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AT-Fachbeiträge

"Der Block macht s" aus der AGRARTECHNIK 07/2014

von , am
30.07.2014

Börger ist Spezialist für Drehkolbenpumpen | Wartungsfreundlichkeit und geringe Verschleißkosten – dafür stehen die Drehkolbenpumpen von Börger. Sie finden ihren Einsatz nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch in vielen Bereichen der Industrie. Worauf das starke Wachstum des Familienbetriebes zurückzuführe ist, haben wir vor Ort in Borken-Weseke erfahren.

{BILD:614070:jpg}{BILD:614073:jpg}Auf Drehkolbenpumpen basiert der Erfolg des Familienunternehmens Börger aus Borken-Weseke. Mit der Firmengründung 1975 durch den damals 25-jährigen Landmaschinenmechanikermeister Alois Börger beginnt die recht eindrucksvolle Erfolgsgeschichte des Unternehmens.  Als Vertreter anderer Hersteller konnten 1985 beispielsweise rund 500 Pumpen gehandelt werden. Forderungen der Kunden nach hohen Standzeiten und Wartungsfreundlichkeit trieben Börger schnell zu eigenständigen Entwicklungsarbeiten: 1986 beginnt die Entwicklung der patentierten Drehkolbenpumpen, die bereits 1988 in den nationalen Markt eingeführt wurden. Die internationale Vermarktung startete 1990. Mittlerweile hat das bankenunabhängige Familienunternehmen – darauf legt Inhaber und Geschäftsführer Alois Börger großen Wert – einen weltweiten Vertrieb mit zurzeit neun Tochterfirmen und Vertretungen in mehr als 50 Ländern aufgebaut. Über alle Produktbereiche beträgt der Exportanteil mittlerweile 60 bis 65 Prozent. Am Standort Borken-Weseke beschäftigt das Unternehmen 160 Mitarbeiter, weltweit sind es 260. Am Standort Weseke sind rund 13 000 Quadratmeter bebaut, weitere 22 000 Quadratmeter Reservefläche stehen zur Verfügung. „Unser Umsatz und die Zahl der Mitarbeiter haben sich in den vergangenen zehn Jahren vervierfacht“, unter­streicht der Geschäftsführer. Neben ihm sind seine Frau Ursula und seit 2006 seine Tochter Anne Börger-Olthoff in der Geschäftsführung des Unternehmens tätig. Eine kontinuierliche Weiterführung de

Für viele Einsatzbereiche

Inhaber und Geschäftsführer Alois Börger setzt auf die Blockbauweise seiner Drehkolbenpumpen. Der weltweite Erfolg gibt ihm recht.
Was gut in der Landwirtschaft funktioniert, lässt sich auch gut in andere Bereiche übertragen. Inzwischen beliefert Börger führende Unternehmen in vielen Industriebereichen. Einsatzschwerpunkte für die Pumpen findet das Unternehmen heute in der Abwasser- und Schlammbehandlung, in der Chemie-, Farb- und Lackindustrie, bei der Papier- und Zellstoffherstellung, in der Zuckerindustrie, bei der Petrochemie und Ölindustrie, im Bereich der Marine und Offshore, außerdem in vielen anderen Bereichen, in denen der Anwender die patentierten Vorteile der Kolbenvielfalt und der schnell wechselbaren Drehkolbendichtleisten erkannt hat. „Dank des einfachen und doch genialen Förderprinzips hat sich diese selbstansaugende, ventillose Verdrängerpumpe im gesamten industriellen Bereich durchgesetzt“, betont Alois Börger. „Der Vertrieb der Industrie-Produkte sowie der AgrarTec-Einrichtungen ist geteilt und wird von unterschiedlichen Abteilungen durchgeführt“, erläutert der Geschäftsführer. „Somit können wir jeden Bereich kundenindividuell beraten und betreuen. Service und Kundenbetreuung spielen eine übergeordnete Rolle. Hier ist schnelles und kompetentes Handeln angesagt.  Im Bereich AgrarTec haben wir zahlreiche Mitarbeiter im Innendienst, von denen jeder ein Spezialgebiet hat wie beispielsweise Lagerbehälter, Drehkolbenpumpen, Gülletechnik und anderes mehr. Trotzdem können sie unsere Kunden natürlich über unser komplettes Produktangebot beraten.“ 

Klar gegliederter Aufbau

Seit knapp zwei Jahren fertigt Börger auch die Tauchmotorrührwerke selbst, um das Angebot aus eigener Hand qualitativ hochwertig zu komplettieren.
{BILD:614075:jpg}Die Börger Drehkolbenpumpen gibt es in sechs Baureihen (AL, PL, CL, FL, EL und XL). Insgesamt sind 20 Baugrößen mit Förderleistungen von ein bis 1 500 Kubikmeter pro Stunde verfügbar. Hervorstechendes Merkmal aller Pumpen ist die für Börger charakteristische Blockbauweise – es werden immer nur vier Gehäuseteile benötigt. Diese Blockbauweise mit einseitiger Lagerung garantiert nach Aussage des Unternehmens, eine optimale Wartungsfreundlichkeit und Langlebigkeit. Die Bauteile sind: Träger- und Gleichlaufgetriebe, Quench- und Kontrollraum, Pumpengehäuse in Blockbauweise, Medium unberührte Welle, axialer und radialer Gehäuseschutz, Wellenabdichtung, Drehkolben und der Schnellverschlussdeckel. Die Drehkolben gibt es zwei- oder dreiflügelig, gewendelt oder linear aus den unterschiedlichsten Materialien. „Um die Pumpengehäuse unserer Pumpen vor abrasiven Medien und Feststoffen zu schützen, haben wir schon vor Jahren die austauschbaren Gehäuseschutzplatten und -schalen entwickelt. Der Austausch des Gehäuseschutzes erfolgt mit wenigen Handgriffen“, erläutert Alois Börger. „Die Gleitringdichtung ist abziehbar. Ein Monteur braucht zum Wechseln der Drehkolben rund fünf Minuten.“ Sind die Drehkolben mit Gummidichtleis­ten ausgestattet, lassen sich diese ebenfalls im Handumdrehen wechseln. Aufgrund der Vielfalt der zur Verfügung stehenden Einzelelemente und Werkstoffe kann Börger fast jeden Kunden mit einer auf seine speziellen Bedürfnisse optimal ausgerichteten Pumpe beliefern. Drehkolbengeometrien, -beschichtungen und -dichtleisten, Pumpengehäuse und Wellenabdichtungen werden dem Fördermedium entsprechend ausgewählt. Auch getauchte Ausführungen sind möglich. Bei der Wahl des Antriebs oder eventuell benötigter Rahmenkonstruktionen oder mobiler Pumpaggregate hat der Kunde bei Börger eine große Auswahl – sei es mit Elektromotor, Dieselmotor, Zapfwelle oder Hydraulikmotor, alles ist möglich. Je nach Einsatzbereich ist der Antrieb mit Radialkolben- oder Orbitalmotor möglich. In beiden Fällen sind eine variable Förderleistung und ein reversibler Betrieb der Pumpe möglich. Börger legt viel Wert auf eine perfekte Abstimmung zwischen Pumpe und Hydraulikmotor. „Der Trend im Tankwagenbereich geht klar in Richtung Pumpen mit Förderleistungen von 12 000 Liter pro Minute“, stellt der Firmeninhaber fest. Eine Neuentwicklung ist die Drehkolbenpumpe mit Vier-Gang-Schaltgetriebe. Es stehen drei Vorwärtsgänge (zur Ausbringung) und ein Rückwärtsgang (zum Befüllen) zur Verfügung. Das Getriebe – wie so vieles bei Börger eine Eigenentwicklung – gibt es für sämtliche Pumpengrößen. Es ermög­licht eine deutliche Vereinfachung des Rohrleitungs- und Schiebernetzes und damit eine Reduzierung des Eigengewichts des Tankwagens.Mit dem Getriebe und den Zapfwellendrehzahlen 540, 750 und 1 000 U/min ist es beispielsweise möglich, mit der großen EL2250 im ersten Gang und 540 U/min 3 400 Liter pro Minute auszubringen und im dritten Gang bei  ­1 000 U/min an der Zapfwelle bis zu 12 600 Liter pro Minute. Beim Befüllen werden mehr als 15 000 Liter pro Minute erreicht. Ebenfalls relativ neu im Programm sind Pumpen mit Aluminiumgehäuse. „Gerade im Transportbereich – hier haben wir einen Marktanteil bei den Pumpen von rund 70 Prozent – zählt jedes Kilogramm Zuladung“, stellt Alois Börger fest. „Aluminium bringt uns eine Gewichtsersparnis von rund 40 Prozent.“
 

Qualität ist gefragt

Eine Neuentwicklung von Börger ist das Vierganggetriebe in Verbindung mit der Drehkolbenpumpe. Vorteil: Befüllvorgänge gehen sehr schenll und die Ausbringmenge lässt sich in einem weiten Bereich variieren.
Alois Börger sieht im Bereich der Pumpen einen starken Trend in Richtung Automatisierung. Die Pumpstationen sind mit Sensoren versehen, so dass sie sich abschalten, wenn der Behälter leer ist. Die Pumpen können mit einer Funkfernsteuerung ausgerüstet werden. Ein Durchflussmengensensor ermög­licht es, die Mengen dem jeweiligen Fahrerkonto zuzuordnen. „Der Wunsch der Kunden nach Automatisierung kommt uns entgegen“, so Alois Börger. Forschung und Entwicklung spielen bei Börger eine große Rolle. Auf rund 400 Quadratmeter Fläche arbeiten 15 Mitarbeiter an der Verbesserung bestehender und der Entwicklung neuer Produkte. „Da fließt immer wieder neues Geld rein“, berichtet der Firmeninhaber. „Wir sind im Pumpen- und Metallbau gut aufgestellt. Auch im Bereich der Zerspanung leisten wir uns einen  teuren Maschinenpark, um gerade im Prototypenbau schnell zu Ergebnissen zu kommen. Für die eigentliche Produktion fertigen wir nur rund 20 Prozent der Teile selbst. Ansonsten arbeiten wir mit langjährigen, regionalen Lieferanten partnerschaftlich zusammen.“
Seit vier Jahren wird ein eigener Bereich Steuerungstechnik und Elektronik aufgebaut, „denn heute ist die intelligente Pumpe gefragt“, so Alois Börger. Vom Bau von Schaltschränken bis zum Schreiben von Programmen reicht das Angebot. „Seit wir diesen Bereich aufgebaut haben, sind wir in vielen Anwendungen führend dabei“, betont der Geschäftsführer. „Die Kunden erwarten hohe Qualität und akzeptieren auch höhere Preise. Unsere Pumpen können wir auch mit einem Fernwartungssys­tem ausstatten.“

Produktportfolio ausgebaut

Im Transportbereich zählt jedes Kilogramm Nutzlast. Deshalb bietet der Drehkolbenspezialist auch Pumpen mit Aluminiumgehäuse an – Gewichtsersparnis rund 40 Prozent.
{BILD:614074:jpg}{BILD:614080:jpg}Aufbauend auf dem Prinzip der Drehkolbenpumpe und mit im Wesentlichen gleichen Bauteilen stellt Börger seit 2001 den Unihacker her. Dieses effiziente Zerkleinerungsgerät mit Einzugsfunktion hat sich zum Bestseller im Programm entwickelt. Es sind Zweiwellen-Zerkleinerer, die in verschiedenen Baugrößen bis zu Durchsatzmengen von 320 Kubikmeter pro Stunde (5 300 l/min) in platzsparender, kompakter Bauweise angeboten werden. Der Zerkleinerungsgrad ist durch Wahl der Messerkombinationen variabel. Für die einfachere Zerkleinerungsaufgabe ist der Multichopper das geeignete Gerät. Der Lochscheiben-Zerkleinerer liefert mit vielen Schnitten pro Umdrehung ein effizientes Ergebnis bei faserigen Medien. Ausführungen mit oder ohne Feststoffabscheider sind lieferbar. Die Durchsatzmengen reichen bis  500 Kubikmeter pro Stunde (9 000 l/min). Der Zerkleinerungsgrad ist durch die Wahl der Lochscheibe und der Durchströmgeschwindigkeit variabel. Der Rotorrechen ist ein verstopfungsfreier Einwellen-Grobzerkleinerer mit radialer Durchströmung und sehr guter Hartstoffabscheidung. Durchsatzmengen bis 800 Kubikmeter pro Stunde   (13 300 l/min) sind möglich. Ein Feststoffabscheider ist optional. „Mit diesen drei Zerkleinerern sind wir in der Lage für nahezu jedes Zerkleinerungsproblem mindestens eine geeignete Lösung anbieten zu können“, so Börger.

Lagerbehälter

Wenn man schon Pumpen baut, ist der Weg zu Lagerbehältern für Gülle und andere Flüssigkeiten nicht weit. Seit Anfang der 1980er Jahre hatte Börger schon Silos von Zulieferern vertrieben, mit dem Ziel Vollanbieter in der Landwirtschaft zu werden, konnte Börger 1998 die Produktgruppe „Verschraubte Edelstahl-Flachbodentanks“gründen. „Wir haben die Behälter weiterentwickelt und der Kundenzuspruch gibt uns recht. Jährlich bauen wir 100 bis 150 Edelstahlbehälter. Dieser Bereich wäre noch ausbaubar.“, berichtet Alois Börger. Das Fassungsvermögen der Edelstahl-Behälter in Segmentbauweise reicht von 30 bis 5 000 Kubikmeter. Sie eignen sich für die Lagerung von jeglicher Art von Flüssigkeiten. Unterschiedlichstes Zubehör und verschiedene Dachkonstruktionen ermöglichen eine individuelle Anpassung an nahezu jeden Anwendungsfall. Im Agrarbereich werden die Behälter zur Lagerung von Flüssigmist und Futterkomponenten verwendet, während sie im Biogasbereich als Fermenter, Nachgärer und Gärrestebehälter eingesetzt werden. Als Eintragsystem für Biogasanlagen hat Börger den Powerfeed entwickelt. Die Flüssigfütterung eignet sich für beliebig viele und unterschiedlich hohe Behälter. Die Eindosiermenge beträgt bis zu  20 Tonnen pro Stunde. Für die Konstruktion verwendet das Unternehmen dickwandige Edelstahl-Bauteile. Die Presskanallänge kann produktbezogen eingestellt werden. Seit zwei Jahren produziert Börger, um das Angebot zu komplettieren,  auch Tauchmotorrührgeräte in Eigenregie. Auch Strahlrührgeräte gehören zum Angebot des Familienunternehmens.

Separation

Um den Kunden intelligente Pumpen anbieten zu können, hat Börger einen eigenen Elektronikbereich im Unternehmen eingerichtet.
{BILD:614069:jpg}Mit dem Bioselect engagiert sich Börger im Bereich der Fest-Flüssig-Trennung. Durch ein rein mechanisches Verfahren werden aus dem Ursprungsmedium (beispielsweise Gärreste oder Flüssigmist) die flüssigen von den festen Bestandteilen getrennt. Mit dem Bioselect sind Durchsatzmengen bis zu 60 Kubikmeter pro Stunde realisierbar. Den Börger Bioselect gibt es in zwei Ausführungen, zum einen als RC mit der feder-vorgespannten Austragungseinheit Multi-Disc und zum anderen als BS, bei dem eine Drehkolbenpumpe (Dickstoffpumpe) für den sicheren Verschluss und für die gleichzeitige Weiterförderung der eingedickten Masse sorgt.Kernelement des Separators ist die patentierte Spiralschnecke. Um harte metallische Reibbeanspruchung zwischen Schnecke und Spaltsieb zu vermeiden, ist die Schnecke mit einer Profilnut versehen. In dieser Nut bauen sich Faserstoffe auf, welche als Bürstenoberfläche fungieren. Das Ergebnis: kein Reibverschleiß am Spaltsieb oder der Schnecke; der sanfte Abstreifbelag erneuert sich stetig. Auf diesem Prinzip basiert auch das Premium-Profil des zweiflügeligen Biogaskolbens in der Drehkolbenpumpe. In ihm sind Nuten eingefräst, in die sich Faserteile als immer wieder erneuernde Dichtung absetzen können. In der Entwicklung befindet sich gerade ein Bioselect mit Phosphor-Abscheidung. Dazu wird eine weitere spezielle Drehkolbenpumpe eingesetzt.  Diese ist so geregelt, dass zur Trennung die idealen Voraussetzungen erzielt werden. Dadurch bildet sich am Sieb eine biologische Schicht  aus dem Trennmaterial. Diese soll das Phosphor zurückhalten. Die Versuche in diese Richtung sind sehr erfolgversprechend.(rk)
 
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