Login
AT-Fachbeiträge

"Qualitätsbewusstsein geschärft" aus der AGRARTECHNIK 04/2014

von , am
08.04.2014

Messer und Klingen aus Thüringen | Die MWS Schneidwerkzeuge GmbH & Co. KG kann auf eine lange und bewegte Geschichte zurückblicken. Zu den wichtigsten Produkten gehören heute Spezialmesser für den landwirtschaftlichen Einsatz.

Bereits im Mittelalter war die süd­thüringische Stadt Schmalkalden eine Hochburg der Werkzeug- und Kleineisenherstellung. Im Laufe der Zeit wurde das Spektrum der angebotenen Metallwaren immer größer und Schmalkalden vor allem während der Zeit der ehemaligen DDR zum wichtigsten Produzenten für Werkzeuge und Ersatzteile für die Landtechnik. Das galt nicht nur für die neuen Bundesländer, sondern für das gesamte Osteuropa.
 

Starken Partner gefunden

Benjamin Krah (li.), Verkaufsleiter West und Rashid Alizada, Verkaufsleiter Osteuropa und Asien.
Nach der Wende war es den Verantwortlichen wichtig, den Betrieb zu erhalten. Deswegen sahen sie sich nach einem starken Partner um, den Sie in ihrem Stahllieferanten, der Reinhold Mendritzki Kaltwalzwerk GmbH & Co. KG aus dem Sauerland, fanden. Die MWS Schneidwerkzeuge GmbH & Co. KG trat im Jahr 1991 der Mendritzki-Gruppe bei, die in den folgenden Jahren mehr als 20 Millionen Euro in die Modernisierung und die Automatisierung der Produktionslinie investierte. „Ein Vorteil von MWS ist, dass alle Prozesse, von der Materialerzeugung bis hin zum Versand der fertigen Teile, innerhalb der Firmengruppe ablaufen. Das bedeutet, dass man nicht auf die Zuarbeit von Fremdfirmen angewiesen ist und die Abläufe optimal steuern kann“, erklärt Geschäftsführer Hartmut Tröger. Hauptabnehmer sind Landtechnikhersteller sowie Großhändler im Bereich Ersatz- und Verschleißteile. Die Exportquote der MWS liegt zwischen 35 und 40 Prozent, jedoch soll der Exportanteil künftig noch gesteigert werden. „Vor allem in Osteuropa und Asien gibt es große Potenziale, die wir in den nächs­ten Jahren noch mehr nutzen möchten. Die landwirtschaftlichen Betriebe und Hersteller in diesen Regionen haben nach wie vor einen großen Bedarf an hochwertigen Produkten und Ersatzteilen, was diese Firmen für uns als Kunden sehr attraktiv macht“, sagt der zuständige Verkaufsleiter für das Gebiet Osteuropa und Asien, Rashid Alizada.
 

Standzeiten verlängert

Spezielle Mulch-Mäher gehören ebenfalls zum Programm von MWS.
Der Vertriebsleiter West, Benjamin Krah, weist auf das mehrere tausend Teile umfassende Sortiment im Bereich der Messer für die Land- und Forstwirtschaft hin. Darüber hinaus sind die Ingenieure der MWS in der Lage, kundenindividuelle Produktanforderungen umzusetzen. Die wichtigsten Produktbereiche sind hierbei Schneidwerkzeuge für Ladewagen, Ballenpressen, Futtermischwagen und Feldhäcksler. Aber auch einfach geformte Messer und Klingen wie Schneidwerksteile für Mähdrescher oder Strohhäcksler, sowie die Klingen für Kreiselmähwerke stehen im Fertigungsprogramm. „Ein wichtiger Schritt in der Qualitätsentwicklung ist seit 1983 das Härten der Klingen im Salzbad“, erklärt Hartmut Tröger. „Damit erreichen wir eine wesentlich höhere Standzeit gegenüber früher. Dieses Verfahren nutzte bis vor wenigen Jahren noch keiner
unserer Wettbewerber.“ Ein weiterer Vorteil des Salzbadhärtens ist, dass ein Federstahl erzeugt wird, der selbst beim Auftreffen auf Fremdkörper eine hohe Flexibilität und damit eine höhere Bruchfestigkeit aufweist. Bei der Entwicklung neuer Herstellungs- und Beschichtungsverfahren arbeitet MWS eng mit Hochschulen und Universitäten zusammen. Hier ist natürlich die Fachhochschule in Schmalkalden ein wichtiger Partner. Ein wesentlicher Bestandteil im Bereich Forschung war in den letzten Jahren die Weiterentwicklung von verschiedenen Beschichtungsverfahren.  Der Trend geht hierbei deutlich in Richtung Laserauftragsschweißen als wegweisendes Verfahren. Die Vorteile sind eine hohe Biege- und Bruchfestigkeit, gute Schnittqualität, erhöhte Standzeit und dadurch ein geringerer Energieverbrauch. Außerdem sind noch das Plasmaauftragsschweißen und das thermische Flammspritzen bei MWS von Bedeutung. Bei diesen drei Beschichtungsverfahren lassen sich Schichtdicken zwischen 0,2 und zehn Millimeter aufbringen. Die maximale Werkstücklänge beträgt dabei sechs Meter. Dies gilt auch für die  Bearbeitungstechnologie des Fräsens und Schleifens.

Weitere Betätigungsfelder

In das MWS-Werk wurden in den vergangenen Jahren knapp 20 Millionen Euro investiert.
Neben den landwirtschaftlichen Schneidwerkzeugen hat die MWS noch weitere Tätigkeitsfelder erschlossen. Unter dem Namen MTV Cutting-Edge GmbH & Co. KG entstand ein Unternehmen, das sich auf Messer für Industrieanwendungen spezialisiert hat. Ein Schwerpunkt hierbei ist die Produktion von Messern für die Recyclingindus­trie. Hier hat das Unternehmen bis zu sechs Meter lange Messer mit hartmetallbeschichteten Schneidkanten entwickelt, die man mehrmals nachschleifen kann. „Somit ergibt sich auch hier eine Standzeitverlängerung trotz der harten Stahleinlagen des Reifenmaterials“, erklärt Hartmut Tröger.Neben der Fertigung von Schneidwerkzeugen hat sich die Stanz- und Umformtechnik zu einem wichtigen Produktionsbereich der MWS entwickelt. Dazu gehört zum Beispiel die Herstellung von Tellerfedern für Kupplungen im Pkw- und Nutzfahrzeugebereich, die auch in der Landtechnik eingesetzt werden. Zu den vielfältigen Fertigungsmöglichkeiten zählt unter anderem eine CNC-gesteuerte Hydraulikpresse, mit einer Presskraft von 1200 Tonnen.
{BILD:605358:jpg}Seit 1999 hat MWS für Kunden aus dem Garten- und Kommunalbereich noch etwas im Programm: einen Mulchmäher. Das unter dem Namen Mulchmaster patentierte Mähsystem ist so konstruiert, dass es das Gras derart zerkleinert, dass es in der Grasnarbe zurückbleibt, wo es verrotten kann. „Damit haben wir ein echtes Nischenprodukt gefunden, das sich steigender Beliebtheit erfreut, sodass wir damit in den letzten Jahren rasant steigende Umsätze verzeichnen können“, erklärt Benjamin Krah.
Ein weiteres Betätigungsfeld von MWS sind Dienstleis­tungen. Besonders in der Härterei werden diese stark nachgefragt, denn hier können die unterschiedlichsten Möglichkeiten der Oberflächenveredelung angeboten werden.(fm)
Verwandte Inhalte
Auch interessant