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VDMA Landtechnik

Branchenwachstum auf globalen Schlüsselmärkten verstetigt sich

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Markus Messerer, Agrartechnik
am
20.11.2017

Landwirte und Lohnunternehmer befinden sich derzeit in Kauflaune. Für 2018 wird folglich mit einem Produktionsplus von vier Prozent gerechnet.

Dr. Bernd Scherer

Einträgliche Ernten und auskömmliche Erzeugerpreise, besonders für Milch und Futterpflanzen, haben – nach Aussage des VDMA – die Nachfrage nach innovativen Landmaschinen und Traktoren in zahlreichen Schlüsselmärkten befeuert.

Bereits das Halbjahresergebnis ließ die Branche aufatmen: Nach drei lähmenden Jahren der Rezession bekam die Landtechnikproduktion am Standort Deutschland mit einem Umsatzplus von sieben Prozent einen ordentlichen Schub. Für das Gesamtjahr 2017 rechnen die VDMA-Statistiker unter Berücksichtigung der üblichen saisonalen Schwankungen mit einem Zuwachs um sechs Prozent auf 7,6 Milliarden Euro.

"Dass wir kein kurzfristiges Hoch erleben, ist mittlerweile deutlich geworden. Denn auch für 2018 zeigen sämtliche Indikatoren klar nach oben, weshalb wir ein weiteres Produktionsplus um vier Prozent erwarten", erläuterte VDMA-Geschäftsführer Dr. Bernd Scherer. Das anhaltende Preiswachstum auf den globalen Milchmärkten, Wechselkursvorteile aufgrund des schwachen Euros und der fortwährende Professionalisierungstrend in der europäischen Landwirtschaft sind die bestimmenden Gründe der gegenwärtigen Hausse.

Produktionskapazitäten sind ausgelastet

Die Industrie bewertet ihre aktuelle Umsatzsituation mit Bestnoten. Das geht aus dem kürzlich veröffentlichten Geschäftsklimaindex des europäischen Dachverbandes CEMA hervor. Die Produktionskapazitäten sind ausgelastet. Auftragseingänge und Auftragsbestände erreichen neue Höchststände. "Die europäischen Landmaschinenfabriken haben volle Auftragsbücher", sagte Dr. Bernd Scherer.

Im Durchschnitt entsprach der Auftragsbestand während des gesamten Jahres einer Produktionsdauer von annähernd drei Monaten – ein Spitzenwert, der zuletzt im Ausnahmejahr 2013 notiert wurde. Entsprechend positiv haben sich auch die Investitionsplanungen der Landwirte entwickelt. Allein in Deutschland ist der Indexwert im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent gestiegen.

Osteuropa ist Taktgeber des Aufschwungs

Besonders starke Konjunkturimpulse liefern momentan vor allem die Agrar-Schwergewichte Russland und Ukraine, die seit Herbst 2016 für anhaltend hohe Bestellungen sorgen. Für 2017 geht der VDMA in beiden Märkten von Wachstumsraten zwischen zehn und 25 Prozent aus. "Zwar sehen wir aufgrund eines historisch hohen Erntevolumens sowohl in Russland als auch in der Ukraine aktuell merkliche Preiseffekte. Die wirtschaftliche Gesamtentwicklung gibt allerdings nach wie vor Anlass zu Optimismus, zumal moderne Landtechnik flächendeckend dringend gebraucht wird", sagte der VDMA-Geschäftsführer. Sorge bereitet der Branche der anhaltende Protektionismus in Russland, der in der jüngst verabschiedeten Agrarstrategie des Landes deutlich zum Ausdruck kommt. Darin beschränken sich Förderprogramme auf heimische Hersteller. "Vorhaben wie dieses tragen sicherlich nicht zur Vertrauensbildung bei", betonte Scherer. Die russische Landwirtschaft habe langfristig nur dann eine reelle Chance, auf den internationalen Agrarmärkten zu punkten, "wenn die russische Führung endlich eine deutliche wirtschaftspolitische Kurskorrektur vornimmt."

Nordamerika erholt sich allmählich

Mit einem ordentlichen Plus von drei Prozent wird auch der deutsche Markt zum positiven Jahresergebnis beitragen. Auf Frankreich, das mit einem jährlichen Importvolumen von rund eine Milliarde Euro das größte Abnehmerland deutscher Agrartechnik ist, richten sich dagegen positive Erwartungen für 2018, nachdem sich die Investitionssituation in den zurückliegenden Monaten zwar verbessert, aber immer noch nicht gewendet hat.

Auch in Nordamerika macht sich allmählich wieder Optimismus breit. Nach einer Durststrecke von drei Jahren prognostizieren Industrie und Handel für das kommende Jahr deutlich steigende Umsätze. Dass der Aufschwung in kurzer Zeit alle Produktgruppen erreichen wird, bezweifeln Marktkenner jedoch. "Während in Kanada auch die Geschäfte mit größeren Maschinen wieder besser laufen, gestaltet sich der Verkauf leistungsstarker Traktoren und Mähdrescher in den USA nach wie vor schwierig", sagte Dr. Bernd Scherer.

Eher verhalten entwickelt sich bisher der ostasiatische Raum. In China bewegen sich die Preise für die wichtigsten Ackerbaukulturen Weizen und Mais seit drei Jahren auf einem sehr niedrigen Niveau. Die Produktion von Soja ist im Vergleich mit den USA und Brasilien nicht wettbewerbsfähig. Aufgrund von Subventionen ist der aktuelle Maschinenbestand viel zu hoch. Für das kommende Jahr erwarten die meisten VDMA-Mitglieder allerdings wieder ein leichtes Wachstum.

Digital-Agenda für die europäische Landwirtschaft

Als besonderer Investitionsanreiz für innovative landwirtschaftliche Betriebe gelten die neuen digitalen Möglichkeiten, wie eine aktuelle VDMA-Kundenbefragung zur Digitalisierung des Agribusiness zeigt. "Dass mehr als 80 Prozent der diesjährigen Produktneuheiten auf digitalen Vernetzungsideen beruhen, ist ein starkes Zeichen für die Algorithmen-basierte Landwirtschaft. Denn sie schafft Mehrwert – unabhängig von der Betriebsform und -größe." Das volle Potential des Digital Farming lässt sich aus Sicht des VDMA-Geschäftsführers allerdings nur dann entfalten, "wenn es uns endlich gelingt, eine verbindliche Digital-Agenda für die europäische Landwirtschaft auf den Weg zu bringen, die alle relevanten Politikfelder erfolgreich miteinander vernetzt."

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