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AT-Fachbeiträge

"Gegen den Verschleiß" aus der AGRARTECHNIK 04/2015

von , am
16.04.2015

Jäkel hat stark in seine Kapazitäten investiert | Die im nordhessischen Diemelstadt ansässige Firma Jäkel beliefert Landtechnikhersteller mit hochwertigen Messern und Verschleißteilen. Sie fährt eine klare OEM-Linie. Das Familienunternehmen sieht sich durch einen Werksneubau für die Herausforderungen der Zukunft gut aufgestellt.

Wenn die beiden Geschäftsführer Frank und Udo Jäkel des in dritter Generation familiengeführten Unternehmens von ihrem kürzlich gewonnenen „John Deere Achieving Exellence Partner Award“ erzählen, dann schwingt bei den Unternehmern ein gewisser Stolz mit. Denn diese Ehrung gilt als höchste Auszeichnung, die John ­Deere zu vergeben hat. Udo Jäkel hierzu: „Um diesen Preis in Händen zu halten, muss vom ausgezeichneten Unternehmen eine Vielzahl von Kriterien, wie zum Beispiel höchste Qualität, Liefertreue und Kostenmanagement erfüllt sein.“ Aber auch auf weitere Auszeichnungen kann das Unternehmen zurückblicken. Hier zu nennen ist der „Große Preis des Mittelstandes“, als auch der „Paccar Quality Achievement Award.“ Udo Jäkel weiter: „Den zuletzt genannten Preis konnten wir seit 2008 bereits vier Mal gewinnen.“ Die nordhessische Firma macht es sich seit 1928 zur Aufgabe, hochwertige, langlebige und verschleißarme Messer für die Landtechnik und andere Bereiche zu produzieren. „Damit erzielt unser Unternehmen einen Jahresumsatz von etwa 15 Millionen Euro“, so Udo Jäkel weiter. Zirka 100 Mitarbeiter kümmern sich auf über 10 000 Quadratmetern Produktionsfläche in verschiedenen Abteilungen um die Anfertigung von hochwertigen Maschinenmessern. Das Unternehmen hat seinen Sitz im vergangenen Jahr an dem neuen Standort in Diemelstadt vereint, um alle Produktionsschritte unter einem Dach zu haben. Verwaltungsgebäude, Planungs- und Entwicklungsabteilung, Produktion und Lager sind somit eng verbunden und garantieren kurze Wege, was sich bei den Arbeitsabläufen positiv auszahlt. Dieser von den Geschäftsführern als „Agenda“ bezeichnete Modernisierungsprozess soll bis spätestens 2017 abgeschlossen sein, sodass alle Fertigungslinien auf dem Gelände untergebracht sind.

{BILD:632800:jpg}Individuelle Anfertigungen
Die Firma Jäkel beliefert weitestgehend alle namhaften Hersteller mit Maschinenmessern für Ladewagen, Pressen, Häcksler und Futtermischwagen. Speziell für die Ladewagen und Pressen werden zudem Rotorzinken als Einzelteile, sowie als Schweißbaugruppen gefertigt. Aber auch in den Bereichen Kartoffel- und Rübenernte, Bodenbearbeitung sowie Gartentechnik ist das Unternehmen ein bedeutender Mitspieler. Im Jahr 2014 wurden insgesamt zirka drei Millionen Messer und Verschleißteile produziert. Davon waren 1,4 Millionen Rasenmähermesser. Folglich zählt auch dieser Bereich zu den wichtigen Standbeinen des Unternehmens. Weiter werden Stanz- und Pressteile angefertigt, beispielsweise für Lkw-Hinterachsen. Frank Jäkel: „Vermutlich hat also jeder Landmaschinen-Fachhändler bereits mit unseren Produkten zu tun gehabt. Aber eben immer – sowohl in Neumaschinen, als auch für den After-Sales – ausschließlich über die qualitativ hochwertige Vertriebsschiene des Erstausrüsters.“

{BILD:632805:jpg}{BILD:632804:jpg}{BILD:632803:jpg}Widerstandsfähigkeit erarbeiten
Alle der für die Produktion erforderlichen Werkzeuge und Vorrichtungen stellt das Unternehmen im eigenen Werkzeugbau selbst her. Gängige Methoden, um die Widerstandsfähigkeit des Materials zu steigern, sind bei Jäkel das Härten des Ausgangsmaterials, das Aufpanzern mit hochfesten Hartmetallen und das Beschichten mit Wolframcarbid-Verschleißschutzbeschichtungen. „Speziell bei unseren Produkten für die Landwirtschaft und die Gartentechnik  ist es natürlich unser Ziel, herausragende Standzeiten zu ermöglichen. Die nötige Härte und Zähigkeit ist dabei von vielen verschiedenen Parametern abhängig, angefangen von den Einsatzbedingungen und hier speziell von den Böden – hohe Sandanteile beispielsweise schleifen das Material stärker ab als Ton. Sogar die Witterung beim Einsatz spielt eine Rolle. Auch dies muss bei der Fertigung bedacht werden, um den individuellen Bedingungen möglichst umfassend gerecht zu werden“, so Frank Jäkel. Zum Verfahren der Härtung erklärt der Geschäftsführer: „Dieser Vorgang beinhaltet eine intensive Bearbeitung des Stahls. Hierzu wird das Material zunächst erhitzt, um anschließend mit Wasser oder Öl heruntergekühlt zu werden. Die Höhe des Temperatur-Unterschiedes und die zeitliche Schnelligkeit der Abkühlung sind dabei Faktoren, die maßgeblich die Eigenschaften des Endmaterials bestimmen. Dieses Verfahren erfordert ein enormes Know-how, um die endgültigen Eigenschaften des Materials vorab berechnen zu können.“ Eine große technische Herausforderung sei aber auch die Entwicklung und das exakte Platzieren der Verschleißschutzbeschichtungen, erklärt der Geschäftsführer. Gängige Verfahren beim Unternehmen Jäkel seien das thermische Flammspritzen, Plasmaauftragsschweißen, Fülldrahtschweißen und das belegen mit Hartmetallplatten. „Hierfür sind Maschinen erforderlich, welche besonders präzise arbeiten. Zum Einsatz kommt zumeist eine Wolfram-Carbid-Beschichtung. Die hierfür verwendeten Materialien werden schon beim Wareneingang strengsten Kontrollen unterworfen. Denn dabei sind sogar die Formen der einzelnen Partikel von großer Bedeutung.“ Das Thema Verschleißschutzbeschichtungen spielt in der Landtechnik eine große Rolle und hier in erster Linie bei Häckslern und in der Bodenbearbeitung. Im Bereich der Gartentechnik ist der Anteil aus Kostengründen mit rund zehn Prozent noch eher gering. Hier ist das Härten des Materials vorrangig. Udo Jäkel sagte dazu: „Mit diesen Verfahren werden die von den Kunden erwartete Qualität und Haltbarkeit der Produkte gewährleistet.“ Das Unternehmen verarbeitet jährlich mehr als 6 000 Tonnen Qualitätsstahl. Die Messer werden abschließend mittels Pulverbeschichtung lackiert. „Bei allen Prozessen, welche im Unternehmen ablaufen – von der Planung bis zur Endkontrolle eines Produktes – achten wir stets darauf, umweltbewusst und nachhaltig zu produzieren“, so Frank Jäkel. Standard für das Unternehmen sind die Umweltmanagement- und die Qualitätsmanagement-Zertifizierungen nach den sogenannten DIN-Normen.

{BILD:632799:jpg}Enge Beziehung zum OEM
Jäkel sieht sich als exklusiver Partner der Erstausrüster. Zu den Kunden gehören nahezu alle namenhaften Land- und Gartengerätehersteller in Europa. Die direkte Exportquote beträgt 45 Prozent. Frank Jäkel: „Die enge Beziehung zu den Erstausrüstern ist enorm wichtig. Deshalb sind alle Arbeitsabläufe darauf ausgerichtet, schnell auf die Wünsche des Kunden einzugehen. Jeder Geschäftspartner hat auch immer einen direkten Ansprechpartner in Diemelstadt. Eine möglichst kurze und flexible Lieferzeit sind immens wichtig. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, haben wir auch den Bereich Lagerhaltung stets im Fokus. Ein Hochregallager mit moderner Lagerlogistik und EDV helfen, die Belange der Kundschaft noch flexibler zu erfüllen. Eine papierlose Fertigungssteuerung, Programme zur Kennzahlenermittlung und vieles mehr tragen ebenfalls dazu bei, dauerhaft reibungslose Abläufe und unkomplizierte Kommunikation zu gewährleisten.“ Durch die enge Zusammenarbeit habe sich im Lauf der Jahre mit vielen Kunden eine Basis des Vertrauens entwickelt, ergänzt Udo Jäkel. Das hat dazu geführt, dass die Firma Jäkel auch bei der Entwicklung neuer Maschinen mit einbezogen werde. Das wünscht sich der Geschäftsführer grundsätzlich für alle Kunden: „Unsere Kompetenz ist der Verschleißschutz. Um das bestmögliche Produkt anbieten zu können, ist es entscheidend, bereits am Anfang eines Entwicklungsprozesses eng miteinander zu kommunizieren. Wir fertigen schließlich keine Standardprodukte. Jeder einzelne Landtechnikhersteller benötigt für eine neue Maschine seine individuelle Lösung. Um das noch effizienter erfüllen zu können, bieten wir unseren Kunden eine konstruktive Zusammenarbeit von der ersten Skizze bis hin zum Praxiseinsatz der Maschine an.“
Dabei gehe es neben dem konkreten Verschleißschutz auch um die Effizienz eines gesamten Systems, erklärt Frank Jäkel: „Das Ziel muss sein, die Komplettlösung so effizient wie möglich zu gestalten. Nehmen wir das Beispiel Ladewagen: Die optimale Anordnung, Form und Ausrichtung der Messer im Futterkanal hat auf den Kraftstoffverbrauch ebenso große Auswirkungen wie der Schärfegrad der Klingen. Hier geht es oft um Details.“

{BILD:632802:jpg}Weitere Innovation zur Agritechnica
Um auch für die Zukunft innovative Verschleißschutzlösungen bieten zu können, investiert die Firma Jäkel stark in die Forschung der entsprechenden Materialien. Ein Großteil dieser Entwicklungsarbeit findet im hauseigenen Metallurgielabor statt. Dort werden Verschleißprüfstände betrieben, Schliffbilder erstellt, Schichtstärken und Rauhigkeitsmessungen sowie verschiedene Härteprüfverfahren durchgeführt. „Somit beschäftigen wir uns ständig mit neuen Technologien für verbesserte Produkte“, so Udo Jäkel. Die beiden Geschäftsführer berichten diesbezüglich auch von der guten Zusammenarbeit mit vier Hochschulen und Universitäten. „Mit diesen führen wir regelmäßig gemeinsame Feldversuche durch. Hierbei werden die Themen Härte und Brüchigkeit des Materials bis hin zur molekularen Ebene beleuchtet.
Aber auch die Meinungen und das Wissen aus der Praxis versuchen wir möglichst umfassend abzuschöpfen. Folglich suchen wir stets die Kommunikation zu Landwirten, Lohnunternehmern und Fachhändlern.“ Von den Ergebnissen der Forschung bei der Firma Jäkel können sich Interessierte auf der Agritechnica 2015 ein Bild machen. Auf der Messe wird das Unternehmen auch in diesem Jahr vertreten sein und mit verschiedenen Neuerungen aufwarten. Udo Jäkel hierzu: „Unter anderem werden wir einen neuen optimierten Werkstoff präsentieren, soviel sei im Vorfeld verraten.“ Um was es sich hierbei speziell handelt, ließen die beiden Geschäftsführer aber noch offen. Frank Jäkel:  „Das Produkt befindet sich derzeit noch in der Entwicklungsphase. Wir laden aber jeden Interessierten dazu ein, sich im Herbst in Hannover über die Details zu informieren.“

{BILD:632798:jpg}Früher an später denken
Die Jäkel GmbH & Co.KG hat im Rahmen des Standortwechsels über einige Jahre in alle Bereiche des Unternehmens mehrere Millionen Euro investiert. Diese Phase der Kapazitätsausweitung soll auch weiter verfolgt werden. Erst kürzlich wurde eine automatisierte Pressenlinie mit 630 Tonnen Druckleistung in Betrieb genommen. Frank Jäkel abschließend: „Unser Unternehmen ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Basis dafür war und ist die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit unseren Kunden. Die exklusive Ausrichtung wird auch in Zukunft bestehen bleiben. Mittel- und langfristig sind wir davon überzeugt, dass wir mit unseren Verschleißschutzlösungen unsere Position am Markt weiter festigen werden. Die Landtechnik wird sich also – sowohl bei technischen Details, als auch in der partnerschaftlichen Zusammenarbeit – auch künftig auf das Unternehmen Jäkel verlassen können.“(la)
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