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AT-Fachbeiträge

"Variabler Reifendruck" aus der AGRARTECHNIK 01/2014

von , am
28.01.2015

Bodendruck reduzieren | Ein moderner Schlepper setzt bei Zugleistungen auf dem Acker die Dieselenergie mit einem Wirkungsgrad von null bis 25 Prozent um. Was bringt ein variabler Reifendruck am Schlepper: mehr Bodenschutz, mehr Fahrkomfort oder mehr Zugleistung bei weniger Dieselverbrauch?

Entscheidend für die effektive Energiewandlung aus dem teuren Diesel hin zur Zugleistung sind:
- Zeitpunkt der Bearbeitung
- passende Traktor, Gerätekombination
- richtiger Zugpunkt am Traktor, richtige Geräteeinstellung
- für die Arbeit angepasste Ballastierung
- Reifenwahl und der richtige Reifendruck zwischen 0,6 und 2,4 bar.
{BILD:627934:jpg}Das Tanken bei einem 200 PS Traktor kann je nach Länge eines Arbeitstages mit schwerer Bodenbearbeitung 300 Euro kosten. Bei zehn Prozent Verbrauchsunterschied durch variablen Reifendruck und einen fachkundigen Fahrer sind 30 Euro je Tankfüllung gespart. Beim Befahren und bei der Bearbeitung ist das richtige Zeitfenster entscheidend für Dieselaufwand und Bodenschutz. Zu trockener Boden braucht beim Lockern mehr Diesel, zu feuchter Boden erleidet Spuren, Verdichtungen und Ertragsverluste. Das Fachwissen des Landwirts bestimmt das richtige Zeitfenster für die Maßnahme. Um das tiefe Einsinken im Boden zu vermindern, können Sie mit größeren, breiteren oder mehrfachen Reifen die Bodenkontaktfläche vergrößern. Die Bodenkontaktfläche können Sie auch vergrößern, genauer gesagt verlängern, durch den vom Reifenhersteller in der Betriebsanleitung empfohlenen Ackerluftdruck im Reifen. Der Radialreifen verlängert sich durch die flexiblen Reifenflanken, das Laufband passt sich dem Boden besser an, die Last wir auf mehr Bodenkontaktfläche verteilt und die Spur wird flacher. Wenn sich bei Zug-arbeiten die Stollen mit dem Boden verzahnen, aber keine tiefere Spur gebildet wird, haben Sie gute Zugleistung mit weniger Schlupf. Tiefere Spuren entstehen durch hohe Masse auf kleiner Bodenkontaktfläche und durch Schlupf mit Fräswirkung der durchdrehenden Stollen im Boden. Die Spurbildung und der Schlupf über 15 Prozent sind bestimmend für eine schlechte Energiewandlung des Traktors bei Zugleistungen. Wie viel Kraft brauchen Sie, wenn Sie zum Beurteilungsgang über die Felder gehen? Bei nachgiebigem Boden sinken Sie ein und brauchen mehr Kraft, bei trockenem Boden gehen Sie leichter. Fester, trockener Boden trägt Mensch und Maschine besser. Lockerer oder feuchter Boden verformt sich und es bleiben Spuren. Anders ausgedrückt: je tiefer Sie bei jedem Schritt einsinken, umso mehr Kraft brauchen Sie, aber auch ihre Maschine. Je fester der Boden liegt, umso leichter rollen der Traktor und die Maschinen und umso flacher wird die Spur. Bei rund 40 Prozent luft- und wassergefüllten Poren im fruchtbaren Boden, notwendig für die hohe Ertragskraft, tragen die circa 60 Prozent Festsubstanz die Last. Bei der Bodenbearbeitung bewegt sich der Traktor mit mehr oder weniger Einsinktiefe im Feld. Die Spurtiefe bedeutet Bodenverdrängung nach unten und durch Schlupf nach hinten. Gleichzeitig fährt der Traktor bei der Spurbildung mit den Reifen fortwährend gegen einen Erdwall. Dieses kraftzehrende und permanente Bergauffahren im Ackerboden wird Bulldozingeffekt genannt.
 

Kraft besser auf den Boden bringen

Gezogene Geräte mit eigenem Fahrwerk sind erste Wahl, denn sie vermeiden die extremen Achslastunterschiede der dreipunktgetragenen Anbaugeräte. Bei der tiefen, gezogenen Bodenbearbeitung zum Beispiel mit dem Grubber sollten Sie mit einem schweren Frontgewicht und einem Traktionsverstärker von Horsch, Lemken oder Köckerling arbeiten. Ein hydraulischer Oberlenker holt bis zwei Tonnen Gerätegewicht auf die Hinterachse und kann die Felgengewichte ersetzen. Mühsam, zeitraubend und gefährlich, sagen Praktiker zur Felgengewichtsdemontage. Felgengewichte kosten durch ihre mitgeschleppte Masse immer mehr Dieselverbrauch, sie kosten Diesel beim Gas geben, erhöhen den Bremsenverschleiß und belasten den Boden. Das schnell zu koppelnde Frontgewicht und der hydraulische Oberlenker als Traktionsverstärker ist die vorzügliche Wahl und hilft die Motorkraft besser in Zugleistung zu verwandeln. Umgekehrt kann beim Gülle düngen ein drückender hydraulischer Toppzylinder mit tiefer Kugelkopfanhängung das schwere Frontgewicht komplett ersetzen und Lenk- und Bremssicherheit erhöhen. Bei jeder Güllefahrt eine Tonne mehr Gülle zu transportieren erhöht die Ausbringleistung. Bei schwerem Zug auf dem Acker mit dem Bodenbearbeitungsgerät sollte der Traktor waagerecht auf dem Boden ziehen. Die Achslasten haben sich dynamisch verschoben, je mehr Zugkraft das Gerät braucht, umso schwerer sollte das Frontgewicht sein. Durch den hydraulischen Traktionsverstärker holen Sie sich schlupfmindernde Last auf die Hinterachse. Die auf der Waage ermittelten statischen Achslasten sollten den Reifen / Bodenkontaktflächen entsprechen. Beim 200 PS Traktor in der Bodenbearbeitung bringt die Hinterachse etwa 60 Prozent der Zugleistung und die Allradachse 40 Prozent. Den Frontballast wählen Sie passend für den bodenparallelen Zug. Sie beobachten aus 30 Meter seitlicher Entfernung die arbeitende Maschine und wählen mehr Frontgewicht, falls der Traktor die Nase hoch hält. Das Wiegen der Achslasten jeweils mit angehobenem Gerät und abgelassenem, dreipunktgetragenem Gerät hilft Ihnen bei der richtigen Luftdruckeinstellung für die Reifen. Ihre sachkundige Beurteilung für die sinnvolle Ballastierung und den niedrigen Ackerdruck ist nötig, denn hoher Schlupf über 15 Prozent und tiefe Spuren schädigen den Boden und die Grasnarbe und kosten deutlich mehr Diesel. Niedriger Ackerdruck im Radialreifen mindert den spurfräsenden und kostspieligen Schlupf. Ein Zentimeter Spurtiefe im Acker kostet im Dieselverbrauch zehn Prozent mehr Kraftstoff. Bei zehn Zentimeter tiefen Spuren verdoppelt sich der Dieselverbrauch des Traktors. 
 

Straßenschuhe und Arbeitsschuhe

{BILD:627937:jpg}{BILD:627938:jpg}Mit variablem Reifendruck wird bessere Zugleistung durch weniger Schlupf erreicht. Hoher Schlupf durch Straßendruck im Acker oder auf der Wiese ist Verlust und kostet Diesel, Arbeitszeit und schädigt den Boden. Variabler Reifendruck, eingestellt in der Kabine, ist der Schlüssel zu besserer Arbeit, mehr Bodenschutz, mehr Fahrkomfort im Acker und weniger Rollwiderstand auf der Straße. Vier Firmen bieten in Deutschland landwirtschaftliche Reifendruckregelanlagen zur Nachrüstung an: Der Pionieranbieter ist die Firma PTG, mit Martin Tigges aus Neuss, der ein „Zwei-Leitersystem“ favorisiert.
Bei der Zwei-Leiteranlage werden zwei Schläuche zum Rad geführt; eine Versorgungsleitung und eine Steuerleitung für das Radventil. Nur beim Umstellen des Reifendruckes werden die Leitungen und die rotierenden Dichtungen in den Drehdurchführungen unter Druck gesetzt. Ein pneumatisch geöffnetes und mit Federdruck verschlossenes Radventil unterbricht in der Versorgungsleitung den Druck. Die dünne Steuerleitung und die größere Versorgungsleitung addieren sich zur Zwei-Leiteranlage. Die Zwei-Leiteranlage gilt als besonders sicher, denn bei einem Leck, mangelndem Vorratsdruck, oder einem Ausfall einer Komponente wird die Reifendruckregelanlage automatisch abgeschaltet. Das Sicherheitskonzept entspricht einer Federspeicherbremse, die häufig als Feststellbremse im Nutzfahrzeug eingebaut wird. Eine Zwei-Leiteranlage bietet auch die Firma „R + M Landtechniksysteme“ an. Daniel Risse und Michael Müller, die Firmengründer, aus Ense in Westfalen haben eine schlaue und schnelle Reifendruckregelanlage im Angebot. Als Besonderheit gilt die einfache Bedienung per Tablet-PC und das schnelle Einstellen des Ackerdrucks, sowie die kurze Aufpumpzeit zum Straßendruck. Daneben bietet die Firma StG, Georg Strotmann, aus Hilter in Niedersachsen, eine Ein-Leiter-Reifendruckregelanlage an. Bei der Ein-Leiteranlage steht in den Zuleitungen ständig der Reifendruck von 0,4 bis 2,5 bar an. Eingestellt wird bei StG der Reifendruck achsweise mittels elektrisch geöffneten oder verschlossenen Kugelhähnen am Traktor. Ein weiterer Anbieter ist die Firma Sven Krude aus Neuenhaus im Emsland. Alle Reifendruckregelanlagen haben einige wichtige Baugruppen gemeinsam: Druck-erzeuger, Ventiltechnik, Leitungen, Drehdurchführungen, Radventile und das Terminal in der Kabine. Im landwirtschaftlichen Einsatz kann häufig der vorhandene Bremsenkompressor als Druckerzeuger genutzt werden, sofern die Druckwechselzeit vom Ackerdruck mit 0,8 bar auf Straßendruck mit zum Beispiel 1,6 bar mit zehn Minuten Aufpumpzeit in der Fahrt akzeptiert wird. Bei Lohnunternehmern wird am Traktor häufig ein Zusatzverdichter für die Druckluftlieferung angebaut. Bewährt haben sich hydraulisch angetriebene Schraubenverdichter mit hohem Volumenstrom von 1 500 Liter je Minute. Damit wird das Aufpumpen auf drei Minuten verkürzt zum Beispiel vom Ackerdruck mit 0,8 bar auf 1,6 bar Straßendruck am 200 PS Traktor.
Bei der Gülledüngung kann am Fass ein hydraulisch angetriebener Kompressor mit hohem Luftvolumenstrom montiert werden, mit dem Traktor- und Fassreifen zügig gefüllt werden. Straßendruck auf der Straße bringt weniger Rollwiderstand, deutlich weniger Dieselverbrauch und mehr Verkehrssicherheit, sowie längere Reifenbetriebsdauer.
Als ausgezeichnete DLG Neuheit gibt es „VarioGrip“ von Fendt, die erste in das Traktorkonzept integrierte Reifendruckregelanlage ab Werk.
 

Mit Schnellkupplern Erfahrungen sammeln

Bulldozingeffekt: der Reifen fährt im Boden immer bergauf und damit wird mehr Diesel verbrannt.
Als Einstieg in den variablen Reifendruck können sie Schnellkuppler in der Felge montieren. Die vier Schnellkuppler, das Manometer und der Füllschlauch im Kunststoffkoffer kosten als Traktionsbox rund 180 Euro. Sie erhalten den Airbooster oder die Traktionsbox bei den Herstellern von Reifendruckregelanlagen PTG oder StG. Mit eigenen Erfahrungen zum variablen Reifendruck fällt Ihnen die Entscheidung für eine in der Kabine bedienbare Reifendruckregelanlage beim Traktor leichter. Der Kauf einer Reifendruckregelanlage für 3 500 bis 8 000 Euro am neuen Traktor ist häufig lohnend. Zehn Prozent weniger Dieselverbrauch, mehr Fahrkomfort als Rückenschonung, mehr Bodenschonung und mehr Zugleistung bei längerer Reifenlebensdauer sind die Vorteile des variablen Reifendrucks. Universaltraktoren und Großtraktoren und damit die Radialreifen werden bei der Bodenbearbeitung und der Aussaat mit hohen Gerätegewichten belastet, zumindest bei getragenen Geräten. Die hohen Motordrehmomente sind im Acker effektiv in Zugleistung zu verwandeln. Über die schnelle Straßenfahrt wird die Fläche angefahren. Hohe und flexible Reifenflanken und in der Kabine einstellbarer Reifendruck sind zu empfehlen und umso wirtschaftlicher, je mehr Traktorstunden gearbeitet werden. Der Boden wird geschützt, Bodenpflege und bessere Ertragsfähigkeit werden damit einfacher und selbstverständlicher. Nach Kosten / Nutzenkalkulationen des KTBL bezahlt sich die Reifendruckregelanlage bei gut genutzten Traktoren häufig innerhalb von zwei Jahren. Weitere Einzelheiten finden Sie bei www.reifenregler.de.
 
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