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AT-Fachbeiträge

"Festen Stand am Markt", aus der AGRARTECHNIK 02/2014

von , am
26.02.2014

Simol baut Geschäft mit Stützrädern und -füßen aus | Egal wie detailverliebt man ist: Der Stützfuß einer Landmaschine genießt nur selten eine nennenswerte Aufmerksamkeit. Dabei steckt auch in diesen Komponenten ein enormes KnowHow. Das wird unter anderem bei den Produkten der italienischen Firma Simol deutlich.

{BILD:602931:jpg}{BILD:602936:jpg}Der Norden von Italien hat im Maschinenbau einen sehr starken Mittelstand, der sich vielfach bis zur Perfektion einem Fertigungsstrang beziehungsweise einem Produkt widmet. Zu diesen Unternehmen gehört die Firma Simol S.p.A. aus Codisotto di Luzzara zwischen Verona und Modena. Jeder von uns hat wohl schon mit ihren Produkten zu tun gehabt: Hinter dem Logo verbirgt sich nämlich der in Europa marktführende Hersteller von Stützrädern und -füßen. Der Geschäftsführer und Inhaber Dr. Stefano Silvani erklärte gegenüber AGRARTECHNIK auf der Agritechncia 2013: „Simol ist auf dem europäischen Markt durchaus etwas besonderes. Wir sind die einzigen, die sich mit Erfolg ausschließlich auf die Entwicklung und die Produktion von Stützrädern und -füßen konzentrieren. Schon allein das spricht für unsere Kompetenz und Qualität. Des weiteren sind wir in allen Branchen aktiv, in denen Stützräder und -füße benötigt werden: Unsere 450 Kunden verteilen sich auf die drei Bereiche ‚Landtechnik’, ‚Pkw-Anhänger’ wie zum Beispiel Wohnwagen oder leichte Bauanhänger und ‚industrielle Fahrzeuge’ wie Sattelauflieger.“ Die Landtechnik stelle den größten Anteil am Umsatz. Rund 90 Prozent der 9,5 Millionen Euro (2012) würden in diesem Segment generiert. Die Produkte von Simol finden sich in allen landtechnischen Maschinenarten, die abgestützt werden müssen, wie Futter­mischwagen, Güllefässer, Kipper, Tankwagen, Rückewagen, Rund- und Quaderballenpressen und vielen mehr.{BILD:602935:jpg}
 

Qualität sichern

Mit dem Geschäftsführer und Inhaber Dr. Stefano Silvani ist das Unternehmen Simol zum in Europa marktführenden Hersteller von Stützräder und -füßen aufgestiegen. Für ihn sind seine Produkte äußerst wichtige Komponenten im Bereich Anwendersicherheit. Er ist der Meinung, dass auch ein Stützfuß eine gewisse Ästhetik haben darf.
Das Sortiment von Simol umfasst gegenwärtig insgesamt 700 verschiedene Artikel und Modelle. Die Anforderungen der OEM und der Endkunden an die Produkte seien dabei sehr hoch, berichtet Dr. Stefano Silvani: „Besonders wichtig sind die Faktoren Tragfähigkeit, Stabilität und Langlebigkeit. An einem Stützfuß darf es keine Schwächen geben ­anderenfalls könnte es teuer, schlimmstenfalls gefährlich werden. Dementsprechend legen wir Wert auf sehr hohe Qualität. Schon bei der Entwicklung kommt in unserer technischen Abteilung die modernste 3D-Software – wie zum Beispiel die FEM (siehe Bild) zum Einsatz.“In der Produktion von Simol ist die Verwendung von gehärtetem Stahl und graphitiertem Fett Standard (letzteres hat auch bei unregelmäßiger Anwendung bessere Laufeigenschaften). Als weiteres Qualitätsmerkmal nennt der Geschäftsführer die Überlappung zwischen Innenstange und Außenstütze beim ausgefahrenen Stützfuß. „Diese kann einen oder  wie bei unseren Produkten fünf Zentimeter betragen. Für den Anwender ist das unsichtbar, aber für die Gesamtstabilität hat das eine entscheidende Bedeutung. Weiter haben unsere Spindeln serienmäßig einen Endanschlag. Folglich kann der Praktiker nicht soweit drehen, dass die Spindel endet und der Stützfuß oder vielleicht sogar die Deichsel ihm auf die Füße fällt. Das alles sind Qualitätsfaktoren, die man eben nicht auf den ersten Blick sieht.“Als weitere Stärke von Simol nennt der Geschäftsführer die Oberflächenbehandlung. In der Branche sei nur der einfache Rostschutz gängige Praxis. Die Produkte von Simol würden dagegen einer KTL-Lackierung plus Pulverbeschichtung unterzogen.

Starke Region für die Produktion

Bei der Entwicklung neuer Elemente setzt man bei Simol auch auf die FEM (Finite Element Methode). Bei diesem Standardwerkzeug der Festkörpersimulation wird am Computer ein Modell des Produktes hergestellt. Dann wird ermittelt, wo in dem Stützrad welche Kräfte wirken. Weiter kann man spezielle Szenarien prüfen: Zum Beispiel die Kräfteentwicklung im Stützfuß eines Hängers, der am Hang abgestellt wird.
Hierfür hat das Unternehmen eine hochmoderne Lackieranlage im Einsatz. Dr. Stefano Silvani: „Während der Krise haben wir in unseren Standort stark investiert. Dabei wurde das Werk neben der Lakieranlage auch mit neuen Laserschweißrobotern ausgestattet.“ Von den 58 Mitarbeitern bei Simol sind insgesamt 43 in der Produktion beschäftigt. 90 Prozent der Fertigung wird heute direkt am Standort abgearbeitet. Um den schwankenden Nachfragezyklen in der Landtechnik gerecht zu werden, kann zudem auf das Potenzial anderer Unternehmen zurückgegriffen werden. „Wir haben bei uns in der Region einen sehr starken Mittelstand. Das sind oftmals Familienunternehmen, die sich auf bestimmte Produktionsschritte spezialisiert haben und mit denen wir schon lange zusammen arbeiten. Sie liefern eine außergewöhnlich hohe Qualität“, erklärt der Geschäftsführer. 

Damals und heute

Simol ist mit seinem Kundenstamm sehr exportorientiert. Die Produkte werden heute in 40 Nationen geliefert, die je nach Struktur über ein Händlernetz oder auch einen Importeur bedient werden. Die wichtigsten Abnehmer befinden sich, neben der EU, in Australien, Japan, Kanada, Korea und den USA. Wichtigste Exportnation sei aber Deutschland, erklärt Stefano Silvani. Über 30 Prozent des Umsatzes würden in der Bundesrepublik generiert. Diese Bedeutung sei noch auf den Vater und Firmengründer Vittorio Silvani zurückzuführen, der heute als Präsident des Firmenvorstandes nach wie vor aktiv ist. Er reiste schon in den 60ern kurz nach der Firmengründung regelmäßig nach Deutschland und baute Geschäftskontakte auf. Damals sei vieles noch sehr provisorisch gelaufen, berichtet Dr. Stefano Silvani schmunzelnd: „Mein Vater hat nicht selten am Abend vor einem Termin in einem italienischen Restaurant gegessen. Dort fragte er dann einfach den Kellner, ob dieser sich am kommenden Tag einige Mark als Dolmetscher verdienen möchte. Das hat in den ersten Jahren gut funktioniert.“Heute sei das Unternehmen vielsprachig ausgerichtet, versichert der Geschäftsführer, der selbst fließend deutsch spricht. „Im Büro sitzen vier Mitarbeiter, die je weils sowohl deutsch, englisch, französisch und italienisch sprechen. Somit ist sichergestellt, dass sich ein Kunde in seiner Muttersprache unterhalten kann und immer eine schnelle und kompetente Antwort auf seine Frage erhält.“ 

Optimale Detaillösung

Eine Neuheit von Simol ist der Stützfuß DG Double Use (W). Die Besonderheit liegt in dem Zwei-Gang-Getriebe für die Spindel. Es ist klein genug, um den ursprünglichen Standard-Stützfuß in seinen Abmessungen nicht zu verändern. Das ist für optionale Ausstattungen sehr interessant. Geschaltet wird gewohnheitsgemäß durch Rein- und Rausziehen der Kurbel. So kann man – beim Abstellen der Maschine und bis der Stützfuss den Boden erreicht hat – den zweiten, schnelleren Gang nutzen. Danach, wenn man viel Gewicht stemmen muss, schaltet man auf den ersten Gang.
{BILD:602933:jpg}Das erfolgreichste Jahr für Simol war bislang 2008 mit einem Gesamtumsatz von rund zehn Millionen Euro. Danach ging das Geschäft, wie überall, erst mal zurück. Seit 2011 ist der Markt wieder im deutlichen Aufschwung. Dr. Stefano Silvani: „Trotz der relativ hohen Arbeitskosten und der extremen Bürokratie in Italien haben wir unseren Standort nie in Frage gestellt. Wir haben insbesondere in der Entwicklung Leute sitzen, die sich mit großer Begeisterung unserem Produktbereich widmen. Mit ihnen ist es uns möglich, die enormen Anforderungen ohne Ausnahme zu erfüllen. Zudem sind wir bei Simol der Meinung, dass auch ein Stützfuß eine gewisse Ästhetik besitzen darf. Unser Erfolg zeigt, dass wir mit unserer Meinung richtig liegen.“Den Großteil des Geschäftes macht Simol mit Erstausrüstern (OEM). 56 Prozent der bei Simol gefertigten Stützfüße und Stützräder werden zudem, in Zusammenarbeit mit dem Kunden, nach dessen Wünschen entworfen und produziert. Das verlangt eine enge Zusammenarbeit. Simol bekommt in der Regel zunächst die Baupläne der angedachten Maschine. Der OEM hat meistens schon vorab anhand der Höhe der Achse und der dort auftretenden Kräfte einen bestimmten Standardstützfuß im Fokus. In der Kommunikation mit Simol wird das Produkt auf die spezielle Anwendung hin angepasst. Vor allem bei den Anschlussflanschen, die direkt am zu stützenden Gerät anliegen und mit ihm verbunden sind, werden Sonderlösungen (zum Beispiel in der Art der Bohrung und der Metallstärke) verlangt. Solche Kooperationen betreffen vor allem die größeren OEM, die auch eine gewisse Mindestmenge abnehmen. Sie werden direkt über die Zentrale in Italien bedient. Diese OEM versorgen dann ihre eigenen Fachhändler auch mit den nötigen Ersatzteilen für den Service. Kleinere OEM werden in Deutschland über den Großhandel und einige spezialisierte Händler mit Standardlösungen und Ersatzteilen versorgt. Um sie zu unterstützen, bringt Simol alljährlich einen überarbeiteten Katalog heraus. Da in diesem aber unmöglich alle Elemente und Möglichkeiten dargestellt werden können, bietet Simol noch einen Online-Konfigurator. Da finden Fachhändler oder OEM alle Informationen zu den Standard-Stützfüßen plus der möglichen (bisher schon verkauften) Konfigurationen. 

Plagiate von Stützfüßen

Nur rund zehn Prozent der verkauften Stützfüße von Simol werden hydraulisch betätigt. Der große Anteil der Kunden setzt auf eine mechanische Lösung. Das liegt vor allem daran, dass man bei der hydraulischen Lösung immer einen Traktor benötigt. Mit einer Kurbel kann der Landwirt auch mal schnell selbst die Position der Deichsel verändern.
Ein Problem, das sich in den vergangenen Jahren immer stärker etabliert hat, sind so Dr. Stefano Silvani die Plagiate: „Man will es nicht für möglich halten, aber tatsächlich werden auf dem europäischen Markt gegenwärtig auch Simol-Plagiate vertrieben. Offenbar haben einige Betrüger in der sehr guten Reputation von Simol ein Geschäftsfeld entdeckt und lassen nun in Fernost billige Kopien unserer Produkte herstellen. Auf Messen habe ich inzwischen mehrfach Stützfüße mit dem Simol-Design manchmal sogar mit dem Simol-Logo gefunden, die definitiv nicht aus unserem Hause stammen. Tests haben ergeben, dass diese Produkte weit unter der für uns gängigen Qualität liegen.“Gegen solche Aktionen vorzugehen sei sehr schwer, berichtet Dr. Stefano Silvani weiter: „Im Grunde müsste man jedes Design der eigenen Produkte sichern und jede Entwicklung patentieren lassen. Das ist für ein mittelständiges Unternehmen wie Simol nicht zu stemmen. Deshalb versuchen wir, wo immer es geht, auf die Risiken hinzuweisen. Ein Händler sollte nur direkt von uns kaufen und zum Kunden hin diesen direkten Bezug kommunizieren. Und wer dennoch bewusst Fälschungen vertreibt oder verbaut muss wissen, dass wir ihn sobald wir davon Kentniss bekommen nicht mehr mit unseren Ersatzteilen beliefern werden. Außerdem weisen wir bei Problemen natürlich jegliche Haftung von uns.“Man sei sehr überrascht gewesen, erinnert sich der Geschäftsführer, als man erstmals von den Simol-Plagiaten erfuhr. „Andererseits werden wir soviel muss man trotz allem Ärger sagen dürfen nicht grundlos kopiert. Unsere Produkte sind das Beste, was es in unserer Branche gibt. Zudem ermöglichen wir jedem Kunden genau die Lösung, die er für seine Maschine braucht. Stützfüße sind eben nicht nur simple Metallteile. Unsere Kunden wissen das und vertrauen auf unser KnowHow und auf die Partnerschaft mit uns.“(mm)
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