kein alternatives Antriebskonzept, das den Dieselmotor gleichwertig ersetzen kann. Wir setzen eher auf Effizienzsteigerung der vorhandenen Antriebe. Bei Schäffer wird der komplette Antriebsstrang perfekt aufeinander abgestimmt. Dabei verwenden wir Komponenten wie Achsen oder Hydraulikpumpen, die nach unseren Vorgaben exklusiv für uns gebaut werden. Die Vorteile sind ein sehr niedriger Kraftstoffverbrauch und hohe Schubkräfte. Ein weiterer Trend ist der Einsatz von Radladern an schwer zugänglichen Orten. Wir haben darauf mit der SLT-Baureihe – SLT bedeutet ‚Schäffer Lader Tief’ – reagiert. Die SLT-Lader durchfahren mit einer Gesamthöhe ab 1,89 Meter auch sehr niedrige Durchfahrten wie Garagen oder Gartentore.“ Die neue 24er Serie sei auch in der SLT Ausführung lieferbar. (mm)

 
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