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AT-Fachbeiträge

"Tiefenwirkung erreichen"aus der AGRARTECHNIK 01/2014

von , am
15.01.2014

Marktübersicht Tiefenlockerer | Der Markt für Tiefenlockerer zieht gegenwärtig wieder an. Deren Einsatz in der Landwirtschaft wird – durch den wachsenden Bodendruck und den Wunsch nach einer besseren Durchwurzelungstiefe – oftmals unumgänglich. Verstärkt kommen nun kombinierte Verfahren zum Einsatz.

Die Tiefenlockerung ist ein echter Knochenjob. Die eingesetzten Landmaschinen müssen extremen Belas-tungen standhalten, wenn es darum geht, stärkste Verdichtungen in Tiefen von 40 Zentimeter bis über einem Meter aufzubrechen und zu lockern. Matthias Porten, vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Mosel Bernkastel-Kues, beschrieb es 2005 folgendermaßen: „Man muss sich Bodenverdichtung so vorstellen, als würde man einen Ziegelstein immer tiefer in den Boden hineindrücken. Wird bei feuchten Bedingungen Druck auf den Ziegelstein ausgeübt, verstärkt sich der Effekt. Wartet man zu lange, so ist es sehr schwierig, diesen Ziegelstein wieder nach oben zu befördern. Ist der Ziegelstein erst einmal sehr weit unten, so benötigt man einen sehr hohen Kraftaufwand – eben den Tiefenlockerer – um den Ziegelstein (die Verdichtung) nach oben zu bekommen. In der Bodenwissenschaft spricht man nicht von Ziegelsteinen sondern von verdichteten Bodenkompartimenten, welche mit jeder Überfahrt weiter nach untern ‚gefahren’ (transportiert) werden. “Ziel der Tiefenlockerung sei es, so Matthias Porten weiter, dass der Bodenhorizont während der Bodenlockerung deutlich angehoben werde. „Nur wenn nach jedweder Bodenlockerung eine deutliche Erhöhung des Bodenhorziontes in der bearbeiteten Zeile gegenüber der unbearbeiteten Zeile zu erkennen ist, war die Lockerung erfolgreich, weil nur dann ausreichend Luft als drittes Medium in unseren Boden eingebracht wurde. “Um das zu erreichen, kommen verschiedenste Werkzeuge zum Einsatz: Dazu gehören zum Beispiel Zinken mit geschwungenen Formen, welche den Mischeffekt verstärken. Andere Zinken besitzen komplexe Anbauten, um unterschiedlichen Zwecken – wie zum Beispiel Verschleiß-
festigkeit – gerecht zu werden. An Bedeutung gewinnen auch die Über­lastsicherungen und spezialbeschichtete Verschleißteile. Zudem werden Nachlaufwalzen und Seitenbleche immer öfter nachgefragt. Generell wird festgestellt, dass es immer mehr um den Spezial-Tiefenlockerer geht. Die Anfragen der Praktiker sind sehr unterschiedlich und hängen auch von der Region ab. In den letzten Jahren ist der Tiefenlockerer zudem als Pflugersatz ins Gespräch gekommen. Die Stückzahlen variieren je nach Witterungsverlauf und Jahr teilweise sehr stark. 2013 war insgesamt ein erfolgreiches Jahr für Untergrund-
lockerer, da im Sommer gute Bedingungen zur Lockerung vorherrschten: Nämlich ein auch in tieferen Regionen ausgetrockneter Boden. 
 

Weiterhin guter Verkauf wird erwartet

AGRARTECHNIK hat sich mit einigen Herstellern darüber unterhalten, wie diese den Markt für Tiefenlockerer grundsätzlich einschätzen. Thomas Bidell (Geschäftsführer der Bidell GmbH – Exklusiv-Partner von Alpego) erklärt: „Der Markt hat sich sehr positiv entwickelt, denn die Kunden erkennen mittlerweile den Sinn und Zweck dieser Geräte. In der Vergangenheit hat man nur mit günstigen Fahrgassenlocke-rern von Zeit zu Zeit die Felder bearbeitet. Aufgrund der neuen Geräte und auch der optimierten Zinkenformen kann man heute bedenkenlos den Pflug für zwei bis drei Jahre aus dem Bearbeitungsprozess streichen.“
Lars-W. Funk, Geschäftsinhaber LWF AgroTec (Werksvertretung Agrisem International für Norddeutschland), stimmt zu: „Der Markt hat sich positiv entwickelt. Der Absatz von Tiefenlocke-rern ist konstant mit steigender Tendenz. Insbesondere der Biogasboom mit verstärktem Maisanbau führt zu immer größerem Bedarf an Lockerungsgeräten. Wir rechnen für die nächsten Monate mit einem guten Verkauf von Maschinen.“
M.Sc.agr. Philipp Hoberg (Produktmanager für konservierende Bodenbearbeitung bei Kverneland) erläutert: „Der Absatz von Tiefenlockerern erlebt momentan eine Renaissance und ist mittlerweile nicht nur auf den Profibetrieben fester Bestandteil der Bodenbearbeitungsgeräte. Kverneland rechnet durch immer stärkere Sommertrockenheit mit einem steigenden Markt für Tiefenlockerer.“
Auch bei Vogel & Noot werden Tiefenlockerer vermehrt nachgefragt, berichtet Alexandra Gößlbauer aus dem Marketing-Management: „Aus unserer Sicht wird das auch in den kommenden Monaten und mittelfristig anhalten. Um dieser Nachfrage gerecht zu werden hat Vogel & Noot die Produktgruppe Tiefenlockerer TerraDig in den letzten drei Jahren intensiv weiter entwickelt und die Palette stark erweitert. Dementsprechend werden nun alle Markt-Anforderungen abgedeckt.“
Carolin Baumeister (Marketing Managerin bei Kotte Landtechnik) schließt sich an: „Der Markt ist in den vergangenen  Jahren recht stabil geblieben und es ist aus unserer Sicht damit zu rechnen, dass er sich auch weiterhin stabil entwickeln wird.“
Hartmut Bock (Vertriebsleiter Deutschland und BeNeLux bei Rabe/Grégoire-Besson) erklärt zusammenfassend: „Der Tiefenlockerer wird für die moderne Landwirtschaft zunehmend wichtiger, da wir heute ganz einfach erkennen müssen, dass die auf den Feldern eingesetzten Maschinen und Fahrzeuge immer schwerer werden und auch der Einsatz von besonderen Fahrwerken die ungewollte Verdichtung des Bodens nicht ganz ausschließen kann. In einigen Teilen der Welt wird als Konsequenz daher auf Controlled Traffic übergegangen – in Europa bemühen sich die Landwirte dagegen, die gesamte Fläche produktiv zu erhalten. Insofern kommt der Tiefenlockerung eine zunehmende Bedeutung zu. Zudem hören wir von immer mehr Landwirten, dass für die Erzielung der heutigen Spitzen­erträge, den Pflanzen auch eine ausreichende Durchwurzelungstiefe zur Verfügung gestellt werden muss und es nicht mehr ausreicht, nur die obere Krume zu pflegen. Das Thema Tiefenlockerung wird also aus technischer, pflanzenbaulicher und wirtschaftlicher Sicht zunehmend interessanter und wir sind sicher, dass wir mit unserer breiten Produktpalette die richtigen Geräte für die steigenden Anforderungen anbieten.“
 

Kosten mindern – Wirkung erhöhen

AGRARTECHNIK hat zudem gefragt, in welche Richtung sich mögliche Technik­trends bei Tiefenlockerern entwickeln.
Lars Chr. Brix (Lars Chr. Brix GmbH) meint: „Wir gehen davon aus, dass das Interesse an einer Kombination aus Tiefenlockerung und gleichzeitiger Einarbeitung der organischen Masse weiter steigt. Hier bietet der Sumo mit dem Trio die perfekte Maschine.“
Lars-W. Funk (LWF AgroTec) erläutert: „Wichtig sind Maschinen, die den Boden lockern, aber die Bodenstruktur nicht zerstören. Agrisem ist Vorreiter im Bereich bodenschonende Bearbeitung, dieser Trend wird sich weiter durchsetzen. Des Weiteren ist ein immer stärkerer Trend zu Kombinationsgeräten festzustellen. Der Landwirt möchte in einem Arbeitsgang tief lockern und gleichzeitig die Oberfläche bearbeiten, um so ein fertiges Saatbett zu erzeugen. Insgesamt ist auch ein  Trend zu größeren Arbeitsbreiten infolge wachsender Betriebe zu verzeichnen.“
Thomas Bidell (Bidell) erklärt: „Sicherlich wird die Standfestigkeit der Verschleißteile in den nächsten Jahren ein Haupt-Entwicklungs-Gebiet sein. Es geht darum, besonders leichtzügige Produkte mit höchster Stabilität und Nutzen zu bauen.“
Alexandra Gößlbauer (Vogel & Noot) meint zum Thema Techniktrends: „Auch hier spielt die allgemeine Veränderung in der Landwirtschaft – die Entwicklung zu noch größeren Geräten – ein. Bei den Tiefenlockerern geht der Trend zu immer größeren Arbeitsbreiten hin. Die Vogel & Noot-Entwicklung legt zusätzlich spezielles Augenmerk auf eine intensive Lockerung in Verbindung mit minimalstem Zugkraftbedarf.“(mm)
 
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