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AT-Fachbeiträge

"Erfolgreich in der Nische" aus der AGRARTECHNIK 12/2013

von , am
02.01.2014

Motoren-Hersteller Hatz Diesel verstärkt Präsenz im Offroad-Bereich | Die Entwicklung und der Vertrieb von Motoren bis 56 kW ist das Hauptstandbein von Hatz Diesel. Mit der neuen H-Serie zielt das Unternehmen verstärkt auf mobile Anwendungen.

Die Hersteller von Motoren für Land- und Baumaschinen haben es nicht einfach. Seit Beginn der Abgas-Richtlinien-Rallye haben sich die Forschungs- und Entwicklungs-Kosten stark erhöht. Jeder versucht, diese Aufwendungen auf möglichst hohe Stückzahlen zu verteilen, was den Wettbewerb derzeit anheizt.
{BILD:597426:jpg}Eigentlich könnte man meinen, dass das insbesondere für einen Nischenanbieter, wie der Motorenfabrik Hatz GmbH & Co. KG (Hatz Diesel), ein schwieriges Umfeld sei. Dennoch blickt das Unternehmen aus dem bayerischen Ruhstorf a.d. Rott optimistisch in die Zukunft. In 2012 produzierten und verkauften die etwa 1 000 Mitarbeiter rund 55 000 Motoren mit durchschnittlich 1,3 Zylindern. Zirka 150 Millionen Euro Umsatz wurden generiert, die sich zu etwa 75 Prozent auf die Kernbereiche Motoren und Systembau, sowie zu 25 Prozent auf Komponenten verteilen.
{BILD:597430:jpg}Der Bereich Komponenten beinhaltet vor allem die Produktion von Pleuelstangen für andere Motoren-Hersteller. Rund zwei Millionen verlassen jedes Jahr das Werk. Die Bereiche Motoren und Systembau gehören zusammen, da in den produzierten Systemen ausschließlich Motoren aus dem Hause Hatz zum Einsatz kommen. Dabei handelt es sich um Stromaggregate (von zwei kVA bis mehreren 100 kVA) und Pumpen (Frischwasser-, Schmutzwasser-, Thermalölpumpen mit Leistungen von bis zu 830 Kubikmeter je Stunde).
 

Motoren mit einem bis vier Zylinder

„Hauptumsatzträger sind aber die Motoren“, berichtet Geschäftsführer Chris­tian Hatz. „Sie kommen in Anwendungen vieler Erstausrüster zum Einsatz. Die bekannten Ein-Zylinder-Modelle findet man zum Beispiel in handgeführten Bodenverdichtern von Amman, Bomag, Wacker Neuson und Weber.“ Hatz Diesel bietet gegenwärtig fünf Motoren-Baureihen. Die B-Modelle (ein Zylinder und 1,5 bis 8,4 kW) punkten im mobilen und stationären Einsatz durch Kompaktheit und ein niedriges Gewicht. Die D-Serie (ein Zylinder und 7,3 bis 11,2 kW) beinhaltet die leistungsstärksten Einzylinder-Dieselmotoren weltweit. Die Motoren der G-Serie (zwei Zylinder und 9,8 bis 17 kW) werden ausschließlich in der Spezifikation der US-Abgasnorm der EPA (Environmental Protection Agency) produziert. Weiter geht es mit den L-Modellen (zwei bis vier Zylinder und 13,5 bis 54,2 kW), die – nach Werksangaben – eine besonders hohe Betriebssicherheit (zum Beispiel für sehr entlegene Gebiete) auszeichnen. Den Abschluss bildet im Moment die Serie M (zwei bis vier Zylinder und 14,5 bis 56 kW). „Robustheit, Zuverlässigkeit, einfacher Aufbau und eine extrem hohe Lebensdauer sind bekannte Stärken unserer Motoren“, erklärt Christian Hatz stolz. „So sind uns viele Anwendungen bekannt, in denen zum Beispiel Motoren der M-Serie problemlos Laufzeiten von deutlich über 50 000 Stunden aufweisen.“
 

Zweigleisig durch Abgas-Richtlinien

Lange Zeit ging das Sortiment von Hatz Diesel bis 60 kW. Aufgrund der jüngsten Abgasrichtlinie reduzierte sich das Unternehmen jedoch auf die genannten 56 kW. So kann sich Hatz Diesel auf die Richtlinie Tier 3b konzentrieren, die für diese Motorenklasse bestehen bleiben wird. Die Abgasrichtlinien sind für Christian Hatz ein Themenfeld, das er insgesamt kritisch beurteilt. „Ein Problem ist, dass es weltweit viele unterschiedliche Richtlinien und Stufen gibt. Sogar zwischen den USA und Europa gibt es große Abweichungen. Ein Beispiel ist der Bereich unter 19 kW. Während in den USA scharfe Regelungen bestehen, gibt es in Europa keinerlei Begrenzungen. Für uns entsteht so die Situation, dass wir für diese Märkte zwei Linien anbieten müssen.“ 

EPA Tier IV final ohne Partikelfilter

Geschäftsführer Christian Hatz betrachtet das umfassende Servicenetz von Hatz Diesel als eine der tragenden Säulen des Unternehmens.
Durch den begrenzten Leistungsbereich auf 56 kW werden die Kapazitäten in der Forschung und Entwicklung (R&D) sehr zielgerichtet eingesetzt, meint Christian Hatz: „Das Ergebnis war auf der bauma 2013 zu sehen. Großes Messe-Highlight war die Präsentation des Industriemotors 4H50TIC mit 55 kW. Er ist besonders für mobile Anwendungen in der Land- und Baumaschinentechnik interessant.“ Der Geschäftsführer berichtet, dass der kompakte, turboaufgeladene Zwei-Liter-Motor mit einem Gewicht von 173 Kilogramm beinahe 100 Kilogramm leichter sei, als die meisten Wettbewerber. „Der Motor erfüllt die Grenzwerte der EU 97/68 Stage IIIB und EPA Tier IV final – und das ohne Partikelfilter. Letzteres war für uns ein wichtiges Ziel, da Partikelfilter wartungsaufwändig sind und viel Bauraum benötigen. Deshalb wurde eine Vorkühlstrecke für die Abgasrückführung entwickelt. Sie kühlt die heißen Abgase vor dem AGR-Ventil ab und schützt es so vor thermischen Schäden und Versottung. Des Weiteren kommt eine optimierte AGR-Mischdüse zum Einsatz, die – durch ihre besondere Bauform – die rückgeführten Abgase gemeinsam mit der frischen Verbrennungsluft gleichmäßig auf alle vier Zylinder verteilt.“
In dem neuen Motor kommt das Bosch Off-Highway Common-Rail-System mit 1 800 bar zum Einsatz. Das System arbeitet mit bis zu drei Einspritzungen pro Arbeitstakt – einer Vor-, Haupt- und Nacheinspritzung. Christian Hatz: „Damit ist die perfekte Balance zwischen Haltbarkeit, leisem Verbrennungsgeräusch sowie sehr guten Abgaswerten erreicht. Zusammen mit der Einspritztechnologie kann eine überaus gute Abgasqualität erreicht werden, die dafür sorgt, dass der 4H50TIC lediglich mit einem Oxidations-Katalysator ausgestattet ist.“ Der 4H50TIC erreicht nach Werksangaben im Bestpunkt einen spezifischen Verbrauch von gerade einmal 205 g/kWh. Zudem pendelt sich der durchschnittliche Verbrauch, in dem für Arbeitsmaschinen gängigen Last- und Drehzahlbereich, bei unter 240 g/kWh ein. „Mit diesem Motor hat Hatz Diesel wieder einmal Maßstäbe geschaffen“, so der Geschäftsführer. „Wir haben in allen bedeutsamen Punkten – Kraftstoffverbrauch, Bauraum und Gewicht, Robustheit, einfacher Aufbau und niedrige Lebenszeitkosten – unsere Ziele übertroffen.“
Die neue H-Serie wird ab 2014 angeboten. Das Hatz Diesel-Sortiment wird dann insgesamt sechs Baureihen mit 27 Motorentypen umfassen.

 

Sonderlösungen in kleinen Stückzahlen

Fabian Ottmann, Public Relations Manager bei Hatz Diesel, sieht in den neuen Industriemotoren der H-Serie großes Potenzial bei Mobilmaschinen.
Rund 70 R&D-Mitarbeiter sind bei Hatz Diesel beschäftigt. Sie verteilen sich auf die kundenunabhängige Forschung (wie für den 4H50TIC) und auf die auftragsbezogene Entwicklung. „Auch letzteres ist eine Stärke von Hatz Diesel“, so Christian Hatz. „Bei uns ist oft jeder Motor ein bisschen anders. Wie vielschichtig diese Details sein können, zeigt unser Lager mit Sonderteilen. Es umfasst rund 20 000 kundenspezifische Teile, mit denen wir individuelle Wünsche kostengünstig bedienen können – und das auch bei sehr kleinen abgenommenen Stückzahlen. Schon bei der Entwicklung der Motoren wird die dafür nötige Flexibilität berücksichtigt.“
Hatz Diesel wird übrigens in der vierten Generation von der Familie Hatz geführt. Geschäftsführer sind die Großcousins Wolfram und Christian Hatz. Deren Urgroßvater Mathias Hatz hat 1858 das Unternehmen mit einer kleinen Werkstatt gegründet. Heute ist Ruhstorf an der Rott nach wie vor der Hauptsitz des Unternehmens. Das Werksgelände umfasst inzwischen 50 000 Quadratmeter unter Dach. Rund 850 Mitarbeiter werden dort beschäftigt. Zudem gibt es zwei kleinere Werke. In Vlachovo Brezi in Tschechien befindet sich ein Vormontagewerk (zum Beispiel zur Komplettierung der Zylinderköpfe) mit rund 50 Mitarbeitern. Weiter sitzt in Montichiari in Italien das {BILD:597429:jpg}Hatz-Tochterunternehmen „New Diesel“. Die dort beschäftigten 30 Leute produzieren Einspritzkomponenten für Motoren. Jährlich werden zwischen sechs bis zwölf Millionen Euro in die Standorte inves­tiert. Christian Hatz: „Viele Anwendungen und Maschinen – wie beispielsweise unsere Crack-Anlagen – konstruieren wir selbst. Dasselbe gilt für die Prüftechnik für die Abgasrichtlinien. Seit Anfang 2013 werden zum Beispiel hochdynamische Prüfzyklen verlangt. Sie kontrollieren den Abgasausstoß in verschiedenen Last- und Drehzahlbereichen. Für den dafür nötigen Prüfstand haben wir rund 1,2 Millionen Euro investiert. Seit 2011 ist er im Einsatz und ermöglicht uns unter anderem den Vertrieb nach Amerika.“

 

Starkes Fachhandelsnetz

{BILD:597428:jpg}Die USA werden übrigens von einer Hatz-Tochtergesellschaft bedient. Fabian Ottmann, Public Relations Manager bei Hatz Diesel, erklärt: „In manchen Märkten haben wir eigene Unternehmen vor Ort. Das sind zum Beispiel – neben den USA – Australien, Südafrika und sieben Nationen in der EU. In anderen Ländern sind Importeure aktiv. Diese liefern dann an unsere Hatz Diesel-Handelspartner. Sie sind unser Fundament im Vertrieb. Weltweit – wir sind insgesamt in 110 Nationen aktiv – haben wir 500 solcher Händler. Dabei handelt es sich um eigenständige Unternehmen, die sich sowohl um den Vertrieb der Motoren und Systeme, als auch um den Service kümmern. Kunden sind dabei sowohl Erstausrüster, als auch Endanwender. Das verlangt natürlich ein hohes KnowHow von deren Mitarbeitern. Um dies zu gewährleisten, werden hier in Ruhstorf regelmäßig Schulungen und Fortbildungen abgehalten. Die Mitarbeiter des Fachhandels lernen so das Unternehmen kennen und werden auf die Anforderungen in der Praxis vorbereitet.“ Auch der AfterSales wird über den Fachhandel bedient. Um das Geschäft zu unterstützen, hat man bei Hatz Diesel unter anderem das Lifecycle-Programm eingeführt. Fabian Ottmann: „Es beinhaltet verschiedene Ersatzteil-Kits mit allen Teilen, die für die Wartung oder die Aufwertung eines Motors notwendig sind. Dabei werden auch individuelle Anforderungen an den Motor berücksichtigt – zum Beispiel mit einem Geräuschreduzierungspaket für Arbeiten in Innenräumen oder eine Doppel-Filteranlage für besonders widrige Einsatzbedingungen.“
 

Wachstum im sinkenden Markt

Eine Stärke des auf der bauma 2013 vorgestellten 4H50TIC (u.) ist, dass er keinen Partikelfilter benötigt. Wird jedoch in der jeweiligen Anwendung ein solcher Filter vorgeschrieben, bietet Hatz Diesel ein teilbares und damit besonders wartungsfreundliches Modell an (o., Hatz 4L43C mit teilbarem Dieselpartikelfilter).
„Unser weltweit ausgebautes und hochwertiges Händler- und Servicenetz ist ein echter Pluspunkt für unsere Kunden“, erklärt Christian Hatz. „Es ist eine von drei großen Hatz Diesel-Stärken. Eine weitere Stärke ist die angesprochene Möglichkeit, auch bei kleinen Stückzahlen, günstige, individuelle Lösungen zu bieten. Die dritte Stärke basiert auf der Qualität und der Zuverlässigkeit unserer Produkte. Auf diesen drei Säulen sitzt unser Erfolg.
Heuer werden wir unsere Motorenproduktion auf rund 60 000 Motoren steigern. Das ist kein Rekord, aber durchaus erwähnenswert – insbesondere wenn man bedenkt, dass der Baumaschinen-Markt rückläufig ist. Mittel- bis langfristig bin ich überzeugt, dass wir insbesondere bei mobilen Anwendungen zulegen werden. Hier wird unsere neue H-Serie ein Eckpfeiler sein. Mit ihr hat sich Hatz Diesel erneut als Benchmarker im Bereich der Klein- und Mittelmotoren bewiesen.“(mm)
 
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