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BISO Schrattenecker meldet Insolvenz an

von , am
07.07.2015

Der Landtechnikhersteller und Landmaschinenhändler BISO Schrattenecker ist zahlungsunfähig. Die Ursachen der Insolvenz lägen, so die österreichische Tageszeitung Kurier, in einem Streit mit Case New Holland.

BISO Schrattenecker hat Insolvenz angemeldet. © Werkbild
Wie die österreichische Tageszeitung Kurier berichtet, hat die Firma BISO Schrattenecker GmbH mit Sitz in Ort im Innkreis am Landesgericht Ried einen Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung gestellt. Das hätten Gerhard Weinhofer vom Creditreform und Petra Wögerbauer vom KSV1870 dem Kurier bestätigt.
 
Die BISO Schrattenecker-Gruppe hat insgesamt 340 Mitarbeiter. Von der Insolvenz betroffen seien auch 375 Gläubiger. Die 1878 gegründete Firma stellt unter anderem Schneidwerke für Mähdrescher her. Zugleich handelt der Betrieb mit neuen und gebrauchten Landmaschinen, vor allem Mähdreschern und Traktoren. Vor allem landwirtschaftliche Maschinen der Marke New Holland werden vertrieben. Das oberösterreichische Unternehmen ist die Mutter von vier Gesellschaften, wovon eine in Rumänien und drei in der Slowakei sitzen. Hauptabsatzgebiet für die Eigenprodukte sei Europa mit einer starken Ausrichtung auf die CEE-Staaten, heißt es im Antrag aus der Feder der Rieder Anwaltskanzlei Puttinger Vogl.
 
Streit mit Case New Holland
Die Ursachen der Insolvenz lägen, so der Kurier, in einem Streit mit dem Geschäftspartner und einem Lieferstopp der benötigten Maschinen. "Die nunmehr eingetretene Zahlungsunfähigkeit hängt unmittelbar mit der Geschäftsbeziehung zur Firmengruppe 'Case New Holland' zusammen", werde im Antrag behauptet. "Im Jahre 2011 wurden mit der Case New Holland-Gruppe, konkret vom Konzernmutter CNH Global NV, zwei Vereinbarungen geschlossen. Einerseits wurde eine Liefervereinbarung geschlossen, zum anderen ein gemeinsames Entwicklungskonzept vereinbart." Nachsatz: "In der Liefervereinbarung hat sich Case New Holland verpflichtet, die in Europa zu vertreibenden Maschinen zu liefern, wobei auch vereinbart wurde, dass die bereits in der Vergangenheit erzielten durchschnittlichen Umsätze für den Zeitraum 2008 bis 2011 um 50 Prozent gesteigert werden sollten."
Im gemeinsamen Entwicklungskonzept habe sich Case New Holland im Wesentlichen verpflichtet, heißt es weiter, sich an den Entwicklungskosten im Umfang von 70 Prozent zu beteiligen, "wofür ihr auch Anteile an dem entwickelten geistigen Eigentum einzuräumen sind".
 
"Bei der Zahlung von Entwicklungskosten kam es nach kurzer Zeit zu Meinungsverschiedenheiten beziehungsweise Zahlungsverzögerungen durch Case New Holland", wird im Antrag weiter behauptet. "Schließlich wurde die Kompensation der von Case New Holland zu zahlenden Entwicklungskosten mit den Zahlungen für die bezogenen Maschinen - auf Basis der Liefervereinbarung - akzeptiert." Diese Verrechnungen seien konzernübergreifend erfolgt, es wurden also Forderungen aus verschiedenen Gesellschaften der jeweiligen Konzerne miteinander verrechnet. Trotz Abschluss eines Vergleichs („Settlement Agreement“) im Dezember 2013 kam es zu neuerlichen Meinungsverschiedenheiten, auch über die Auslegung dieser Vereinbarung. "Case New Holland reagierte darauf mit einem Lieferstopp, zumal die Meinungsverschiedenheiten nur das Entwicklungskonzept betrafen", heißt es im Antrag. "Als Folge gingen die Umsätze trotz bestehender Auftragslage massiv zurück."
 
In den Jahren 2008 bis 2011 habe BISO Schrattenecker in Österreich mehr als zehn Millionen Euro Umsatz mit Maschinen der Marke „New Holland“ erwirtschaftet. 2013/2014 sollte ein Umsatz von mehr als 15 Millionen Euro erzielt werden. "Doch aufgrund des Lieferstopps wurden nur rund sieben Millionen Euro umgesetzt. BISO scheiterte laut eigenen Angaben "schlichtweg an der Verfügbarkeit der Produkte". "Dieser Lieferstopp wurde im Jahr 2015 wiederholt", heißt es auf Seite fünf des Sanierungsantrages. Der Umsatz 2014/15 brach dementsprechend ein.
 
Über 50 Millionen Euro Schulden
Die Schulden werden mit 55,6 Millionen Euro beziffert. Davon würden 37,90 Millionen Euro auf fünf Banken entfallen; mit 32,4 Millionen Euro stehe BISO bei der Hausbank in der Kreide. Der Hausbank seien unter anderem die Betriebsliegenschaften mit rund 8,11 Millionen Euro verpfändet worden. Bei den Lieferanten stehe BISO mit rund 4,93 Millionen Euro in der Kreide, bei verbundenen Unternehmen mit 5,95 Millionen Euro und knapp 6,80 Millionen Euro entfallen auf "sonstige Verbindlichkeiten. 
 
Das Vermögen des Betriebes habe einen Buchwert in Höhe von 49,67 Millionen Euro, der Verkehrswert betrage 19 Millionen Euro. Unterm Strich betrage das freie Vermögen 9,86 Millionen Euro. "Die Sanierung soll dadurch erzielt werden, dass der Vertrieb von Fremdprodukten eingestellt wird", heißt es im Sanierungsantrag. Die Beendigung des Vertragsverhältnisses mit Case New Holland stehe an erster Stelle der kurzfristigen Restrukturierungsmaßnahmen. BISO Schrattenecker wolle sich künftig auf die Eigenprodukte konzentrieren. Umsatzvolumen: rund zwöf Millionen Euro pro Jahr. In der Österreich-Zentrale in Ort soll eine stark reduzierte Produktion mit nur rund 20 Mitarbeitern verbleiben, die modernisierte Produktionsgesellschaft in der Slowakei soll für den künftigen Anstieg der Erzeugung gerüstet sein. Auch die Vertriebsgesellschaft in Rumänien soll erhalten bleiben. Aber von den sieben rumänischen Niederlassungen sollen nur drei oder vier weiter genutzt werden.
 
Die Finanzierung der Gläubigerquote (20 Prozent) soll aus dem laufenden Betrieb erfolgen. Der Erntemonat Juli spiele entsprechende Umsätze ein. "Allein mit den bereits bestehenden Aufträgen ist die Fortführungsrechnung positiv", heißt es im Antrag weiter. Und durch die slowakische Tochterfirma werde die Liquiditätslücke überbrückt. "Eine Zahlung eines Großkunden in Höhe von rund 1,8 Millionen Euro sollte in wenigen Tagen erfolgen", heißt es weiter.
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