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AT-Fachbeiträge

"Säen in neuen Dimensionen" aus der AGRARTECHNIK 01/2015

von , am
21.01.2015

Marktübersicht Einzelkornsätechnik | Die Zahl der Wettbewerber für den Markt der Einzelkorn-
sämaschinen nahm in der letzten Zeit – durch die starke Nachfrage – erheblich zu. Dadurch hat
auch der technische Fortschritt eine schnelle Entwicklung vollzogen. AGRARTECHNIK hat sich in
der Branche umgehört.

Es tut sich was am Markt für Einzelkornsägeräte. Der Wunsch zur Ausbringung von Unterfußdünger zur Saat oder die Diskussionen zum optimalen Reihenabstand in den einzelnen Kulturen haben einen wachsenden Einfluss auf die Technik. Zudem wird auch gerne über die Liste der Marktfrüchte gestritten, die per Einzelkornsägerät in den Boden kommen sollen. Der Raps hat sich ja schon zu Mais und Zuckerrüben hinzu gesellt. Ob langfristig auch Getreide im größeren Stil auf diese Weise gesät wird, darüber kann man nur spekulieren.
Zudem setzen viele Hersteller – um eine hohe Flächenleistung zu erzielen – verstärkt auf höhere Arbeitsgeschwindigkeiten (Stichwort „High-Speed-Einzelkornsämaschine“).
Es ist also – trotz einer Stagnation der Nachfrage – durchaus viel Bewegung in diesem Maschinensegment vorhanden. AGRARTECHNIK hat einige Hersteller zur Situation auf dem Markt und zu den technischen Trends befragt.
 

Nachfrage-Zenit erreicht

Die Amazone Einzelkornsämaschine der Serie ED
Zunächst stellten wir die Frage, wie sich der Markt von Einzelkornsätechnik in den vergangenen Jahren entwickelt hat, wie die Marktsituation derzeit ist und mit welcher Entwicklung die Hersteller für die kommenden Monate und mittelfristig rechnen.
Christoph Laumann (Leiter Verkaufsförderung bei Amazone): „Der Markt für die Einzelkornsätechnik ist in den letzten Jahren gestiegen. Diese sehr gute Nachfrage ging sicherlich einher mit der starken Entwicklung im Bereich der Biogasanlagen. Es ist allerdings davon auszugehen, dass in dem Bereich der Einzelkornsätechnik eine Sättigung des Marktes stattfindet und sich die Nachfrage auf einem stabilen Niveau einpendeln wird. Eine weitere Steigerung, wie in den letzten Jahren, ist in der Form mittelfristig nicht zu erwarten.“ Michael Braun (Teamleitung Produktmarketing bei Horsch): „In den vergangenen Jahren hat sich der Markt eindeutig in Richtung von Maschinen mit mehr Schlagkraft entwickelt, außerdem zu etwas höheren Fahrgeschwindigkeiten. Wichtig ist auch, dass die Technik mit ausreichend Schar­druck aufwarten kann. Aktuell und für die kommenden Monate sehe ich weitere Verbesserungen in diesem Bereich als Betätigungsfeld an. Mittelfristig wird die Tendenz zu größeren Einheiten – was  nicht nur die Arbeitsbreite, sondern auch Tankvolumen im Bereich Dünger betrifft – immer klarer.“
{BILD:626832:jpg}Steffen König (Marketingleiter bei Kongskilde): „Nach den Jahren des „Biogasboom“ und der einhergehenden Nachfrage an Einzelkornsämaschinen war der Markt in den letzten ein bis zwei Jahren relativ stabil. Erhöhte Nachfragen können wir im Bereich der Eigenmechanisierung sowohl von Milchviehbetrieben – trotz niedriger Milchpreise – als auch von Biogasbetrieben im vier- und sechs-reihigen Bereich feststellen. Mittelfristig rechnen wir aber auch mit steigenden Absätzen an Lohnunternehmen.“
Andreas Potthast (Produktmanager Drilltechnik Kverneland Group): „Der Markt der Einzelkornsätechnik hat in den letzten Jahren im Zuge des Biogas Zeitalters S-Booms seinen Höchstpunkt erreicht. Gerade durch diese starke Nachfrage in den letzten Jahren haben sich immer mehr Wettbewerber auf den Markt gedrängt. Durch diesen Wettbewerb hat auch der technische Fortschritt eine schnelle Entwicklung vollzogen. Momentan ist die Auftragslage vergleichbar mit der des letzten Jahres, allerdings ist der Preiskampf auf dem Markt stark. Das basiert nicht zuletzt auf dem Konflikt der Ukraine mit Russland, da nun das entsprechende Absatzvolumen an anderer Stelle generiert werden muss. Ich rechne auch für die nächste Zeit mit einem anhaltenden Preiskampf und eher  mit einem Rückgang der Absatzzahlen, da der Markt sich zunehmend gesättigt zeigt und es sich bei einer Vielzahl der Geschäfte um Ersatzgeschäfte handelt. Zudem treten natürlich auch die größere Anzahl an Mittbewerbern in Erscheinung.“ {BILD:626833:jpg}Inge Steibl vom österreichischen Landtechnikhersteller Pöttinger: „Der Markt hat sich in den letzten Jahren tendenziell nach oben entwickelt. Es ist aktuell eine leichte Anspannungen bei den Marktfruchtbetrieben zu spüren. Die Stückzahlen werden mit leichten Schwankungen auf diesem hohen Niveau bestehen bleiben – kurz- und mittelfristig.“ Claudia Nikisch von der Maschinenfabrik Schmotzer GmbH: „Der Markt der Einzelkornsätechnik ist in den letzten Jahren gewachsen. Dies ist vor allem auf den hohen Nachholbedarf im Ausland und Ausweitung der Biogas-Anlagen im Inland sowie die Flächenausweitung von Soja zurückzuführen. Durch die wegfallende Zuckerrübenkontingentierung in 2017 erwarten wir eine sich abschwächende Nachfrage in den nächsten Monaten und Jahren. Die derzeitigen Absatzprobleme in Russland und Ukraine werden den Rückgang noch verstärken.“ Maria Redwanz aus dem Marketing bei Väderstad Deutschland: „Wir sehen uns als Neulinge im Einzelkornsämaschinenmarkt und haben bisher nur Steigerungen im Absatz gesehen. Wobei der Markt momentan etwas langsamer zu sein scheint. Wir gehen davon aus, dass sich der Markt erholt, sobald sich die politische Situation etwas entspannt.“

Technische Features

Die zur Agritechnica vorgestellte Einzelkornsämaschine Aeromat Advance von Kongskilde/Becker ist – ebenso wie die Aeromat – mit dem pneumatische Druckluftspülsystem ausgestattet.
Dann befragten wir die Hersteller darüber, welche technischen Trends sich bei der Einzelkornsätechnik in den kommenden Jahren (weiter) durchsetzen und welche optionalen Ausstattungen künftig verstärkt nachgefragt werden.
Christoph Laumann (Amazonen-Werke): „Neben den mechanisch angetriebenen Dosierungen gibt es in den letzten Jahren eine Entwicklung hin zu hydraulisch oder elektrisch angetriebenen, sowohl für den Dünger wie auch für das Saatgut. Diese Antriebstechnik wird sich in den nächsten Jahren weiter durchsetzen, da diese Lösung viele Vorteile bietet. Zum einen ist die ganze Kalibrierung viel komfortabler. Das Abdrehen des Düngers kann per Knopfdruck erfolgen und die Aussaatmenge des Saatgutes wird automatisch über die Optogeber kontrolliert und über die Geschwindigkeit des Dosiermotors angepasst. Zum anderen kann man sich dank dieser Antriebskonzepte flexibel verschiedenen Bedingungen anpassen. Denn die Aussaatmengen können schnell und einfach über das Terminal geändert werden. Somit ist neben der einfachen Änderung der Aussaatstärke bei einem Saatgutwechsel auch eine teilflächenspezifische Bewirtschaftung möglich. Denn auch im Bereich der Einzelkornsätechnik wird künftig mehr und mehr über Applikationskarten nachgedacht werden. Unsere automatische Teilbreitenschaltung GPS-Switch ist heute im Bereich Dünge- und Pflanzenschutztechnik bei vielen Kunden zum Standard geworden. Die automatische Abschaltung der ganzen Maschine beziehungsweise einzelner Reihen am Vorgewende oder in Keilen hält in der Sätechnik und besonders im Bereich der Einzelkornsätechnik immer mehr Einzug.
Die Welt der Terminals teilt sich in zwei Klassen. Zum einen gibt es die einfacheren maschinenbezogenen Terminals. Diese dienen in erster Linie der Überwachung und weniger der Maschinenbedienung. Zum anderen gibt es die maschinenübergreifenden Terminals. Über diese kann die Maschine geregelt und verschiedene Funktionen wie beispielsweise Hydraulikfunktionen angesteuert werden. Diese Terminals sind dann nicht nur für die Einzelkorngeräte sondern auch für andere Maschinen verwendbar. Der Einsatz von Mikrodünger könnte, auf Grund von Problemen mit Nährstoffüberschüssen in einigen Regionen, in Zukunft ein interessantes  Thema und der Mikrogranulatstreuer eine wichtige Option werden.“
{BILD:626835:jpg}Michael Braun (Horsch): „Elektronische Dosierantriebe und Isobus sind gesetzt – hier führt kein Weg daran vorbei. Dazu kommen die Auftragsbearbeitung, eine Anpassung der Aussaatmengen und Düngermengen nach Applikationskarten und die  Ausbringung von Mikrogranulaten. In erster Linie geht es um Anpassungsfähigkeit der modernen Technik an die jeweiligen Standort- und Jahresbedingungen.“
Steffen König (Kongskilde): „Die Nachfrage nach elektrischem Antrieb ‚E-motion“ ist nach wie vor sehr hoch, sowie für Sektion-Control und GPS-Steuerung. Isobus-Technologie wird durch die jüngere Generation immer mehr genutzt. Verstärk­te Nachfrage entsteht im Bereich Düngerflußüberwachung und integrierte Wiegeeinrichtung, die wir bereits jetzt schon anbieten können.
Düngerflußüberwachung kann auch bei älteren Maschinen der Baureihen Aeromat nachgerüstet werden. Der elektrische Düngerantrieb soll ab 2015 in die letzte Testphase gehen und 2016 in der Baureihe Aeromat ‚Advance“ umgesetzt werden. Die Firma Becker favorisiert nach wie vor, seit seiner Einführung 1972, das Druckluftspülsystem. Dadurch wird eine genauere Ablage realisiert und es ist kein Abluftkit erforderlich.
Alexander Grühl (Kuhn): „Die Anforderungen an ein universelles Einzelkornsägerät werden immer größer in Bezug auf flexiblen Einsatz von verschiedenen Reihenweiten, Aussaat von verschiedenen Kulturen sowie Aussaat unter nahezu allen Bedingungen. Wir können durch eine große Auswahl an Maschinenvarianten und Zubehören ein sehr großes Spektrum an Anforderungen anbieten. So sind zum Beispiel besondere Zustreicher oder Klutenräumer heute ein gefragtes Equipment. Isobus wird besonders in den größeren Maschinen und auf Maschinen mit einer besonderen Reihenweite beziehungsweise Reihenanzahl immer mehr zum Standard. Eine integrierte Fahrgassenschaltung wird durch den Einsatz von zum Beispiel Gülleinbringtechnik im stehenden Maisbestand auch mehr und mehr gefragt. Neben hohen Fahrgeschwindigkeiten ist für viele Betriebe heute aber immer noch die Präzision ein wichtiger Punkt.“
{BILD:626836:jpg}Andreas Potthast (Kverneland Group): „Die Kverneland Group gehört mit den Themen elektrische Antriebe und Steuerung über Isobus bei der Einzelkornsätechnik zu den absoluten Vorreitern. An den Verkaufszahlen unserer Maschinen merken wir, dass wir deutlich mehr elektrische Antriebe verkaufen als Reihen mit Kettenantrieb. Dieser Trend bestätigt sich dadurch, dass nach und nach auch unsere Wettbewerber auf den elektrischen Antrieb setzen. Wir haben das Thema mit den elektrischen Antrieben in den letzten Jahren noch weiter verfeinert und bieten deshalb mittlerweile mit dem patentierten GEOseed System die nächste Stufe der Präzision an. Bei dem Thema Vereinzelung setzen wir schon immer auf das Unterdruck-Prinzip. Bei dem System handelt es sich um ein seit Jahren bewährtes System.“ Inge Steibl (Pöttinger): „Die Kombination von Drillsaat mit Maisaussaat ist für die Betriebe eine willkommene Alternative, da auch bei der Maisaussaat zusätzlich Dünger appliziert werden kann. Dies gelingt ohne jegliche Zusatzausrüs-tung an der neuen Pöttinger Aerosem. Eine Isobus-Steuerung ist bei neuen, modernen Einzelkornsaatverfahren Gang und Gäbe und natürlich auch bei der Aerosem mit PCS –Maisaussaat – Stand der Technik. Die totale Überwachung der Kornablage durch Anzeige am Terminal zeigt dem Anwender genaue Ablagewerte an. Durch die Möglichkeit, neben dem Einzelkorn auch Dünger abzulegen, bietet sich nun auch die Möglichkeit Beigaben in Form von Granulat mit zu platzieren.“
Claudia Nikisch (Maschinenfabrik Schmotzer GmbH): „Die mechanischen Säsysteme werden im Zuckerrübenanbau weiter bleiben, da sie beste Saatguteinbettung und höchste Ablagegenauigkeit erbringen. Zur Sojasaat oder auch anderen Sondersaaten ist das mechanische Säsystem ebenfalls ausreichend und auch preisgünstiger. In der Maisaussaat werden das mechanische System und das pneumatische System parallel arbeiten, da nicht jeder auf die hohe Fahrgeschwindigkeit setzt. Die elektrischen Antriebe werden insbesondere beim Großbetrieb oder Lohnunternehmer verwendet. Hier bieten wir zwei Lösungen: einmal mit Elektromotoren und zweitens mit Schaltkupplungen. Letztere sind unanfälliger und preisgünstiger. Isobus Steuerung ist Standard. Vakuum-Selektierung beim pneumatischen Gerät ist ebenfalls Standard. In die Überdruck-Vereinzelung werden wir nicht inves­tieren, da sie viele Nachteile hat. Zum Beispiel ist die Kornvereinzelung bei verschiedenen Kornkalibrierungen nicht möglich. Als optionale Ausstattungen geht der Trend immer mehr zur Direktsaat und Ausrüs-tung mit Reihendüngerstreuer.“
Maria Redwanz (Firma Väderstad): „Elektrische Dosierantriebe, werden wegen ihrer bedienerfreundlichen Handhabung, immer mehr zum Standard werden. Außerdem können hier einfach einzelne Reihen abgeschaltet werden, um Überlappungen zu verhindern und somit Saatgut, Dünger und Mikrogranulat zu sparen.
Da die Isobus Steuerung bisher nicht übergreifend am Markt etabliert werden konnte, sieht es so aus, als würden immer mehr Firmen es uns gleich tun und standartisierte Hardware, wie zum Beispiel iPads nutzen. Dies könnte für Landwirte die günstigste Lösung sein, da viele bereits solche Computer zur Datenerfassung nutzen.“

Mit High-Speed säen

Dann ging es darum, mit welchen technischen Lösungen die Hersteller die Nachfrage nach einer höheren Fahrgeschwindigkeit (Stichwort „High-Speed-Einzelkornsämaschinen“) beantworten.Christoph Laumann (Amazonen-Werke): „Für dieses Segment bieten wir unsere Einzelkornsämaschine EDX an. Diese ermöglicht – mit ihrem Überdruckvereinzelungssystem X-Press in Kombination mit der Schartechnik – eine Arbeitsgeschwindigkeit von bis zu 15 Kilometer pro Stunde. Allerdings zählt bei dem Thema Hochleistung nicht nur die Arbeitsgeschwindigkeit. Denn die Reduzierung der Nebenzeiten ist hier mindestens ebenso wichtig. Daher müssen die Maschinen in diesem Segment über große und zentrale Saatgut- und Düngerbehälter verfügen, die gut und schnell zu befüllen und auch zu entleeren sind. Die Einstellung der Aussaatstärke, die Veränderung der Abstreiferposition sowie des Schardruckes und so weiter müssen zentral über das Terminal aus der Kabine erfolgen können. Denn durch diese Techniken werden Nebenzeiten eingespart und die Leistung gesteigert.“
Steffen König (Kongskilde) wies auf verschiedene Komponenten hin, die hierzu von Bedeutung seien: E-motion (elektrischer Antrieb) sei kaum störungsanfällig, sehr einsatzsicher, habe wenig Verschleiß, biete einfache und exakte Einstellung, ermögliche eine problemlose Fahrgassenschaltung in allen Rhythmen, verursache weniger Schlupf und ermögliche bessere Kontrolle über die Funktionen der einzelnen Aggregate. Sektion Control und GPS-Steuerung hätten die Vorteile der Saatgut-Einsparung und verhindern Überlappung. Des Weiteren seien der elektrische Düngerantrieb, die Düngerfluss­überwachung und die integrierte Wiegeeinrichtung zu nennen.
Alexander Grühl (Kuhn): „Neben der Kornlängsverteilung ist die gleichmäßige Tiefenablage sehr wichtig, was natürlich bei hohen Arbeitsgeschwindigkeiten Schwierigkeiten bereiten kann. Unsere Kunden bestätigen uns, dass auch High-Speed Geräte an ihre Grenzen kommen und besonders in mittleren oder kleinen Strukturen kann der Geschwindigkeitsvorteil gar nicht genutzt werden. Bei immer weiter steigenden Flächenpreisen ist der Ertrag je Hektar einer der wichtigsten Aspekte und somit bleibt das Hauptaugenmerkmal derzeit auf der Präzision.“ Andreas Potthast (Kverneland Group): „Wir haben vielfach die Erfahrung gemacht, dass wir mit einer Fahrgeschwindigkeit bis zwölf Kilometer pro Stunde gute Ergebnisse erzielen können, womit wir anderen Herstellern keineswegs nachstehen. Verschiedene Gespräche mit diversen Landwirten und Lohnunternehmern bestätigen, dass die genannte Fahrgeschwindigkeit ausreichend ist. Vor allem die deutlich höhere Belastung für Maschine und Fahrer sind Gründe die gegen eine Steigerung Richtung 15 Kilometer pro Stunde sprechen. Zudem kommt vielerorts die Flächenstruktur dazu, die keine höheren Geschwindigkeiten zulässt. Wenn man dann noch an den exponentiell höheren Verschleiß bei höheren Fahrgeschwindigkeiten denkt, so stellt sich die Frage, wie schnell die Kunden denn in der Realität wirklich fahren wollen. Eine Antwort auf höhere Flächenleistung kann auch eine größere Arbeitsbreite sein. So ist eine Antwort zum Beispiel der neun Meter parallel hydraulisch klappbare Optima Rahmen. Es handelt sich um eine kompakt klappende Maschine mit einer sehr großen Flächenleistung. Zu beachten sind aber der geringere Verschleiß und die reduzierten Wendemanöver.“ Inge Steibl (Pöttinger): „Der High-Speed-Markt wird seine Gebiete finden. Dieses Aussaatverfahren verlangt hohe Schar­drücke und beschränkt sich stark auf größere Arbeitsbreiten. Mit einem Reihenabstand von 37,5 Zentimeter ist auch mit der Aerosem eine Geschwindigkeit von zehn Kilometer pro Stunde realisierbar und das ab drei Meter Arbeitsbreite.“
Maria Redwanz (Firma Väderstad): „Mit unserer Lösung, dem PowerShoot, können wir bereits eine akkurate Ablage bei 17 Stundenkilometer realisieren. Wir denken eine noch höhere Geschwindigkeit wird kurzfristig nicht nachgefragt werden.“
 

Kombination aus Drill- und Einzelkornsaat

Mit der Pöttinger Aerosem wurde die Einzelkornsätechnik in eine pneumatische Standard- Sämaschine integriert. Dafür wurde sie auf der Agritechnica 2013 vom dlv Deutscher Landwirtschaftsverlag als Maschine des Jahres ausgezeichnet.
Abschließend wollten wir wissen, inwieweit die Einzelkornsaat für weitere Kulturen (zum Beispiel Raps, Getreide) sinnvoll ist und wie die Hersteller zu den Überlegungen stehen, Drillsaat und Einzelkornsaat in einer Maschine zu kombinieren.
Christoph Laumann (Amazone): „Neben dem Mais gibt es eine Reihe Kulturen, bei der eine Einzelkornsaat sinnvoll ist. Dort bieten wir bei unseren Maschinen ED und EDX eine Vielzahl von Vereinzelungsscheiben und -trommeln an, mit denen man beispielsweise Mais, Sonnenblumen, Erbsen, Ackerbohnen, Rüben, Sorghum und so weiter vereinzeln kann. Ein weiteres Thema ist die Aussaat von Raps. Denn durch die bessere Standraumverteilung und den besseren Auflauf – bedingt durch die exakte Tiefenführung des Schars und die bessere Einbettung des Saatkorns im Boden – kann die Aussaatstärke beim Raps in der Einzelkornsaat deutlich reduziert und der Ertrag teilweise gesteigert werden. Unsere Versuche haben gezeigt, dass bei Raps ein maximaler Reihenabstand von 45 Zentimeter ohne Ertragseinbußen möglich ist. Die Kombination aus Drillsaat und Einzelkornsaat wäre im Bereich der Dosierung sicherlich schnell für die verschiedensten Saatgüter umsetzbar beziehungsweise ist bereits verfügbar. Im Bereich der Schare ist eine Kombination aus Drillsaat und Einzelkornsaat ein Kompromiss. Denn die Saatgüter, die klassisch mit der Einzelkornsätechnik gesät werden, haben höchste Anforderungen an Ablagetiefe und Einbettung. Dies erfordert ein Schar, welches aufgrund von großen Tiefenführungsrollen und Andruckrollen einen gewissen Bauraum bedarf. Das hat zur Folge, dass bei einem Schar in der Einzelkornsätechnik ein minimaler Reihenabstand von 37,5 Zentimeter möglich ist. Dieser Abstand ist für eine Rapssaat in Ordnung, aber für eine Getreidesaat zu groß. Würde diese kombinierte Maschine eher für die Getreidesaat ausgelegt und über engere Reihenabstände verfügen, so kann diese nicht über die präzise Schartechnik aus dem Bereich der Einzelkornsaat verfügen. Daher ist unser Konzept das Wechseln der Säschiene bei gleichem Vorderwagen. Dies haben wir in der Variotrail 3 000 umgesetzt. Bei diesem Vorderwagen kann über einen Dreipunkt schnell die Einzelkornsäschiene gegen eine Getreidesäschiene ausgetauscht werden.“
Michael Braun (Horsch): „Horsch geht ja konsequent den Weg, klassische Einzelkornfrüchte mit der Maestro zu drillen und Raps und Getreide dann mit Pronto/Focus TD Sämaschinen. Jede Anwendung der Aussaat hat nun mal ihre speziellen Anforderungen, welche nur schwer, oder mit Kompromissen in nur einer Maschine umsetzbar sind.“ Steffen König (Kongskilde): „Mit der Aeromat-Baureihe M-20 Aggregat ist es möglich folgende Aussaaten vorzunehmen – Mais, Soja, Sonnenblume, Baumwolle, Rüben, Sorghum und Raps. Drillsaat und Einzelkornsaat in einer Maschine zu kombinieren kann derzeit noch nicht angeboten werden.“
Alexander Grühl (Kuhn): „Der Einsatz in verschiedenen Kulturen ist bei Kuhn heute schon problemlos möglich. Unsere Einzelkornsämaschinen Kuhn Planter und Kuhn Maxima sind dafür geeignet so gut wie jedes Saatgut zu vereinzeln. Angefangen bei Mais, Rüben, Raps aber auch Sonnenblumen, Bohnen, Hirse werden immer wieder gefragt.“ Andreas Potthast (Kverneland Group): „Die Einzelkornsaat ist auch für Kulturen wie beispielsweise Raps eine echte Alternative. Zum einen kann dadurch die vorhandene Einzelkornsätechnik besser ausgelastet werden und zum anderen bestehen Potentiale der Ertragssteigerung und Ertragssicherung. Die Drillsaat mit der Einzelkornsaat zu kombinieren, ist derzeit an vielen Stellen immer noch ein Kompromiss. Hier bleibt es daran, weiter zu beobachten, welche künftigen technischen Entwicklungen es geben wird. Gerade bei Einzelkornkulturen wird ein absolutes Augenmerk auf die Präzision bei der Längsverteilung und auch auf die Tiefenablage gelegt. Der Bodenschluss zwischen Saatkorn und Bodenrille ist in Jahren mit Frühjahrstrockenheit die Basis für einen stabilen Ertrag. Besonders unter trockeneren Bodenbedingungen ist daher eine perfekte Einbettung des Saatgutes besonders wichtig. Diese Perfekte Einbettung bekommt derzeit nur eine Einzelkornsäreihe in der angesprochenen Präzision hin.“ Inge Steibl (Pöttinger): „Einzelkornsaat in Raps wird von manchen Betrieben bereits angewendet, stößt aber immer wieder auf Widersprüche. Entweder durch Kahlfröste oder wie aktuell durch feuchte Bedingungen im Herbst werden diese Einzelkorn gedrillten Raps-Bestände zur richtigen Herausforderungen in der Bestandsführung. Mit der Aerosem ist durch den neu-artigen Verteilerkopf eine
Aussaat von nahezu allen Reihenweiten und Fahrgassensys-temen bei Getreide und Mais mit Dünger möglich. Die Entwicklung – Drillsaat und Einzelkornsaat in einer Maschine kombiniert – ist Pöttinger mit der neuen Aerosem bereits
gelungen. Diese Maschine wurde bereits mehrfach international ausgezeichnet.“
Claudia Nikisch (Maschinenfabrik Schmotzer GmbH): „Alle Schmotzer Sägeräte sind für die präzise Rapsaussaat oder auch für andere Saatgutarten, die in der Einzelkornsaat ausgesät werden, konzipiert. Mit der Drillsaat in Verbindung mit der Einzelkornsaat beschäftigen wir uns nicht.“Maria Redwanz (Firma Väderstad): „Die Nachfrage für Maschinen, die auch andere Kulturen als Mais und Rüben vereinzeln können ist weltweit, je nach Region, sehr unterschiedlich. Im Allgemeinen ist solche Technik für ökologisch wirtschaftende Betriebe interessant, da diese dank solcher Saatablage ihre gesamten Pflegemaßnahmen verein-
fachen könnten.“ (la, mm)

 
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