Login

Akku made in Germany

Nathalie Zapf
Nathalie Zapf, Agrartechnik
am
15.03.2019

Das Wachstum im Bereich akkubetriebene Motorgeräte nimmt kein Ende. Nun will Stihl mit einer eigenen Akku-Fertigung am Stammsitz die Position in diesem Markt weiter festigen.

Stihl

Deutschland ist ein Akku-Land. Im internationalen Vergleich ist insbesondere die Durchdringung von Akku-Gartenmaschinen hierzulande besonders hoch. Dies betrifft sowohl professionelle als auch private Anwendungsbereiche. Bei professionellen Anwendern, bei denen Leistung, Reichweite und Langlebigkeit im Vordergrund stehen, werden vor allem Geräte mit Verbrennungsmotoren abgelöst. Dass die Leistungsfähigkeit der Akku-Geräte stetig steigt, trägt dazu bei, dass anfängliche Vorurteile Schritt für Schritt abgebaut werden konnten. Zudem ist – durch regulatorische Rahmenbedingungen in den Kommunen, die vor allem die Lärmemissionen betreffen, aber auch zunehmendes Bewusstsein bezüglich Schadstoffemissionen – die Verbreitung von Akku-Geräten zusätzlich beflügelt worden. In diesem Umfeld hat die Stihl Unternehmensgruppe am deutschen Stammsitz in Waiblingen innerhalb von eineinhalb Jahren eine eigene Akku-Fertigung aufgebaut und vor kurzem in Betrieb genommen. Im September 2018 lief die erste Versuchsserie an. Die Fertigung der Akkus für das Profisegment beginnt im Sommer 2019.

Synergien für das Profisegment

Dr. Daniel Jendritza (Leiter des Stihl-Entwicklungsbereichs Elektrik/Elektronik) erklärt den Grund für die eigene Fertigung: „Seit 2009 ist Stihl mit Akku-Produkten im Markt vertreten. Seitdem wurde das Angebot von einer Heckenschere auf drei Produktlinien mit unterschiedlichsten Akku-Geräten ausgeweitet. 2016 erfolgte die Einweihung des Kompetenzzentrums für Akku- und Elektrotechnologie am Stammsitz in Waiblingen. Hier arbeiten heute über 300 Mitarbeiter, die unter anderem die Entwicklung der Stihl-Akkus vorantreiben. Der Aufbau einer eigenen Akku-Fertigung in Waiblingen, in der wir rückentragbare Akkus für das Profisegment produzieren, ist nun der nächste konsequente Schritt. Hier sehen wir die größten Synergiepotenziale. Ziel ist es, die Vorteile der Wertschöpfungstiefe – wie beispielsweise die hohe Produktqualität – auch bei unseren Akku-Produkten zu nutzen.“

Weiterentwickelte Akku-Modelle

Stihl Akkupack AR 1000

Mit den am Stammsitz gefertigten Akkus sollen vor allem europäische Händler versorgt werden. Dr. Daniel Jendritza: „Die neuen Baureihen, die wir in Waiblingen fertigen, werden die bisherigen rückentragbaren Akkupacks AR 1000/2000/3000 ablösen.“ Die neuen Akkupacks werden vollständig in dem Kompetenzzentrum für Akku- und Elektrotechnologie entwickelt. Sie bringen, nach Angaben von Stihl, eine Vielzahl an Verbesserungen, wie zum Beispiel die Anbindung des Akkupacks direkt an ein Produkt, etwa den im Herbst erstmals präsentierten Profi-Rasenmäher RMA 765 V, ohne Tragesystem. Zudem würde die neueste Generation an Akkuzellen verbaut, um den Energieinhalt und damit die Laufzeit weiter zu steigern. Hervorzuheben ist auch die Integration eines Bluetooth-Moduls. So können die Akkupacks mit Stihl connected pro vernetzt werden, was die Möglichkeit bietet, den Akkupack in das digitale Flottenmanagement zu integrieren.

Keine Akku-Sättigung in Sicht

Bei Stihl rechnet man damit, dass sich die Fähigkeiten und Leistungen der Akkus mittel- und langfristig weiter ausbauen lassen. So hieß es seitens des Unternehmens: „Potenziale dafür finden sich in mehreren technischen Bereichen. Diese effizient auszubauen ist ein Kernziel unseres Kompetenzzentrums. Der Trend, dass akkubetriebene Geräte in immer mehr Anwendungen drängen, in denen sie bislang aus Leistungsgründen nicht zum Einsatz kamen, wird also auch in Zukunft weiter Bestand haben.“ Auf die Frage, ob Stihl langfristig auch die übrigen, weniger leistungsstarken Akkus in Waiblingen selbst fertigen wird, antwortet Dr. Daniel Jendritza: „Wir haben aktuell ein globales Lieferantennetzwerk, das die Produktion unserer Akkupacks an verschiedenen Standorten in Asien und Europa ermöglicht. Unter anderem sind wir beispielsweise an der Firma BMZ Holding GmbH mit 20 Prozent beteiligt. Dieses Lieferantennetzwerk stellt auch künftig ein wichtiges Standbein für die Produktion von Akkupacks dar. Aufgrund unserer Fertigungskompetenzen wird mittelfristig der Fokus der Stihl Akku-Fertigung in Waiblingen auf den Profi-Produkten in Kombination mit den neuesten Technologien liegen.“

Markus Messerer

In der AGRARTECHNIK bieten wir unter der Rubrik "Motorgeräte" monatlich Interviews, Trendberichte und Tests speziell zu diesem Bereich. Hier geht es zum kostenfreien Probeheft.

Auch interessant