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AT-Fachbeiträge

"Auf dem Boden bleiben" aus der AGRARTECHNIK 06/2014

von , am
11.06.2014

DLG-Feldtage – Trendbericht Bodenbearbeitung | Der Boden ist das wichtigste Kapital in der Landwirtschaft. Welche Möglichkeiten es gibt, langfristig die höchsten Zinsen zu erzielen, haben uns einige der führenden Hersteller für Geräte zur Bodenbearbeitung erklärt.

Boden ist mehr als die Oberfläche der Erde, oder der Dreck, der sich an Schuhe und Reifen hängt. Seine Vielfalt kennt kaum Grenzen, denn es geht nicht nur um die Bodenart, die sich nach den Körnungsgrößen in Sand, Schluff und Ton unterteilt, sondern auch um verschiedene Typen mit unterschiedlichen Eigenschaften. Außerdem spielen Faktoren wie Steinanteil, Hangneigung oder Staunässe eine Rolle in der Wahl der Geräte zur Bodenbearbeitung. Hinzu kommen noch pflanzenbauliche Aspekte, wie Frucht(-folge), Ernterückstände und die zur Verfügung stehende Zeit. Natürlich darf auch die Wirtschaftlichkeit neben dem Arbeitseffekt nicht außer acht gelassen werden. Um für die verschiedensten Anwendungen die optimale Bodenbearbeitung zu ermöglichen, haben sich zahlreiche Geräte etabliert. Im Rahmen der DLG-Feldtage werden wieder Vorführungen stattfinden und verschiedene Versuchsreihen zu sehen sein. Wir haben bei einigen Herstellern nachgefragt, wie sich der aktuelle Technikeinsatz darstellt, welche Trends zu beobachten sind und wie die Zukunft der Bodenbearbeitung aussehen könnte. 

 

Kurzscheibenegge

Bei Kurzscheibeneggen ist ein deutlicher Trend zu größeren Scheiben festzustellen. Mit diesen kann tiefer gearbeitet werden.
Die Kurzscheibenegge ist eines der jüngsten Geräte zur Bodenbearbeitung. Dennoch hat sie in der relativ kurzen Zeit eine weite Verbreitung gefunden und ist bei allen großen Herstellern für Bodenbearbeitungsgeräte im Produkt-Programm. Wir haben bei Pöttinger nachgefragt, ob sich der Siegeszug der Kurzscheibeneggen weiter fortsetzt und in welche Richtung die Trends gehen. Produktmanager Alois Kirchmayr sagt: „Die Bedeutung der Kurzscheibenegge und die Zuwächse bei den Verkaufszahlen sind leicht steigend.“ Sehr deutlich sei der Trend zu größeren Scheibendurchmessern zu erkennen, da auch verstärkt tiefer gearbeitet werde. Außerdem sei aufgrund der vielen Einsatzmöglichkeiten von Kurzscheibeneggen eine immer größere Auswahl an Nachläufervarianten notwendig geworden. Bei der Kurzscheibenegge als Solomaschine sieht Pöttinger keinen Bedarf zur teilflächenspezifischen Bewirtschaftung. „Wir integrieren aber eine vollwertige Kurzscheibenegge in die Mulch­­­sa­at­maschine Terrasem, bei der wir eine teilflächenspezifische Bewirtschaftung ­anbieten“, sagt Alois Kirchmayr. Optimierungspotenzial besteht laut Kirchmayr dahingehend, dass die Einsatzdauer erhöht wird, wie zum Beispiel die Kombination mit einer Aufbausämaschine. Die neue Terradisc multiline stelle solch eine Maschine dar. „Das Resultat ist eine schlagkräftige und kostengünstige Mulchsaattechnik mit höchster Einsatzflexibilität“, sagt der Produktmanager. Bodenschonung ist ein zentrales Thema, auf das auch Pöttinger besonderen Wert legt. So sei die Terradisc multiline eine bodenschonende Technik, da der Packer das Gewicht der Maschine trägt. Nur die Stützlast liegt auf dem Schlepper. Somit sei es möglich, die Maschine ohne Frontballast einzusetzen,  was die Gesamtbilanz gegen Schadverdichtungen am Vorgewende wesentlich verbessere.
 

Grubber

In den letzten Jahren ist eine immer spezifischere Bodenbearbeitung, je nach den Gegebenheiten, zu beobachten. Ein neuer Trend ist die gleichzeitige Düngung beim Grubbern.
In Deutschland werden rund 40 Prozent aller Flächen pfluglos bearbeitet, auch in Europa ist der Wert sehr hoch und somit die Bedeutung des Grubbers wichtig. Hinzu kommt, dass er eine wichtige Maschine in der Stoppelbearbeitung ist. Weltweit dominiert jedoch eher die Direktsaat. Generell ist dies abhängig von der Klimazone, den angebauten Kulturen sowie den Erträgen und Strohmengen. Horsch ist eines der Unternehmen, die ausschließlich auf pfluglosen Ackerbau ausgerichtet sind und dies auch in Zukunft nicht ändern wollen. Deshalb haben wir Michael Braun, Teamleiter Produktmarketing gefragt, welche Trends im Grubberbau zu beobachten sind. „Der extreme Trend der letzten Jahre lautet Individualisierung. Die Bodenbearbeitung wurde und wird immer spezifischer nach Standort, Boden und Fruchtfolge ausgerichtet. Daraus resultiert auch die enorme Produktvielfalt in der Bodenbearbeitung. Wo es vor zehn Jahren einen Universalgrubber mit einer Ausstattung für alle Standorte gab, bietet der Markt heute viele Produkte mit individuellen Ausstattungsoptionen, wie Packer, Schare und so weiter.“ Als weiteren Trend sieht Michael Braun das Dünger­ausbringen direkt in der Bodenbearbeitung. Horsch reagierte darauf beispielsweise zur Agritechnica 2013 mit dem Hecktank Partner.
Die Arbeitsbreiten sind nach wie vor ein Thema und gehen, aufgrund der immer noch steigenden Schlepperleistungen, weiter nach oben. Generell sind Grubber aus heutiger Sicht mit der Variabilität nahe am Optimum. Potenzial besteht jedoch in den Arbeitsbreiten. Auf die Frage, ob Elektronik auch im Grubber­einsatz Bedeutung haben könnte, antwortet Michael Braun: „Hier läge Potenzial im Bereich der Sensortechnik. Kann man über einen Sensor zum Beispiel Bodenzustände erfassen, so könnte man hier gezielt in der Arbeitstiefe variieren.“ An Universitäten werde zu diesem Thema schon lange geforscht

Pflug

Der Pflug ist das älteste Gerät zur Bodenbearbeitung, aber dennoch aktuell und zukunftsfähig. Dazu muss sein Einsatz entsprechend angepasst werden, zum Beispiel in der Arbeitstiefe.
Der Pflug gilt als eines der ältesten Geräte in der Landwirtschaft. Er war aber in den vergangenen etwa 20 Jahren aufgrund der immer weiter angewandten konservierenden Bodenbearbeitung oft Gegenstand kontroverser Diskussion und ihm wurde wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Deshalb wollten wir von Kverneland, als einem der alteingesessenen Pflughersteller wissen, wie sich das wichtigste Gerät zur Bodenbearbeitung heute darstellt. „Die Tendenz zum Pflugeinsatz ist in Deutschland wieder steigend! In vielen anderen Ländern, in denen der Pflug genutzt wird, sieht das ähnlich aus“, sagt Dominik Haselhorst, Produktmanager für Bodenbearbeitung bei Kverneland. Was aber führt zum Einsatz des Pfluges in der mehrjährigen Fruchtfolge alle zwei bis drei Jahre oder gar zur jährlichen Anwendung? „Sicherlich sind die bekannten positiven Argumente ausschlaggebend. Zudem spielen weitere Einflussgrößen auf die Auswahl des passenden Bodenbearbeitungsverfahrens eine wichtige Rolle. Da wären zum Beispiel Standortbedingungen wie Bodenvorkommen und klimatische Voraussetzungen, außerdem Fruchtfolgen, Gesetze und Richtlinien und nicht zuletzt die Affinität des Betriebsleiters.“  Wenn es um den Pflug geht, wird ein Aspekt oft negativ beurteilt – die Wirtschaftlichkeit. Dominik Haselhorst ist aber überzeugt, dass der Pflug im richtigen Einsatz weder teuer noch unwirtschaftlich ist und zudem vielleicht in der Zukunft die beste mechanische Bekämpfung gegen Ungräser oder Schädlinge sein kann.
Ein oft diskutiertes Thema ist die Arbeitstiefe. „In der Vergangenheit wurde vielerorts rund 30 Zentimeter tief gepflügt und das war gut so“, sagt der Produktmanager. {BILD:611191:jpg}Gleichzeitig wirft er aber die Frage auf, ob dies ein MUSS ist, um hohe Erträge zu haben. Oder sei ein flacheres Pflügen am Ende wirtschaftlicher als tiefes Pflügen? Kverneland hat sich in den letzten Jahren stark auf die geminderte Pflugtiefe konzentriert und diverse Versuchsreihen mit unterschiedlichen Instituten angelegt. Hierbei stand im Vordergrund zu analysieren inwiefern sich Zugkraft- und Kraftstoffbedarf reduzieren lassen, ohne den Ertrag zu verringern. Aus diesen Versuchen belegt Kverneland, dass eine reduzierte Pflugtiefe auf etwa 20 Zentimeter viele Vorteile bietet. Etwa 20 Zentimeter Arbeitstiefe, da der Pflug von Jahr zu Jahr angepasst werden sollte und nicht wie in der Vergangenheit oftmals in einer Standardtiefe verweilt. In trockenen Jahren mache es durchaus Sinn etwas tiefer zu pflügen, in nassen Jahren dagegen etwas flacher. „So kann ein hervorragendes Saatbeet geschaffen werden und eine Pflugsohlenbildung an einer Stelle bleibt aus“, ist die Erfahrung von Dominik Haselhorst. „Noch flacheres Pflügen führt oftmals zu hoher Verunkrautung und damit verbundenem ­höherem Herbizidaufwand, sowie eventuellen Mindererträgen – ist also letztendlich unwirtschaftlich.“ Die Oberfläche beziehungsweise das Schütten des Bodens sei bei dieser Arbeitstiefe im Verhältnis zur Arbeitsbreite bei 45 bis 50 Zentimeter pro Körper gut. Hier spiele allerdings auch die gefahrene Geschwindigkeit eine ausschlaggebende Rolle, wobei das Optimum, je nach Standort, etwa um 7,5 Kilometer pro Stunde liegt.
Ein weiterer Faktor in Bezug auf die Arbeitstiefe ist die organische Masse an der Oberfläche. Um diese sauber und ordentlich durchmischt in den gedrehten Erdbalken einzuarbeiten, sollte eine Vorarbeit mit der Kurzscheibenegge oder dem Grubber stattfinden. Nach den Erkenntnissen von Kverneland sollte die Arbeitstiefe maximal ein Viertel der Pflugtiefe betragen, um genügend festen Boden für den Pflug zu haben. Vorarbeit und angepasste Arbeitstiefe führen zur gleichmäßigen Einmischung von Stroh- und Ernterückständen. Nest- oder Mattenbildung, die ein Paradies für Mäuse und Schnecken sind oder Staunässe hervorrufen, können so verhindert werden.
Eine reduzierte Arbeitstiefe von 30 auf 20 Zentimeter mit einem, dem Standort angepassten, Pflugkörper, kann laut Kverneland zu einer Minderung von annähernd 50 Prozent Zugkraftbedarf und 40 Prozent Kraftstoffverbrauch führen, während dessen der Ertrag nahezu gleich bleibt. „Das bedeutet eine enorme Ersparnis beim Pflügen. Für die Zukunft bleibt daher festzustellen, wie es zu schaffen ist, die frei gewordene Zugleistung des Schleppers richtig zu nutzen und dennoch ein optimales Arbeitsbild zu erreichen“, sagt Haselhorst. Mit dem passenden Schlepper vor dem vierfurchigen Pflug sei es wohl undenkbar einen sechsfurchigen Anbaupflug zu fahren. Also müsse eine neue Möglichkeit im Bereich der Körper gefunden werden. Diese könnte sich beziehen auf Körperformen, Materialien oder unterschiedlichste Verschleißteile. Dabei bleiben natürlich die immer breiteren Schlepperreifen zu berücksichtigen, denn Pflügen bedeutet keinesfalls den Boden mit schmalen Pneus zu verdichten. In Zukunft könnten auch 710er oder gar 800er Reifen in der Furche laufen, wenn der Landwirt die On-land-Version nicht mag. Neben der Hardware am Pflug wird ein immer größerer Aspekt auf den Bereich Software gelegt. „Die elektronischen Lösungen machen auch vor dem Pflug nicht halt. Kverneland hat schon seit über zehn Jahren erfolgreich die ISOBUS-Steuerung am Karrenpflug implementiert“, sagt der Produktmanager. „So können Einstellungen und das Vorgewende-Management bequem vom Schlepper aus vorgenommen werden.“ Weitere Hersteller folgen ebenfalls mit ISOBUS-Steuerung am Pflug. Aufgebaut auf diese Steuerung bietet Kverneland das System „FurrowControl“ a RW an. Der Schlepper versorgt den Pflug mit GPS-Sig-nal (A-B-Line via RTK). Dieser passt damit automatisch seine Arbeitsbreite an, um gerade Furchen zu ziehen. Kurven und Ausläufer können ausgeglichen werden und das Pflügen bei Nacht wird vereinfacht. „Diese elektronischen Lösungen sparen Nerven, Zeit und Geld.“ „Obwohl der Pflug eines der ältesten Geräte in der Landwirtschaft ist, ist er noch lange nicht am Ende seiner Zeit und der endgültigen Entwicklungsstufe angekommen. Weitere Neuerungen an der Hardware und der Einsatz von Elektronik werden das Pflügen in Zukunft viel spannender, einfacher und wirtschaftlicher machen. Praktiker müssen zudem Vertrauen zu geminderten Arbeitstiefen finden“ meint Dominik Haselhorst. Der Trend geht dahin, wieder mehr und intensiver zu pflügen. Dies zeigen Statistiken, Verkaufszahlen und der Umstand, dass weitere Hersteller den Sektor Pflug betreten.    

Aktive Saatbettbereitung

Kreiseleggen sind vielseitig einsetzbar und hinterlassen ein feinkrümeliges Saatbett. Für die Zukunft wäre es denkbar mit elektronischen Steuerungen den Fahrer zu entlasten.
Die Kreiselegge ist für viele landwirtschaftliche Betriebe die Leitmaschine zur optimalen Saatbettbereitung. Andere aktiv angetriebene Geräte, wie zum Beispiel die Fräse spielen, wenn überhaupt, nur noch für Spezialanwendungen oder unter extremsten Bedingungen eine Rolle. In konventionellen und in konservierenden Bestellverfahren, im Soloeinsatz und in Kombination mit Drill- oder Pflanzmaschinen – eine leistungsfähige Kreiselegge ist vielseitig einsetzbar. Dabei lässt sich durch das Zusammenspiel von Arbeitstiefe, Fahrgeschwindigkeit, Drehzahl und Drehrichtung der Zinken, wie bei keinem anderen Saatbettbereitungsgerät, unter fast allen Bedingungen ein feinkrümeliges und ebenes Saatbett erstellen. Ein weiterer Spezialist für Bodenbearbeitunsgeräte ist Lemken. Deshalb haben wir Josef Böcker aus dem Marketing und Lars Heier, Marketingleiter, gebeten uns ihre Einschätzung und Erfahrung zum Thema Kreiseleggen darzustellen. „Lemken verfolgt weiter den Weg der Baukas­tenlösung, um dem Kunden die Möglichkeit zu geben, eine für seine Bedingungen optimale Kreiselegge zu konfigurieren“, sagt Josef Böcker. „Er kann beim Getriebe zwischen einem Wechselrad- oder Schaltgetriebe wählen. Zinken in unterschiedlichen Abmessungen werden als Schraub- oder Schnellwechselzinken angeboten, für ­besonders hohe Beanspruchungen auch in aufgepanzerter Form.“ Verschiedene Walzen zur Rück­verfestigung stünden zur Verfügung. In Kombination mit Sätechnik würden sehr häufig Walzen zur gezielten Reihenvorverdichtung eingesetzt. Zudem liege eine Erhöhung des Be­dienkomforts voll im Trend. So bietet Lemken jetzt für die neue Baureihe Zirkon 12 optional eine hydraulische Arbeitstiefenverstellung an. „Im Bereich der Bodenbearbeitung werden elektronische Steuerungen vielfach zur Erhöhung des Bedienkomforts oder zur Überwachung verschiedener Funktionen genutzt. Beim Kreiseleggenprogramm bietet Lemken optional für den Soloeinsatz eine akustische Gelenkwellenüberwachung an. In Verbindung mit der elektronischen Drillmaschinensteuerung Solitronic wird am Bedienterminal ein optischer und akustischer Alarm ausgelöst, wenn sich die Gelenkwellen in Arbeitsstellung nicht mehr drehen“, sagt Lars Heier. Bereits zur Agritechnica 2011 hat Lemken eine Antischlupfregelung für die Nachlaufwalzen der Kreiseleggen vorgestellt. „Hierbei wird der Fahrer deutlich entlastet, da der Walzendruck in wechselnden Bodenverhältnissen automatisch geregelt und so ein störungsfreies Arbeiten ermöglicht wird“, sagt Josef Böcker. Gleichzeitig verringere sich durch den minimierten Schlupf die erforderliche Zugkraft und damit der Energiebedarf der Bestellkombination. „Weiterhin ist vorstellbar, dass über eine entsprechende Sensorik die Krümelstruktur beziehungsweise Arbeitsqualität ermittelt wird. Anschließend wird dann die Arbeitsintensität der Kreiselegge angepasst.“ ISOBUS-taugliche Maschinen bieten die Hersteller mittlerweile in vielen Produktgruppen an. Lars Heier könnte sich auch vorstellen, dass zum Beispiel bei veränderter Geschwindigkeit des Traktors die Drehzahl der Kreiselegge automatisch angepasst wird.
 

Passive Saatbettbereitung

Geräte zur Saatbettbereitung, die nicht aktiv vom Traktor angetrieben werden, punkten mit großen Flächenleistungen.
Aufgrund des anhaltenden Strukturwandels in der Landwirtschaft und den dadurch immer größer werdenden Betrieben werden immer mehr Maschinen mit Werkzeugen zur passiven Saatbettbereitung ausgerüstet. Der Trend geht gerade auf mittleren und großen Betrieben weg von der Kreiselegge hin zur Saatbettbereitung in einer Überfahrt beim Säen. Väderstad setzt seit jeher auf nicht von der Zapfwelle angetriebene Geräte zur Saatbettbereitung. Deshalb haben wir bei Patrick Preußker aus der Verkaufsförderung angefragt, wie seine Einschätzungen für diese Geräte aussehen. „Unserer Meinung nach viel zu wenig im Fokus ist die richtige Auswahl der Schare beim Grubbern beziehungsweise bei der Bodenbearbeitung allgemein. Oft ist zu  beobachten, dass – unabhängig von der Arbeitstiefe und dem gewünschten Arbeitseffekt – immer mit dem gleichen Schar gearbeitet wird. Mit der richtigen Auswahl an Schar und Leitblech für die gewünschte Arbeitstiefe und den gewünschten Arbeitseffekt lässt sich nicht nur viel Diesel sparen, sondern es entstehen während der Arbeit auch deutlich weniger Kluten und mehr Feinerde.“ Dies habe wiederum zur Folge, dass weniger Arbeitsschritte zur Herstellung eines optimalen Saatbetts für die Folgekultur notwendig seien. Für Frühjahrskulturen wie Zuckerrüben oder Mais bleiben laut Patrick Preußker Eggen und Saatbettkombinationen die wichtigsten Werkzeuge. Mit der Egge werden die Böden nach dem Winter aufgerissen und können ablüften. Die Herstellung eines Saatbetts erfolgt anschließend mit Saatbettkombinationen. „Ein neues und schlagkräftiges Werkzeug hierfür kann die Väderstad Carrier CrossCutter Disc sein. Diese Maschine verbindet intensive Bodenbearbeitung mit anschließender Rückverfestigung in einem Arbeitsgang. Die Messer auf den Scheiben brechen den Boden quer zur Fahrtrichtung und produzieren durch die hohe Drehzahl wenig Kluten und viel Feinerde“, sagt der Produktspezialist. Dieses Werkzeug eigne sich zudem hervorragend für die ultra­flache Bodenbearbeitung nach Raps, um Ausfallraps und Unkrautsamen zügig zum Auflaufen zu bringen und nicht zu vergraben.  „Für die klassischen Geräte zur Saatbettbereitung, also Egge oder Saatbettkombinationen, sehen wir im Moment keine große Bedeutung von Elektronik. Diese Maschinen arbeiten rein mechanisch und werden über hydraulische Steuergeräte bedient. Teilflächenspezifische Bewirtschaftung wird von einigen landwirtschaftlichen Betrieben beim Säen umgesetzt und in Ansätzen bei der Grundbodenbearbeitung. Bei der Saatbettbereitung hat der Landwirt im Moment manuell die Möglichkeit, die Arbeitstiefe zu verstellen, aber auch hier wäre eine elektronische Tiefenverstellung technisch umsetzbar“, heißt es von Väderstad.

Nachläufer/Rückverfestigung

Viele Geräte zur Bodenbearbeitung nutzen Nachläuferwalzen zur Abstützung und Tiefenführung. Die Auswahl ist groß. Stabwalzen beispielsweise krümeln den Boden gut und sind relativ leicht.
Nachläuferwalzen kommen an Kurzscheibeneggen, Grubbern,  Kreiselgrubbern/Kreisel­eggen und Saatbettkombinationen zum Einsatz. Hier haben sie zum einen eine tragende Funktion für die Tiefenführung der jeweils eingesetzten Maschinen. Zum anderen bewirken sie je nach Typ eine mehr oder minder starke Rückverfestigung sowie Krümelung und Mischung des  bearbeiteten Bodens. Eine nicht ganz leichte Aufgabe haben wir der Firma Amazone gestellt, die wir nach diese Nachläufern befragten, da Amazone ein umfangreiches Programm für die verschiedensten Einsätze hat. Dennoch konnte uns Jürgen Schmidt, Produktmanager Bodenbearbeitung, interessante Auskünfte geben: „Unterscheidet man nach Standorten, so steht auf leichten Böden die tragende Funktion der Walzen im Vordergrund, die Rückverfestigung ist nur gering. Auf mittleren Böden  geht es vor allem um die Rückverfestigung und Krümelung und zum Teil um die tragende Funktion. Bei schweren Böden  liegt das Hauptaugenmerk auf der Rückverfestigung und Krümelung sowie der Zerkleinerung von groben Kluten. Auf steinigen Böden sollten die Walzen außerdem die Steine in den Boden drücken.“ Um den verschiedenen Bearbeitungsverfahren, Bedingungen und Böden gerecht zu werden, bieten die meisten Hersteller für Bodenbearbeitungsgeräte mehrere Walzen an. Zu den wichtigsten Bauarten zählen Stabwalzen, Zahnpackerwalzen, Keilringwalzen und andere offene, stegartige Walzen. Viele Walzen werden sogar mit verschieden großen Durchmessern angeboten. Dabei gilt der Grundsatz: Mit Zunahme des Durchmessers wird die Tragfähigkeit größer, Abrollwiderstand und Zugkraftbedarf dafür geringer. „Die relativ leichten Stabwalzen kommen oftmals zum Einsatz, wenn nur kleine Zugmaschinen mit begrenzter  Hubkraft zur Verfügung stehen“, sagt Jürgen Schmidt. „Vom Grundsatz her eignen sich diese Walzen am besten für den Stoppelsturz und die Grundbodenbearbeitung auf leichten bis mittleren Böden. Hier tragen sie die Geräte, ohne dass es zum Aufschieben von Erde kommt. Die Rückverfestigung des Bodens ist aber nur gering. Außerdem besteht wie bei allen anderen offenen Walzen die Gefahr, dass sie sich mit Boden zusetzen.“ Tandemwalzen würden sich ebenfalls am besten für den Stoppelsturz und die Grundbodenbearbeitung auf leichten sowie mittleren Böden eignen. Hier bewirken sie die gleichen Effekte wie Stabwalzen. Darüber hinaus krümeln sie den Boden sehr gut und werden deshalb auch für die Saatbettbereitung genutzt. „Schneidringwalzen zeigen ihre Stärken bei der Grundbodenbearbeitung und Saatbettbereitung auf mittleren bis schweren Böden. Hier hinterlassen sie eine sehr gute Rückverfestigung und haben – dank ihres Keilprofils – auch eine schneidende Wirkung. Die Messer zwischen den Schneidringen dienen der Klutenzerkleinerung“, gibt der Produktmanager an. Mit den geschlossenen Zahnpackerwalzen erreiche man auf schweren und auf steinigen Böden eine gute Rückverfestigung und Schneidwirkung. Das gelte sowohl für den Stoppelsturz als auch für die Grundbodenbearbeitung und die Saatbettbereitung. Jürgen Schmidt fährt fort: „Keilringwalzen, deren Ursprung sich auf die Reifenpackerwalzen zurückführen lässt, haben das breiteste Einsatzspektrum. Unabhängig vom Wetter eignen sie sich sowohl für den Stoppelsturz als auch für die Grundbodenbearbeitung und die Saatbettbereitung. Sie hinterlassen auf allen Bodenarten eine sehr gute Rückverfestigung.“ Als geschlossene Walzen könnten sie sich nicht mit Boden zusetzen und Steine würden nicht eingeklemmt werden. Neben dieser Einsatzflexibilität bieten Keilringwalzen den Vorteil, dass die Bodenrückverfestigung nicht ganzflächig, sondern in Streifen erfolgt. „Infolgedessen kann Niederschlagswasser in den ungewalzten Bereichen zwischen den rückverfestigten Streifen besser versickern“, sagt Schmidt. Ein weiterer Pluspunkt sei die gute Abstützung auch größerer Gerätemassen. Wegen ihrer Stabilität übernehmen Keilringwalzen beziehungsweise Keilringreifenwalzen bei verschiedenen, gezogenen Kompaktscheibeneggen und Grubbertypen von Amazone sogar die Funktion des Straßenfahrwerks. Um die Wassereffizienz zu sichern, kommt es im professionellen Ackerbau immer mehr auf die Rückverfestigung der Böden an. Ziel ist es, die Verdunstung des Bodenwassers auf ein Minimum zu reduzieren und gleichzeitig ein gutes Infiltrationsvermögen der Böden sicherzustellen. Hier sind laut Jürgen Schmidt Walzen mit  Keilprofilen wie zum Beispiel die Keilringwalzen im Vorteil.  Neben den Walzen mit  Keilprofilen, die sich durch ihre schneidende und in die Tiefe wirkende Rückverfestigung auszeichnen, werden weiterhin Walzen mit U-Profilen, die vor allem eine hohe Tragfähigkeit bieten, zum Einsatz kommen. Solowalzen wie zum Beispiel die Stabwalze behalten ihre Berechtigung, weil sie beim Einsatz mit Anbaumaschinen den Vorteil des geringeren Gewichts bieten. „Auf schweren, schlecht rückzuverfestigenden sowie steinigen Böden dürften auch künftig geschlossene Stahlringwalzen wie zum Beispiel die Zahnpackerwalze zum Einsatz kommen“, sagt der Produktmanager.
Um eine Maschine auch bei unterschiedlichen Bedingungen stets mit der passenden Walze einsetzen zu können, sollten sich die Walzeneinheiten mit wenig Aufwand an- und abbauen lassen. Das geht hin bis zu Arbeiten ohne Nachläuferwalze, beispielsweise mit einem Grubber bei sehr nassen Verhältnissen im Spätherbst. In diesem Fall braucht die Maschine ein Fahrwerk, wie zum Beispiel bei den Modellen Cenius und dem TX-Grubber von Amazone, das die tragende Funktion für die Tiefenführung der Maschine übernehmen kann.


Strip-Till

Beim Strip-Till-Verfahren wird nur der Teil des Bodens bearbeitet, in den später die Saatgutablage erfolgt. Besonders, wenn wenig Wasser zur Verfügung steht, ist dieses Verahren beliebt.
Sicher kann man sich streiten, ob Strip-Till-Verfahren zum Thema Bodenbearbeitung gehören oder besser bei der Sätechnik angesiedelt sind. Wir sind aber der Meinung, dass sie im Grunde auch eine Bodenbearbeitung darstellen, wenn auch nicht ganzflächig und zum Teil unmittelbar mit der Saat zusammen hängend. An erster Stelle stehen natürlich die Fragen zum Einsatz: Für welche Kulturen ist Strip-Till geeignet? Welche Rolle spielen die Standortfaktoren? Ist ein kombiniertes oder ein absätziges Verfahren das bessere? Welche Rolle spielt die Düngung? Wie muss die Maschine konzipiert sein? Ist das Verfahren überhaupt sinnvoll, für einen Hochertragsstandort wie Deutschland? Da Kuhn bereits seit fünf Jahren auf diesem Gebiet in Deutschland aktiv ist, fragten wir Rainer Krug, Verkaufsleiter, zum Thema Strip-Till. „Bereits nach kurzer Zeit zeigte sich, dass der Einsatz von Strip-Till und Aussaat zum gleichen Zeitpunkt mehr Nachteile als Vorteile mit sich bringt“, blickt Rainer Krug auf die ersten Versuche zurück. „Der beste Zeitpunkt, um beispielsweise im Frühjahr die Streifenbearbeitung für eine spätere Maisaussaat durchzuführen, ist oft Ende Februar oder Anfang März. Dann kann in die abgestorbene Zwischenfrucht ein Streifen (von 25 Zentimeter Breite) gezogen, der Boden zum Aufwärmen gelockert und eine Depotdüngung angelegt werden.“ Die Maisaussaat selbst würde dann fünf bis acht Wochen später stattfinden. Auf den vorgewärmten, gelockerten, unkrautfreien Boden und auf die Depotdüngung reagiere der Mais-Keimling sehr positiv. „Die Rückmeldungen unserer Kunden, die den Strieger einsetzen, bestätigen, dass das absätzige Verfahren alternativlos ist“, sagt der Verkaufsleiter. Der Strieger ist ein Gerät, das mit fünf Werkzeugen arbeitet: einer Schneidscheibe, die Pflanzenrückstände durchschneidet und den Weg für den Zinken öffnet. Danach folgen der Sternklutenräumer, der die Saatrille von Pflanzenrückstanden freiräumt und der federgesicherte Zinken, der bis zu 30 Zentimeter tief arbeiten kann. „Seitliche Wellscheiben produzieren Feinerde, sorgen für eine schnellere Erwärmung des Saatbettes und schaffen damit die Voraussetzungen, für einen guten Feldaufgang. Die zuletzt folgenden Andruckrollen bewirken eine vernünftige Rückverfestigung und verbessern ebenfalls die Krümelstruktur“, erklärt Rainer Krug. Das Gerät könne sowohl auf leichten, als auch auf schweren Böden eingesetzt werden. Seine Vorteile spiele das Verfahren aber besonders auf Standorten aus, wo Wasser gespart werden müsse.  „Mit Hilfe des RTK GPS-Systems lässt sich Strip-Till dauerhaft in den landwirtschaftlichen Alltag integrieren“, ist man bei Kuhn überzeugt. Auf den DLG-Feldtagen zeigt das Unternehmen auf einem Versuchsfeld Mais-, Rüben- und Rapsparzellen, die im Strip-Till-Verfahren bestellt wurden. In Deutschland wird Strip-Till vornehmlich von Lohnunternehmen oder größeren Ackerbaubetrieben praktiziert. Vor allem in den veredlungsstarken Regionen wird das Verfahren auch gerne zur Gülleausbringung angewendet. (fm)
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