Login
AT-Fachbeiträge

"Massen transportieren" aus der AGRARTECHNIK 08/2014

von , am
19.08.2014

Trendbericht Lade- und Silierwagen, Teil 2 I Neben dem Wachstum in größere Ladevolumen wird auch die Aufnahmetechnik und die verwendete Elektronik der Ladewagen immer komplexer. AGRARTECHNIK hat sich in der Branche umgehört.

Lely verfügt über ein Sortiment von insgesamt 37 Ladewagenmodellen. © Werkbild
Der Markt für Lade- und Silierwagen bewegt sich derzeit auf einem relativ stabilen Niveau. Zwar entwickelt er sich im eigenmechanisierten Bereich zurück – das Profi-Segment wächst jedoch. Folglich geht der Trend – ebenso wie in anderen Bereichen – hin zu größeren Ladevolumen und einem höheren zugelassenen Gesamtgewicht.In der vergangenen Ausgabe (AGRARTECHNIK 7.2014, Seiten 34 bis 40) haben wir verschiedene Hersteller zu ihren Ansichten zum Markt von Lade- und Silierwagen, zu deren Unterstützung für den Fachhandel und die aktuellen Trends bei den Fahrwerks- und Transportlösungen befragt. Nun wollten wir wissen, welche technischen Trends und Innovationen sich bei Lade- und Silierwagen in den kommenden Jahren (weiter) durchsetzen werden. Als Beispiele nannten wir den abgesenkten Boden oder ein automatisches Messerschleifsys­tem. Weiter stellten wir die Frage, welche (künftige) Rolle elektronische Innovationen spielen, wie beispielsweise ISOBUS, eine Schwaderkennung oder die Erfassung von Daten wie Trockenmassegehalt, Herkunft und Gewicht.
{BILD:614988:jpg}Heinrich Wingels (Marketingleiter bei der Maschinenfabrik Bernard Krone GmbH) berichtete hierzu, dass Krone die Philosophie des abgesenkten Kratzbodens bereits seit 2007 nutzt. Durch den abgesenkten Kratzboden verringere sich der Leistungsbedarf enorm, da das Futter nicht mehr so hoch gefördert werden müsse. Dadurch „entspannt“ das Futter früher und die Ausladung durch den abgesenkten Kratzboden erhöhe sich.
Auch die elektrischen Innovationen würden eine immer größere Rolle spielen, so der Marketingleiter weiter. ISOBUS sei heute schon Standard und auch Informationen darüber, an welchem Ort wie viel geerntet wurde, könnten heute – dank moderner Technik – bereits gesammelt werden. Manuel Zweimüller (Produktmanager bei Pöttinger) erklärte, die Technik der automatischen Messerschleifeinrichtung werde immer wichtiger, da sie eine Zeit- und Dieselersparnis bringe. Pöttinger biete diese seit 2009 am Ladewagen an. Dem Trend zum abgesenkten Boden begegne Pöttinger mit dem Europrofi combiline, so der Produktmanager. „Sukzessive werden weitere Ladewagen damit ausgestattet. Die Vorteile liegen auf der Hand: Arbeitserleichterung und Kosten-Einsparung.“ Elektronische Innovationen würden für Profi-Kunden ebenso eine große Rolle spielen. Dienstleister erhalten somit eine höhere Kostentransparenz und mehr Möglichkeiten zur Auswertung und Wirtschaftlichkeitsberechnung.
Dr. Bernd Nissen, Vertriebsleiter Nord der Kverneland Group Deutschland GmbH, erklärte zum Thema: „Als Trend setzen sich Messerschleifsysteme immer mehr durch. Sie sind aber eine Kompromisslösung, weil die Schleifqualität nicht die einer stationären Nassschleifeinrichtung erreicht.“ Zu den elektronischen Innovationen meinte der Vertriebsleiter, die ISOBUS-Technik sei der Schlüssel für weitere Innovationen im Bereich der Dokumentationen und Traktor-Geräte-Steuerungen (TIM).
Christian Göttke (Produktmanager bei der Ludwig Bergmann GmbH Maschinenfabrik) meinte: „Die Vorteile, die ein abgesenkter Transportboden bietet, sind signifikant und begründen den anhaltenden Trend bei allen Herstellern, Fahrzeuge mit dieser Technik zu konstruieren. Hingegen werden sich automatische Messerschleifeinrichtungen weniger durchsetzen, denn mit dieser Option lassen sich die verschleißbehafteten Messer lediglich nachschleifen, jedoch nicht fachgerecht durchschleifen. Der Einzug der ISOBUS-Elektronik hat sich in den vergangenen Jahren durchgesetzt und die Nachfrage – auch nach weiterführender Sensorik und so weiter – steigt zunehmend an. Eine Vernetzung von Maschinen wird die Zukunft sein.“
Anne Ehnts (Leiterin Fachpresse & stellvertretende Leiterin Unternehmenskommunikation bei der Claas KGaA mbH) erklärte, der abgesenkte Kratzboden sei von Claas 2009 erstmals eingeführt worden. Beim 8000er Cargos sei dieser nun beweglich. Zur schnelleren Restentleerung werde er nach oben und zum besseren Messerzugang nach unten geschwenkt. Zum Messerschleifen meinte Anne Ehnts: „Nur ein ordentlicher Nass-Schliff kann das Messer im korrekten Winkel schleifen, ohne auszuglühen. Daher haben wir keine teuren, integrierten Trocken-Schleifeinrichtungen im Programm, sondern haben gemeinsam mit der Firma Siemer einen Nass-Schleif-Vollautomaten entwickelt. Dieses auf der Agritechnica mit einer Medaille ausgezeichnete Aqua Nonstop Comfort-Konzept sichert beste Schleif-Qualität.“
Der Schnellausbau von Ladeaggregat und Dosierwalzen beim Cargos-Konzept habe sich gut am Markt etabliert. So würden in nur 20 Minuten zirka 25 Prozent mehr Ladekapazität geschaffen. Hinsichtlich elektronischer Systeme sei ein Wiegesystem mit Auftrags-Management und Datenübertragung per Telematics 2014 bereits in der Vorserie im Feld. Weiter zeige der Cruise Pilot als drehmomentgesteuerter Vorfahrtregler (ICT) deutliches Durchsatzpotential. Nach Ansicht von Dr. Dietmar Franke, aus der Öffentlichkeitsarbeit von Joskin, wird sich bei Silagewagen ein Wiegesystem als wichtiger Trend behaupten. Markus Schneider (Marketingleiter bei der Lely Deutschland GmbH) erklärte, bei der Silier- und Kombiwagenbaureihe Tigo PR und Tigo XR könne man mit der Aufbaukonstruktion mit beweglicher Frontwand bei gleichem Ladevolumen rund einen Meter kürzer bauen als jeder andere Wettbewerber.
Weiter sehe Markus Schneider den abgesenkten Kratzboden nur in Verbindung mit der beweglichen Stirnwand von Lely als Vorteil. Diese fördere das Futter beim Abladevorgang aktiv zum Kratzboden. Der Marketingleiter erwartet zudem einige Innovationen in den Bereichen Datenkommunikation und Messtechnik – zum Beispiel für Trockenmasse und Gewichte. (mm)

In der Folge stellen wir Ihnen zwei weitere Hersteller von Lade- und Silierwagen und deren Sortimente vor.

Claas

Die vor kurzem neu vorgestellte Cargos 8000er-Baureihe schließt bei Claas eine ­Programmlücke zwischen 16 und 24 Tonnen. © Werkbild
Claas bietet Lade- und Kombiwagen mit Rotortechnik von 25 bis 50 DIN-Kubikmeter, beziehungsweise von zwölf bis 34 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht. Mit den Quantum 3000, Quantum 4000 und 5000, Cargos 8000 und Cargos 9000 bietet das Unternehmen für jede Anwendung eine passende Ausrüstung. Die aktuell neu vorgestellte Cargos 8000er Baureihe schließt dabei eine Programmlücke zwischen 16 und 24 Tonnen. Die Cargos Kombiwagen bieten vom 30-DIN-Kubikmeter-Wagen mit 16 Tonnen bis zum 41-DIN-Kubikmeter-Wagen mit 27 Tonnen-Tridem eine umfassende Ausrüstungs-Bandbreite für die Kunden in der oberen Mittelklasse. „Der Kombiwagen ist ein fester Bestandteil unseres Futterernte-Fulline-Angebotes“, erklärt Anne Ehnts, die Leiterin Fachpresse bei Claas. „Mit der Einführung des Cargos in 2009 und mit drei Agritechnica-Medaillen beim Cargos in 2013 haben wir eindrucksvoll dokumentiert, dass der Profi-Lade- und Kombiwagen bei Claas strategische Bedeutung hat. Wir stellen einen weiter fortlaufenden Wandel vom kleineren eigenmechanisierten Ladewagen zum überbetrieblichen Kombiwagen fest – daher ist der Cargos 9500 mit 44 DIN-Kubikmeter unsere meistverkaufte Maschine. Unser Händlernetz ist auch in Zukunft beispielhaft für flächendeckende Service- und Ersatzteil-Verfügbarkeit. Auf dieser Basis werden wir mit der neuen, kleineren Cargos 8000-Baureihe viele neue Kunden in dem Segment zwischen 16 und 24 Tonnen finden können.“
 

Kverneland / Vicon

{BILD:614991:jpg}Das breite Ladewagenprogramm von Kverneland besteht aus Schwingenwagen (Ladevolumen von 14 bis 44 Kubikmeter), Rotorwagen (26 bis 36 Kubikmeter) und Kombiwagen (34 bis 42 Kubikmeter). Im Bereich der Rotor- und Kombiwagen sind alle Wagen mit ISOBUS-Steuerung und auf Wunsch mit Dosierwalzen ausgestattet. Zur Saison 2015 bietet der Hersteller einen neuen Rotorwagen in der unteren Leistungsklasse mit 23 bis 29 Kubikmeter (je nach Aufbauhöhe) und 14 Tonnen Gesamtgewicht an. Alleinstellungsmerkmale in dieser Größe sind nach Werksangaben das wartungsfreie Ladeaggregat mit Ölbadgetriebe, die geschraubten Rotorzinken und nicht zuletzt der mittige Kratzbodenantrieb, der die Belastung der geteilten Antriebswellen reduziert. Weiteres Zubehör wie zum Beispiel ein Querförderband für Rotorwagen mit Dosierwalzen zur Fütterung wird in Kürze zur Verfügung stehen. Auch in der Kombiwagenbaureihe bietet der Rotex Combi die hydraulisch angetriebene, mittig aufgehängte PickUp und geschraubte Rotorzinken. Die Schwingen- und Rotorwagen werden parallel unter der Marke Deutz-Fahr vertrieben. „Der Kverneland Group ist es wichtig ein komplettes Futtererntetechnikprogramm vom Mähwerk, Zettwender, Schwader, Rundballenpressen bis zur Ladewagentechnik anbieten zu können“, berichtet Dr. Bernd Nissen (Vertriebsleiter Nord). „Hier nimmt die Transporttechnik einen immer größeren Anteil ein. Mit unserem breiten Lade- und Häckselwagenprogramm – von 40 bis 55 Kubikmeter – und unserem Überladewagen Shuttle sind wir der Spezialist auf dem Gebiet schlagkräftiger Transportlösungen für unsere Landwirte, Biogaskunden und Lohnunternehmer.“
 
Verwandte Inhalte
Auch interessant