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Die Landtechnikindustrie im Zeichen der Corona-Krise

Corona-Krise: Viele Werke geschlossen

Viren
am Mittwoch, 25.03.2020 - 13:04

Corona beeinträchtigt massiv die Landtechnik-Branche. Kundendienst und Ersatzteilversand können aber aufrechterhalten werden. Innendienstmitarbeiter arbeiten im Home-Office. Wir haben nachgefragt, wie die Hersteller mit der Corona-Pandemie umgehen.

Zum Schutz der Kollegen und zur Aufrechterhaltung der Services arbeiten teilweise bis zu 95 Prozent des Innendienstes aus dem Home Office. Je nach Region kann der Verkaufs- und Serviceaußendienst stark eingeschränkt sein. Viele Mitarbeiter im Innen- und Außendienst stehen jedoch über die gewohnten Kanäle zur Verfügung und unterstützen je nach Notwendigkeit auch bei akutem Bedarf vor Ort. Risikominimierung und der Schutz der Mitarbeiter sind allen Herstellern ein sehr wichtiges Anliegen. Es wird von Fall zu Fall entschieden, welche Einsätze vor Ort wirklich zwingend notwendig sind.

John Deere
Bei John Deere gibt es aktuell folgende Situation: Die Fabriken in Frankreich in Saran und Arc-Les-Gray sind momentan geschlossen. Grund dafür sind die Maßnahmen der französischen Regierung, um COVID-19 zu stoppen. Da aktuell keine Motoren aus Saran geliefert werden können, ist die Produktion in Mannheim ab dem 23. März ausgesetzt. „Wir hoffen, dass in Mannheim ab nächsten Montag wieder produziert werden kann“, berichtet Ralf Lenge, Manager Public Relations. „Dann ist statt dem Einschichtbetrieb ein Zweischichtbetrieb mit geringerer Taktung geplant. Dadurch sind weniger Mitarbeiter am Band, wodurch die „soziale Distanz“ vergrößert werden kann.“
In der Wirtgen-Gruppe ist die Fabrik der Hamm AG in Tirschenreuth aktuell geschlossen. Hier liegen die Ursachen in der aktuellen COVID-19-Situation in der Region und bei Schwierigkeiten im Zulieferbereich.
Die Bestellung und Auslieferung von Neumaschinen ist bisher nicht betroffen, da diese Bereiche weiterhin arbeiten. Durch die temporäre Schließung könnte es allerdings in den nächsten Wochen zu Verzögerungen kommen.
Der Ersatzteilbereich läuft nach wie vor störungsfrei. Durch eine sehr gute Bevorratung sind Lieferengpässe bisher ausgeschlossen. Auch im Logistikbereich gibt es derzeit keine Schwierigkeiten. Lediglich durch die Verzögerung in der Abfertigung an den Grenzen hat es in Polen und Russland Verzögerungen gegeben.
„Unsere Vertriebspartner zeigen in der aktuellen Situation sehr viel Kreativität. Sie weisen mit Bulletins auf verschieden Aktionen hin und informieren die Kunden proaktiv. Einige haben auch kontaktlose Auslieferungsmöglichkeiten entwickelt“, so Ralf Lenge. „Von großem Vorteil erweist sich derzeit unsere hohe Anzahl von Maschinen, die über Connected Support per Telemetrie betreut werden können. Dadurch lässt sich so mancher Besuch eines Monteurs vermeiden, wodurch die „soziale Distanz“ vergrößert werden kann.“

Agco/Fendt
Der Landtechnikhersteller AGCO/Fendt setzt an den Standorten Marktoberdorf und Asbach-Bäumenheim die Produktion aus. Die komplette Schließung von Produktionsstandorten wichtiger Zulieferer in Europa führt dazu, dass wichtige Zulieferkomponenten für die Traktorenmontage nur noch bis Dienstag, 24. März 2020, ausreichen. Trotz sehr guter Auftragslage muss darum die Produktion von Traktoren ab Mittwoch, 25. März 2020, unterbrochen werden. Vorsorglich wurde bis Ende Juni 2020 für die Belegschaft der Traktorenproduktion Kurzarbeitergeld beantragt und genehmigt. Die Bereiche Kundendienst und Ersatzteilversorgung stehen für die Fendt Vertriebspartner und damit auch Fendt Kunden mit Top Priorität auch während der Kurzarbeitsperiode weiter zur Verfügung. An den anderen Fendt Standorten Feucht, Waldstetten, Hohenmölsen und Wolfenbüttel ist die Teileversorgung vorerst noch gewährleistet. Deshalb kann dort bis auf weiteres noch weiter produziert werden.
„Wann wir wieder mit der Traktorenproduktion starten können, ist von der Teileverfügbarkeit unserer Zulieferer abhängig. Sobald die Lieferketten wieder intakt sind, legen wir los“, so Christoph Gröblinghoff.

Claas
Die weitere Ausbreitung des Corona Virus und die immer größeren Einschränkungen der Zulieferkette führen dazu, dass Claas die Serienfertigung in Harsewinkel zum Ende der nächsten Woche kontrolliert zurückfährt und dann für zunächst drei Wochen bis zum 17. April einstellt. Während viele Claas-Standorte im In- und Ausland weiterarbeiten, war die Produktion in Frankreich bereits vergangene Woche zurückgefahren worden.
Aktuell wird mit den Mitarbeitern im Werk eine Vereinbarung zur Kurzarbeit und zum Kurzarbeitergeld erarbeitet und ein kontrolliertes Zurückfahren der Serienfertigung gestartet.
„Wir werden weiter eine größtmögliche Menge an Maschinen für die Märkte bereitstellen. Aktuell hilft uns ein breites Maschinenangebot an Neu- und Gebrauchtmaschinen bei den Händlern, das für den unmittelbaren Bedarf verfügbar ist“, so Thomas Böck, Vorsitzender der Claas-Konzernleitung.
Ausgenommen vom Zurückfahren bleiben in Harsewinkel die Bereiche, die trotz der schwierigen Bedingungen weiterarbeiten können. Dazu gehören unter anderem die Abteilungen Maschinen- und Ersatzteilversand sowie Umbau und Endausrüstung. Die Ersatzteilfertigung und Sonderinspektionen laufen ebenfalls vorerst weiter.

Same Deutz-Fahr
Im Bereich Ersatzteilversorgung hat SDF zum Schutz aller Mitarbeiter und der Mitarbeiter der Transportunternehmen Arbeitsabläufe neu gestaltet, so dass der persönliche Kontakt auf ein Minimum reduziert ist. „Darüber hinaus schützen wir unsere Mitarbeiter mit Desinfektionslösung und Masken“, berichtet Sarah Baumann, Kommunikation SDF.
Da sich das Werk in Treviglio mitten in der Krisenregion in Oberitalien befindet, musste dort das Werk schon seit einiger Zeit bis auf Weiteres schließen. „In Lauingen produzieren wir seit dem 23. März nicht mehr, um den Virus so weit wie möglich einzudämmen“, erläutert Sarah Baumann. „Die Gesundheit unserer Mitarbeiter steht an erster Stelle.
Die Ersatzteilversorgung unserer Kunden ist enorm wichtig. Aktuell können wir die deutschen Händler noch planmäßig und ohne Lieferverzögerungen mit Ersatzteilen aus Lauingen versorgen. Da sich diese Situation täglich ändern kann, empfehlen wir unseren Händlern, sich entsprechend rechtzeitig zu bevorraten.“
Neumaschinen werden weiterhin ausgeliefert. SDF ist derzeit noch voll lieferfähig. Sollten spezielle Lieferumfänge nicht sofort verfügbar sein, ist das Unternehmen selbstverständlich bemüht, individuelle Lösungen zu finden.
Der Handel kann jederzeit Neumaschinen bestellen, die zum größten Teil sofort geliefert werden können.

Amazone
Stand 24. März ist, dass unter Wahrung aller vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen, insbesondere der Schutzabstände, die Ansprechpartner aus Vertrieb und Kundendienst weiterhin vor Ort zur Verfügung stehen. Darüber hinaus kann der Kundendienst mit der erweiterten Kommunikation SmartSupport sowie mit dem Servicetool SmartLearning bei Bedienungsfragen bis hin zu komplexen Reparaturen digital unterstützen.
„Die Produktion unserer Landmaschinen läuft unter Einhaltung expliziter Schutzmaßnahmen und durch den großen Einsatz unserer Mitarbeitenden aktuell zuverlässig weiter“, erläutert Dirk Brömstrup, Marketing und Kommunikation.
Zum aktuellen Zeitpunkt arbeitet die Ersatzteillogistik stabil. Jetzt in der Frühjahrssaison liegt der absolute Fokus auf der Abwicklung der Tagesaufträge. Durch täglich steigende Einschränkungen in der Versandlogistik kann es allerdings zu längeren Laufzeiten kommen. Das Team der Kundenberatung für Ersatzteile steht weiterhin täglich von 07:30 bis 18:00 Uhr für Anfragen per Telefon oder Mail zur Verfügung.
Neumaschinen werden weiterhin ausgeliefert und Vertriebspartner können auch weiterhin Neumaschinen bestellen.

Grimme
„Trotz der bekannten Situation läuft die Produktion und wir haben einen guten Auftragsbestand. Dank der hohen Fertigungstiefe und der rechtzeitigen Aufstockung des Lagers sowie dem Grimme-Team, das voll an einem Strang zieht, können wir das auch aufrechterhalten“, stellt Jürgen Feld, Marketing, fest. „Wir sind, Status quo, in der Lage, nahezu alle Aufträge abzuarbeiten. Es gibt natürlich ein paar Schwierigkeiten im logistischen Bereich, die wir versuchen mit den Transporteuren zu regeln. Wir haben keine Kurzarbeit und hoffen, dass wir weiterarbeiten dürfen. Für den Service haben wir eine Hotline eingerichtet und eine zentrale Mailadresse. Dort werden die Anliegen dann an Mitarbeiter weitergeleitet, die schnell helfen können, so dass auch zum Beispiel Home-Office Mitarbeiter nach wie vor mitwirken können.
Bei Grimme wird in allen Werken produziert, sogar mit halber Kraft wieder in China. Das Unternehmen ist in der Lage, die Ersatzteile zu liefern. Hier hilft ebenfalls die hohe Fertigungstiefe und dass einsatzkritische Teile, wie Siebbänder und Rollen, bei Grimme selbst, oder in Tochterfirmen produziert werden. „Wir haben zudem bewusst schon vor Wochen das Lager hochgefahren, so dass wir, nach Erfahrungswerten aus den letzten Jahren, teiletechnisch gut aufgestellt sind. Hier sind eher Unwägbarkeiten bei der Logistik zu sehen, die wir nicht beeinflussen können“, so Jürgen Feld.
Neumaschinen werden weiterhin ausgeliefert. Grimme hat sogar die Versandkapazität massiv aufstocken können (über Schichtbetrieb, damit die Kontaktregeln auch eingehalten werden). Neubestellungen von Maschinen sind möglich.