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AT-Fachbeiträge

"Die Zahlen im Griff" aus der AGRARTECHNIK 04/2014

von , am
30.04.2014

Finanzdienstleister im Landmaschinengeschäft | Finanzierungen haben ihren festen Platz im Landtechnikgeschäft. Viele Händler gebrauchen die verschiedenen Finanzierungswerkzeuge im täglichen Geschäft, denn es bietet Chancen, sich als Dienstleister für den Kunden zu profilieren. Wichtig für die Fachbetriebe ist es aber auch, die eigene Liquidität im Auge zu behalten. Angebote der Her­stellerbanken bieten interessante Möglichkeiten.

Liquidität wird in der Landwirtschaft und im Landtechnikhandel mehr und mehr zum entscheidenden Erfolgsfaktor in der Unternehmensführung. Der anhaltende Strukturwandel in der deutschen Landwirtschaft führt zu einer zunehmenden Professionalisierung in der Agrarbranche. Volatile Märkte und sich häufig wandelnde gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen erfordern flexible Anpassungen in den landwirtschaftlichen Betrieben und im Landtechnik-Fachhandel. Eine weitsichtige strategische Planung ist daher unverzichtbar.Die Zeiten der Barzahlung beim Maschinenkauf sind lange vorbei. Verschärfend kommen die neuen Standards zur Kreditvergabe, genannt Basel II und Basel III, hinzu. Basel III steigert das verpflichtend vorgeschriebene Niveau und die Qualität des durch die Banken vorzuhaltenden Eigenkapitals erheblich. Kreditinstitute müssen künftig rund ein Drittel mehr und qualitativ besseres – und damit teureres – Eigenkapital bereit halten. Hinzu kommen erstmals international verbindliche Liquiditätsregeln: Banken müssen mehr liquide Vermögenswerte vorhalten, zugleich werden damit die Möglichkeiten zur Fristentransformation (das heißt die Umwandlung kurzfristiger Einlagen in langfristige Kredite) eingeschränkt. Schließlich soll – sofern sie sich in der vorausgehenden Beobachtungsphase bewährt – eine neue Verschuldungsobergrenze eingeführt werden. Diese sogenannte Leverage Ratio ist abhängig vom Eigenkapital der Bank, aber unabhängig von der Risikoeinstufung der einzelnen Kredite.
Die Baseler Beschlüsse sehen eine stufenweise Einführung der verschiedenen neuen Vorgaben zwischen Anfang 2013 und Ende 2018 vor. Auf nationaler Ebene – zum 1. Januar 2011 in Deutschland, aber auch in anderen Ländern – wurde eine Bankenabgabe eingeführt. Außerdem wird derzeit von elf EU-Staaten eine Finanztransaktionssteuer vorbereitet. Die Auswirkung des neuen Regelwerks auf die Mittelstandsfinanzierung wird sich von Land zu Land unterscheiden. In Deutschland spielen sowohl Banken als auch Versicherungen eine, im Vergleich etwa zu den USA oder Großbritannien, besonders wichtige Rolle für die Finanzierung von Unternehmen. Nach wie vor ist in Deutschland der Bankkredit zentraler Finanzierungsbaustein für Unternehmen aller Größenklassen und Branchen. Eventuelle – durch die Regulierung ausgelöste – Änderungen in der Geschäftspolitik der Banken dürften sich daher unmittelbarer auf die Unternehmensfinanzierung auswirken.
 

Unternehmensfinanzierung

Für die meisten Banken ist und bleibt die Unternehmensfinanzierung zentrales Geschäftsfeld. Wie in jedem anderen Geschäftsfeld auch konkurrieren die Banken um die Kunden. Dadurch verbessern sich die Leistung und das Angebot der Banken für ihre Geschäftspartner. Dieser Wettbewerb sowie das Interesse aller Kreditinstitute an der Finanzierung von Unternehmen bestehen selbstverständlich auch unter Basel III fort. Die Bedeutung insbesondere der privaten Banken für die Unternehmensfinanzierung in Deutschland ist enorm hoch und wird sich auf lange Sicht nicht verringern. Die neuen Regeln aus Basel III ersetzen auch nicht die Basel-II-Regeln, sondern ergänzen sie. Der gesamte Prozess, der mit Basel II in der Kreditvergabe aufgebaut wurde, insbesondere die Einführung von sogenannten Ratings, besteht auch in Zukunft fort.
Angesichts der eingeschränkten Risiko­übernahmemöglichkeiten der Kreditwirtschaft durch Basel III dürften künftig jedoch gerade Betriebe mit mittlerem Rating (somit die meisten KMU) mit höheren Finanzierungskosten oder Anforderungen an Sicherheiten zu rechnen haben. Auch Finanzierungen, die per se risikoreicher sind – wie Existenzgründungen, Unternehmensnachfolgen und Innovationen – werden voraussichtlich schwerer. Auch in Zukunft wird es langfristige Firmenkredite geben. Aufgrund der neuen Regulierung könnte das Angebot aber rückläufig oder teurer sein. Sofern für mittel- oder langfristige Investitionen dann kurzfristige Darlehen zum Einsatz kommen, würden Unternehmen das Zins­änderungs- sowie ein Prolongationsrisiko übernehmen müssen, was noch höhere Anforderungen an die Unternehmensplanung und Finanzkommunikation stellt. Auf längere Sicht ist es aber in jedem Fall sinnvoll, die eigene Finanzierung kritisch unter die Lupe zu nehmen und auf Optimierungsmöglichkeiten zu überprüfen. Diese Aufgabe stellt sich schon seit Basel II. Sie wird künftig aber noch dringlicher. Der Bewusstseinswandel wird erkennbar, denn Landwirte und Handel nutzen nicht nur die Angebote ihrer Hausbank sondern greifen auch immer häufiger auf die der Herstellerbanken zurück. Dabei sind es nicht nur Traktoren oder Mähdrescher, die auf Hersteller-Kredit laufen, Großtechnik für die Futterernte, Bodenbearbeitung und Saat, Düngung sowie Erntemaschinen aller Art werden häufig finanziert. Die Global Player wie CNH, Claas oder AGCO haben dazu mit etablierten Partnern Joint Ventures gegründet. John ­Deere betreibt eine eigene Bank ebenso wie Mercedes-Benz. Alle anderen greifen auf die im Markt agierenden Leasingunternehmen wie BNP Paribas, Gefa, De Lage Landen, akf bank und weitere zurück. Wir haben die verschiedenen Angebote in einer Tabelle auf den Seiten 12 und 13 zusammengestellt.
 
 

Maßgeschneiderte Angebote

Aus Sicht der Landwirte liegen die Vorteile der durch Maschinenhersteller angebotenen Finanzierungen auf der Hand – erstens werden sie fast immer vom Hersteller „subventioniert“ und bieten zum Teil sehr günstige Zinskonditionen und zweitens haben sich die mit den Herstellern kooperierenden Banken schon seit langen Jahren auf Landtechnik spezialisiert. Durch diese Detailkenntnisse der Technik und des Marktes sind sie daher eher in der Lage, die Wirtschaftlichkeit und das „Risiko“ einer Investition, zum Beispiel in einen Traktor oder Mähdrescher, zu beurteilen. Nicht zuletzt deswegen reicht ihnen die eigentliche Maschine in der Regel als Sicherheit. Die  Hausbanken lehnen spätestens hier dankend ab.


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Vorteil für den Handel

Der dritte Vorteil der Hersteller-Banken liegt in ihrer Angebotsvielfalt, nicht nur für den Endkunden, sondern auch für den Handel. Als Beispiel sei hier CNH Capital genannt. Seit vielen Jahren ist die  BNP Paribas Lease Group im Rahmen des Joint Ventures CNH Industrial Capital Europe der strategische Partner von CNH Industrial Capital in Deutschland und Europa. CNH Capital bietet seinen Kunden und Vertriebspartnern eine ganze Reihe von Finanzierungslösungen an: „Unser Ziel ist es, den Kunden jeweils die wirtschaftlichste Finanzierungslösung für die jeweilige Investition anzubieten und Investitionsrisiken zu minimieren. Insbesondere in der Landwirtschaft sind die Rahmenbedingungen häufig nur schwer vorhersehbar. Eine witterungsbedingt schlechte Ernte kann jede Liquiditätsplanung gefährden und ein unvorhersehbarer Großschaden am Mähdrescher oder Großtraktor macht den Verdienst eines oder mehrerer Jahre zunichte. Deswegen bieten wir mit dem Capital-Schutzbrief-Konzept zusätzliche Absicherungsmöglichkeiten aus einer Hand an“, erläutert Bernd Braig, Niederlassungsleiter Retail Sales Manager. Dazu zählen: 

W M Maschinenschutzbrief: Die Maschinenbruchversicherung mit Absicherung gegen Schäden von innen und außen.
W R Reparaturschutzbrief: Die Reparaturkostenversicherung für Schäden aufgrund innerer Ursachen (kein Verschleiß).
W I Investitionsschutz: Mit dem neuesten Produkt sichern sich die Kunden im Falle eines Totalschadens oder Totalverlustes die Möglichkeit, sich eine gleichwertige Neumaschine wiederbeschaffen zu können – eine tolle Leistung wenn man bedenkt, dass bei den meisten Versicherungsfällen lediglich der Wiederbeschaffungswert vergütet wird und die Differenz zur Neumaschine dann aus eigener Tasche zusätzlich aufgebracht werden muss.
Full Service: Kunden wünschen zunehmend das Rundum-Sorglos-Paket und schließen Full Service-Verträge ab. CNH Industrial Capital kombiniert dies mit allen Finanzierungslösungen und spart somit Zeit und Aufwand für den Kunden.
 

Zusatzdienstleistungen

Nicht nur die Hersteller sind sogenannte „Long Liner“, auch die Herstellerbanken bieten Finanzierungslösungen und Dienstleistungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Vom Hersteller über den Handel zum Endkunden und wieder zurück zum Handel und als Gebrauchte wieder zum Endkunden. Das heißt, von der Neumaschinenfinanzierung über Zahlungsziele für den Handel, Demo- und Vorführkonzepte, Mietparkfinanzierungskonzepte, Endkundenfinanzierung für Neu- und Gebrauchtmaschinen, Finanzierung für Infrastruktur  in Precision Farming und Versicherungsdienstleitungen, alles aus einer Hand:Die Herstellerbanken legen viel Wert und Augenmerk auf individuelle Finanzierungslösungen, um alle Bedürfnisse der Kunden abzudecken. (rk)

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