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Demonstration in Würzburg

"Der Frust ist groß"

Kundgebung in Würzburg
am Dienstag, 22.10.2019 - 13:28

14 Kundgebungen bundesweit hat die Initiative „Land schafft Verbindung“ organisiert, Tausende Landwirte machten sich mit ihren Traktoren in die Städte auf den Weg, um die Politik und die Medien aufzufordern: Sprecht nicht über uns, sondern mit uns. Am AGARTECHNIK-Standort in Würzburg kam es zu großen Verkehrsbehinderungen, da rund 1000 Traktoren aus allen Richtungen Richtung Innenstadt fuhren. Daher wurde die geplante Kundgebung vorzeitig beendet. Auf Twitter sprach die Polizei von 650 Traktoren in der Stadt. AGRARTECHNIK hat die Demonstrationsteilnehmer über ihre Motive und ihre Perspektive für die Zukunft befragt. Der Tenor: Unsicherheit, Frustration und der Wunsch, angehört zu werden.

Tobias Kind, Gädheim

Tobias Kind aus Gädheim (Landkreis Haßberge) erklärte: „Unter diesen Umständen kann es nicht mehr weitergehen.“ Er erhofft sich von der Demonstration, dass mehr mit den Bauern geredet wird, anstatt ständig neue Verpflichtungen und Auflagen zu schaffen. In diesen Zeiten findet er es schwierig, in die Zukunft zu blicken. In den letzten Jahren habe er viel investiert, nun gebe es „kompletten Stopp“. In Richtung Düngetechnik beispielsweise könne man gar nicht mehr sagen, wohin es gehe. Für die Tierhaltung gelte, wenn man in neue Ställe investiere, rechne man mit einer Investition, die man über 25 Jahre finanziere. „Und nach fünf Jahren ist alles überholt.“ Tobias Kind stellt fest: „Der Frust ist sehr groß.“

Anette vom Berg-Erbar, Gnodstadt

„Wir wollen zeigen, dass die Bauern unzufrieden sind – dass viele frustriert sind, nicht nur einzelne Gruppen, sondern die ganze Landwirtschaft“, das war der Grund, warum Anette vom Berg-Erbar aus Gnodstadt (Landkreis Kitzingen) nach Würzburg gekommen ist. Man wisse, dass die Landwirtschaft sich umstellen müsse, um einen Beitrag zu mehr Klimaschutz zu leisten. Aber der Klimaschutz solle nicht auf der Landwirtschaft alleine lasten. Jeder müsse seinen Beitrag leisten. Auch bei ihrem Betrieb ist die Unsicherheit groß. „Der Nachfolger mit Anfang 20 würde jetzt gerne durchstarten, aber in welche Richtung, ist nicht klar.“

Alfons Konrad, Kürnach

Alfons Konrad aus Kürnach (Landkreis Würzburg) kritisierte: „Es wird immer nur über unsere Köpfe hinweg bestimmt. Man redet nicht mit uns.“ Mit der Gemeinde vor Ort sei die Zusammenarbeit gut. Dort würden Maßnahmen wie Blühstreifen gemeinsam umgesetzt. „Aber überregional überfährt man uns.“ Die Verunsicherung unter den Landwirten sei groß, weil es kaum Planungssicherheit gebe. So zögere man auch, in Maschinen wie etwa neue Traktoren zu investieren. Das Angebot liege vor, zu unterschreiben traue er sich nicht.