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AT-Fachbeiträge

"Dauereinsatz im Fokus" aus der AGRARTECHNIK 12/2014

von , am
17.12.2014

Hydrac setzt auf zwei Produktsäulen | Die österreichische Firma Hydrac ist in der Landtechnik vor allem als Frontladerspezialist bekannt. Jedoch reicht das Sortiment auch weit in den kommunalen Bereich. Ein Kundenfeld liegt somit auch bei dem Landwirt, der für seine Maschinen eine zusätzliche Auslastung erreichen will.

Die Patentanmeldung für den Frontlader AutoLock im Jahr 2001 war für das österreichische Unternehmen Hydrac ein enormer Erfolg. Mit diesem System funktioniert das An- und Abbauen des Frontladers am Traktor ohne ein Absteigen des Fahrers. Beim Einfahren werden nämlich auch gleich die Hydraulikanschlüsse und die Elektrik angekoppelt. Zum Abbau werden die Ständerfüße hydraulisch ausgeklappt, dann die Verriegelung geöffnet und man kann ausfahren. An- und Abbau sind somit in kürzester Zeit erledigt. Seit das Patent für dieses System bestätigt wurde, ist es noch keinem Unternehmen gelungen, dieses zu umgehen. So entwickelte Hydrac den AutoLock rasch und erfolgreich weiter.
 

Zwei Produktsäulen

Für Verkaufsleiter Simon Pammer liegt der Schlüssel zum Erfolg der Hydrac-Produkte bei ihrer langfristigen Zuverlässigkeit auch im härtesten Einsatz.
Die Firma aus Sierning ist ein klassisches Familienunternehmen. Geschäftsleiter ist Mag. Ing. Josef Pühringer, der Sohn des Firmengründers. Zuständig für die Verkaufs-Agenden und damit auch das Sprachrohr des Unternehmens in der Öffentlichkeit ist Verkaufsleiter Simon Pammer. Im Gespräch mit AGRARTECHNIK erklärte er: „Hydrac ist in zwei Kernbereichen aktiv: Das ist zum einen die Entwicklung und Produktion von Frontladern und -hydrauliken samt Front-
zapfwelle für Schlepper. Die zweite Säule besteht aus Geräten für den Kommunaleinsatz.“ In diesen beiden Bereichen werde Hydrac 2014 rund 18 Millionen Euro generieren. „Das ist kein Rekordumsatz. Der Markt für Traktoren schwächelt. Das spürt man auch beim Vertrieb der Frontlader und -systeme. Darüber hinaus hatten wir 2013/2014 einen sehr milden Winter, was auch das Geschäft im Bereich der Kommunalgeräte gebremst hat“, so Simon Pammer.

 

Frontlader für jeden Einsatzzweck

Das Hydrac-Frontladerprogramm umfasst vier Modellreihen, welche Schlepper-Leistungen von 70 bis 200 PS abdecken.
„Rund 6 500 verschiedene Systeme werden im Jahr gefertigt – darunter sind etwa 3 000 verschiedene Anbauten für Traktoren. Die Frontlader sind der Ursprung unseres Unternehmens. Josef Pühringer gründete es 1966 mit dem direkten Ziel, einen an- und abbaubaren Lader für den Schlepper zu konstruieren. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten.“ Heute umfasst das Hydrac-Frontladerprogramm vier Modellreihen. Die einfachste Serie ist der Economy-Frontlader (von 70 bis 105 PS Schlepperleis­tung). Hier sind die Hydraulikleitungen außen angebracht. Es gibt ihn mit oder ohne Einfahrrahmen beziehungsweise Parallelführung. Die nächs­te Serie ist der Eurokipp (von 70 bis 200 PS Schlepperleistung). Dieser hat zwar das gleiche Anschlusssystem wie der Economy, ist aber höherwertiger aufgebaut. So sind hier die Hydraulikleitungen in der Schwinge platziert und die Stärke der verwendeten Bleche lässt auch eine höhere Hubkraft zu. Zudem kann er mit einer automatischen Verriegelung an der Konsole bestellt werden. Folglich muss der Anwender für den An- und Abbau nur einmal Absteigen. Das High-End-Produkt ist der bereits erwähnte Auto-Lock (ebenfalls von 70 bis 200 PS Schlepperleistung). In der Ausführung ist er dem Eurokipp sehr ähnlich – nur ohne die Notwendigkeit, zum An- und Abbauen des Frontladers abzusteigen. Die vierte Serie ist noch der Mini. Dieser wurde für Klein- und Kompakttraktormodelle entworfen und wird vor allem von Obst- und Weinbauern nachgefragt. Simon Pammer: „Unser Frontlader-Sortiment ist in der Tiefe stark gestaffelt. Wir bieten Frontlader-Konsolen für 1 900 verschiede Traktorvarianten. Zudem können die Frontlader mit einer Vielzahl an Optionen ausgestattet werden. Dazu gehören unter anderem verschiedene Joysticks und Steuergeräte, Lasthalteventile, hydraulische Pendelplatten, Kamerasysteme, eine automatische Schnellentlehrung und Werkzeug-Niveauautomatik, sowie ein Schnellwechselrahmen, mit dem auch zusätzliche Steuerkreise automatisch angekuppelt werden.“ Bestellt ein Fachhändler für einen Landwirt einen Frontlader, dann bestünden drei Möglichkeiten der Abwicklung, erklärt Simon Pammer weiter. „In der Regel liefern wir den Frontlader samt Konsole mit dem kompletten Anbauzubehör – wie Schrauben und Hydraulikschläuche und so weiter – an den Fachhändler. Dort findet dann, nach den Plänen von Hydrac, die Montage statt. Die zweite Möglichkeit beinhaltet die Ausrüstung hier vor Ort. Das ist interessant für Landwirte mit besonderen Schlepperkonstruktionen oder für Betriebe in der Nähe. Drittens liefern wir auch den Frontlader zum Endkunden und bauen diesen selbst an den Schlepper an. Das passiert aber nur in Absprache mit dem Fachhändler.“

 

Fronthydraulik nach Kundenwunsch

Die zweite große Säule der Firma Hydrac – die Anbaugeräte für den kommunalen Einsatz – macht fast die Hälfte des Hydrac-Umsatzes aus.
Bei der Ausrüstung der Schlepper mit Frontsystemen (also mit Fronthydraulik plus – falls gewünscht – Frontzapfwelle und weitere Optionen) bestehe eine ähnliche Vorgehensweise, so der Vertriebsleiter. Der Aufwand sei – wenn es nur um eine Fronthydraulik gehe – in der Regel gering. Bei komplexen Systemen – zum Beispiel mit Frontzapfwelle und mehreren Optionen wie Unterzug, Schwingungsdämpfer und einer hydraulischen Geräteentlastung (zum Beispiel für den Einsatz eines Frontmähwerks oder einem Schneepflug) – steht die Montage-Komplexität, der eines Frontladers in nichts nach. „Die passenden Konsolen sind für 600 verschiedene Traktorenchassis verfügbar“, erklärt der Vertriebsleiter. „Das Sortiment deckt Schlepperleistungen von 85 bis 200 PS ab und reicht von 2 000 bis 5 000 Kilogramm Hubkraft. Darüber hinaus sind wir mit unserem Sortiment bislang nicht gegangen, da in dem Bereich nahezu jeder Schlepper eine Fronthydraulik besitzt.“
 

Auslastungen bieten

Frontlader und Frontsysteme sind bei der Firma Hydrac unter dem Bereich Agrar eingegliedert. Dieser generiert einen merklichen Teil des Umsatzes. Den Rest machen die Anbauwerkzeuge und -geräte für den kommunalen Einsatz. Eine hohe Bedeutung haben darin die Schneeschilder und -pflüge, die in unterschiedlichsten Ausführungen angeboten werden. Weiter gehören Salz- und Splittstreuer, Schneefräsen, aber auch Auslegemäher und sogar Heckbagger zum Programm an Kommunalgeräten. Simon Pammer: „Viele Landwirte arbeiten heute überbetrieblich für Kommunen beziehungsweise sie räumen Parkplätzte oder ähnliches. Sie ermöglichen sich somit eine bessere Auslastung ihrer Maschinen. Solchen Gemeinschaften und Unternehmern wollen wir mit diesen Produkten das richtige Werkzeug an die Hand geben. Um Schäden an einem Schlepper zu vermeiden, bieten wir für jedes Modell den passenden Kommunalrahmen. Zudem haben wir vor kurzem auch eine GS-Zertifizierung für einige unserer Produkte vorgenommen. Somit wird sichergestellt, dass – zum Beispiel wenn das Schneeschild mit 40 Stundenkilometer gegen einen Kanaldeckel fährt – es nicht zu Schäden am Gerät oder gar zur Verletzung einer Person in der Nähe kommen kann.

 

Verankert in Österreich

{BILD:624829:jpg}Auch wenn die aktuelle Lage auf dem Landtechnikmarkt die Nachfrage etwas abgeschwächt hat, ist Simon Pammer mit der langfristigen Geschäftsentwicklung des Unternehmens durchaus zufrieden. „In den vergangenen fünf Jahren ist der Umsatz um zirka 15 Prozent angestiegen. Die starke Krise 2008/2009 spürten wir verhältnismäßig wenig.“ Hydrac beschäftigt gegenwärtig rund 115 Mitarbeiter. Davon sind fast alle am Hauptsitz in Sierning tätig – etwa 80 in der Produktion und zehn im Vertrieb. Besucht man das Unternehmen, dann ist man zunächst mal über die idyllische Lage des Firmensitzes überrascht. Das Gelände schmiegt sich an einem Hang, direkt am Ufer des Flusses Steyr. Der Verkaufsleiter weiter: „Glücklicherweise liegt unsere zwei Hektar große Werksfläche hoch genug, um von Hochwasser kaum betroffen zu werden. Somit hatten wir in der nun 48 Jahren andauernden Geschichte des Unternehmens noch kein einziges Mal einen Ausfall der Produktion. Flächen für ein weiteres Wachstum wären auch noch vorhanden.“ Die Überlegung sich einen anderen Standort für die Produktion – etwa in Osteuropa – zu suchen, sei nie ernsthaft angestellt worden. „Durch die relativ hohe Fertigungstiefe vor Ort mit langjährigen Fachkräften können wir auch eine sichere Qualität garantieren. Vom Ausschneiden der einzelnen Bauteile aus den Blechen bis hin zur Fertigmontage übernehmen wir alles selbst. Das honoriert auch unsere Kundschaft.“



 

Partnerschaft zum Fachhandel pflegen

„Rund 50 Prozent des Umsatzes werden in Österreich generiert“, so der Verkaufsleiter weiter. Hier seien allerdings auch die Frontlader mit einbezogen, die für CNH nach Sankt Valentin geliefert werden. Mit diesem Erstausrüster stehe Hydrac in engem Kontakt. Weitere 45 Prozent werden in der EU umgesetzt. Die wichtigsten Märkte sind Deutschland, Frankreich, Ungarn, Rumänien und Italien. Der Vertrieb in Deutschland und Österreich wird von Sierning aus organisiert. Das Fachhandels-Netz in diesen beiden Ländern wird über Gebietsverkaufsleiter betreut und ist gut ausgebaut. Allerdings freue man sich immer über Interesse von Landmaschinen-Fachbetrieben. Simon Pammer: „Wir fahren mit unseren Produkten eine strenge Fachhandelslinie. Eine vertrauensvolle Partnerschaft ist für uns essentiell. Deshalb bemühen wir uns auch immer, den Verkäufern und Mechanikern das nötige Handwerkszeug zu bieten. Hierfür halten wir Schulungen ab und verschicken Prospekte sowie Werbematerial. Wenn ein Fachhändler auf einer Messe ausstellt oder einen Praxistag organisiert, dann unterstützen wir diesen mit Inseraten und Manpower. Weiter sind wir bei Fragen immer erreichbar. Ruft ein Fachhändler mit einem Problem an, dann wird dieser an den entsprechenden Spezialisten weitergeleitet. Auch hinsichtlich der Ersatzteile ist es unser Ziel, einen Bedarf immer so schnell wie möglich zu decken. Normalerweise ist ein Bauteil nach zwei Tagen beim anfragenden Betrieb.“

Langfristigen Einsatz im Fokus

 Auf die Frage, welche Ziele das Unternehmen für die Zukunft anpeile, beziehungsweise, ob man schon langfristige Innovations-Pläne für die Zeit nach dem Auslaufen des AutoLock-Patents habe, meint Simon Pammer: „Der Erfolg von Hydrac in den vergangenen Jahren basiert sicher nicht auf einem Patent, sondern auf der permanenten Weiterentwicklung unserer Produkte. Rund fünf Prozent unseres Umsatzes gehen alljährlich in die Weiter- und Neuentwicklung unseres Sortiments. 15 Mitarbeiter beschäftigen sich permanent mit der Erforschung und dem Test solcher Innovationen. Die größte Stärke liegt zudem in der Zuverlässigkeit unserer Produkte. Hierbei zitiere ich gerne Sir Frederick Henry Royce, einen der beiden Firmengründer von Rolls-Royce: ‚Qualität ist das, was bleibt, wenn der Preis schon längst vergessen ist.’ Das wissen unsere Kunden. Auf dieser Basis wird Hydrac auch in Zukunft ein führender Anbieter von Frontlader, Frontsystemen und Kommunaltechnik bleiben.“(mm
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