Login
Aktuelles

Mann+Hummel mit gemischter Bilanz 2015

Thumbnail
Julia Seitz, Agrartechnik
am
01.07.2016

Mann+Hummel hat seinen Umsatz im Geschäftsjahr 2015 um rund neun Prozent auf 3,04 Milliarden Euro (2014: 2,8 Milliarden Euro) erhöht. Währungseffekte haben positiv zu diesem Umsatzplus beigetragen.

Das Ergebnis (EBIT) liegt mit 135 Millionen Euro unter dem Vorjahreswert (2014: 150 Millionen Euro). Das begründet der Filtrationsspezialist mit zwei Sondereffekten: die Restrukturierung seiner deutschen Werke und die Akquisition des Filtrationsgeschäfts der Affinia Group hätten das Ergebnis deutlich belastet. Mann+Hummel hat seine Rechnungslegung 2015 auf den internationalen IFRS Standard umgestellt und seine Bilanz deshalb erst jetzt vorgelegt. Das kräftige Umsatzwachstum von 9,4 Prozent sei eine Folge positiver Währungseffekte. Währungsbereinigt stehen 3,9 Prozent zu Buche. Von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Jahres 2015 habe man sich mehr erhofft. Die Weltwirtschaft sei nach Einschätzung der EU-Kommission 2015 so wenig gewachsen wie seit dem Krisenjahr 2009 nicht mehr. „Erstmals in der Unternehmensgeschichte haben wir im Geschäftsjahr 2015 einen Umsatz von über drei Milliarden Euro erzielt“, erläutert der Vorsitzende der Geschäftsführung,  Alfred Weber. „Für das starke Engagement  unserer 16.600 Mitarbeiter bedanke ich mich herzlich.“ Weniger zufrieden zeigte sich der Unternehmenschef jedoch mit dem Ergebnisniveau: „Dieses Niveau ist nicht befriedigend“, so Weber. Die Akquisition des Filtrationsgeschäfts der Affinia Group und die Restrukturierung der Produktionswerke in Deutschland haben das Ergebnis belastet. Weber sieht darin entscheidende Weichenstellungen für mehr Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum.

Die Affinia Group hat mit ihren Marken WIX Filters und FILTRON in bestimmten Regionen und Marktsegmenten eine gute Position, in denen Mann+Hummel bislang noch nicht so stark aufgestellt war. Das sind beispielsweise der Schwerlastbereich in den USA und die Hydraulikfiltration. Die Übernahme verbessert die weltweite Präsenz, sowohl in Nordamerika als auch in Zentral- und Osteuropa. Das erweiterte Angebot helfe ferner, Kundenbedürfnisse noch besser zu bedienen. Die Akquisition biete einen großen Mehrwert für Kunden und sei ein „echter Wachstumsbeschleuniger“ für Mann+Hummel. „Das passt perfekt zu unserer Konzernstrategie“, freut sich Weber über die gelungene Transaktion. Mit der Übernahme im Mai 2016 entwickele sich Mann+Hummel quasi zu einem neuen Unternehmen. Der Umsatz steige um fast ein Drittel auf etwa vier Milliarden Euro. Zukünftig werden über 20.000 Mitarbeiter an über 70 Standorten mit zusammen über 150 Jahren Erfahrung in Filtration die Erfolgsgeschichte der Ludwigsburger fortschreiben.

In den letzten Jahren hat Mann+Hummel seine Stärken in den einzelnen Geschäftsbereichen weiter gebündelt und auch die Produktionswerke in Deutschland konsequent auf ihre Kernkompetenzen ausgerichtet, um seine Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Dass auf diesem Wege in der Produktion in Deutschland in den nächsten zwei Jahren Arbeitsplätze verloren gehen, bedauert Weber: „Es ist leider nicht gelungen, ohne betriebsbedingte Kündigungen auszukommen. Jede Kündigung ist eine zu viel und tut weh.“ Im Werk Ludwigsburg wurden in den vergangenen zwei Wochen etwa 120 betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen. Weber dankte ausdrücklich den Betriebsräten und den mitwirkenden Gewerkschaftsvertretern für die konstruktive Zusammenarbeit. Alle Parteien hätten sich ihrer Verantwortung gestellt und es sich nicht leicht gemacht. Nach fast dreijährigen Beratungen habe man „eine vernünftige Einigung erzielt, um die deutschen Produktionsstandorte nachhaltig wirtschaftlich zu machen“. Im Jahr seines 75-jährigen Bestehens eröffnete  Mann+Hummel sein neues Technologiezentrum am Stammsitz des Unternehmens in Ludwigsburg. Neben 430 modernen Arbeitsplätzen und einem Firmenmuseum bietet das angeschlossene Prüfzentrum Raum für rund 100 Prüfstände. Dort werden Filtersysteme härtesten Tests unterzogen, um ihre Zuverlässigkeit und Langlebigkeit bei der Anwendung beim Kunden zu gewährleisten. Das Technologiezentrum sei innerhalb des vorgesehenen Kosten- und Zeitplans entstanden. Mehr als 30 Millionen Euro hat  Mann+Hummel dafür investiert.

Trotz einer „gemischten Bilanz 2015“ hat Mann+Hummel  seine Position als ein führender Filtrationsexperte in der internationalen Automobil- und Maschinenbauindustrie weiter ausgebaut. Gefragt nach dem Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr 2016 bleibt Finanzchefin Emese Weissenbacher zurückhaltend: „Die Bäume werden bei uns 2016 nicht in den Himmel wachsen, aber auf längere Sicht wird die Affinia Akquisition unser Umsatz- und Ergebniswachstum deutlich antreiben. Das Potenzial ist groß, es kommt jetzt darauf an, was wir daraus machen!“  Für das Geschäftsjahr 2016 erwartet sie ohne Berücksichtigung der Affinia Akquisition, einen Umsatz auf Vorjahresniveau. Das operative Ergebnis wird sich aus heutiger Sicht gegenüber 2015 nur leicht verbessern.  

Auch interessant