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Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

AGRARTECHNIK-Trendbericht

Kompakte Lader: Nachfrage-Auswirkungen durch Abgasstufe V

am Dienstag, 03.11.2020 - 09:05

Die Abgasstufe V ist für Hersteller von Hofladern und kompakten Radladern eine Herausforderung. Wir haben die Branche befragt.

Giant G2700 HD

In der AGRARTECHNIK-Ausgabe 11-2020 haben wir – im Trendbericht Hoflader und kompakte Radlader bis 80 PS – die aktuelle Lage des Marktes näher beleuchtet.

Ein Schwerpunktthema der Hersteller und Händler ist dabei auch die Abgasstufe V. Schließlich bilden sich durch diese EU-Vorgabe gerade im Kompaktmotorenbereich scharfe Trennlinien bei 25 und 76 PS (siehe hierzu auch AGRARTECHNIK 04-2019, Seiten 30 und 31). Stufe V verlangt oberhalb dieser Grenzen einen Technik-Zusatz zur Abgasreduktion und das ist nicht billig. Folglich muss man damit rechnen, dass die Kundschaft künftig den Bereich dicht über den Grenzlinien meiden wird – also im Zweifelsfall eher eine größere (deutlich über der Grenze) oder eine kleinere Maschine (gerade noch unter der Grenze) bestellt. Und damit stellt sich weiter die Frage, ob sich dies auch bei der PS-Abdeckung der Hersteller bemerkbar macht beziehungsweise ob sich das Leistungsgewicht bei gewissen "grenznahen" Modellen verändert.

Übergangsfrist um ein Jahr verlängert

Diese Situation wurde vor wenigen Wochen – durch die Europäische Union – nochmal angepasst und damit auch verkompliziert. So hätten eigentlich Motoren der „alten“ Abgasstufe – die vor dem Jahreswechsel 2018/19 produziert wurden – nur noch bis zum 30.06.2020 in neue Maschinen verbaut werden dürfen. Diese Lader mit den Übergangsaggregaten hätten dann bis spätestens 31.12.2020 in den Verkehr gebracht sein müssen. Aufgrund von Corona und dem damit verbundenen geringeren Maschinenabsatz hat das Europäische Parlament jedoch die Fristen unter anderem für die Leistungsklassen kleiner 56 kW / 76 PS um ein Jahr verlängert. Die Argumentation der Politik und der Verbände ist klar. Erstens gäbe man den Herstellern und Händler so die nötige Zeit, bereits erworbene Übergangsmotoren zu verbauen. Und zweitens würde durch die Verlängerung der Übergangsfrist kein Motor, der noch nicht der Abgasstufe V entspreche, zusätzlich in Verkehr kommen, denn diese Motoren hätten bereits bis Ende 2018 gebaut sein müssen.

Dennoch gibt es hierzu nicht nur positive Meinungen. Jene Hersteller, die ihr Sortiment früh umgestellt haben und sicherstellten, dass kein „alter“ Motor zwangsweise verschrottet werden muss, sehen sich nun im Nachteil, da der genannte Zeitpunkt, ab dem wieder Chancengleichheit herrschen sollte, nun nicht mehr gilt. Wie groß dieses Problem aber tatsächlich ist, kann kaum jemand sagen, da man nicht weiß, wie viele Rest-Motoren insgesamt noch nicht verbaut sind.

Lesen Sie unten stehend Statements von den Hof- und Radlader-Marken Fuchs, JCB, Schäffer, Striegel, Thaler und Weidemann zum Thema.

Fristverlängerung wird nicht nur positiv gesehen

Thaler Hoflader 2438

Ein Hersteller, der seine Maschinen sehr früh auf Stufe V umgestellt hat, ist Thaler. Folglich sieht man dort die Entscheidung zur Verlängerung der Übergangsfristen kritisch. Dietmar Pöhler (Verkauf und Kundenbetreuung bei der Thaler GmbH & Co.KG) erklärte gegenüber AGRARTECHIK: "Wir stellen aus Thaler-Sichtweise fest: Wir haben keine alten Motoren mehr – konform zur Stufe IIIA. Also müssen wir die neuen Motoren verkaufen. Das ist nicht für alle Hersteller der Fall, denn die Übergangsperiode wurde ja verlängert und damit der Markt verzerrt – in unseren Augen."
Die große Fragestellung – davon ist Dietmar Pöhler überzeugt – bleibe die gleiche: Wann und wie unter Einbezug welcher Kriterien werde entschieden, ob es ein Fahrzeug mit 25, 35 oder mehr PS sein solle – also mit Abgasreinigungstechnik. Die Hauptkriterien würden vermutlich die Topographie des landwirtschaftlichen Betriebes sowie die dort zu verrichtenden Aufgaben und das Budget sein.
Thaler, so Dietmar Pöhler weiter, decke jedenfalls die Bereiche knapp oberhalb der Grenzen mit der gleichen Modell-Dichte ab, wie vor der Umstellung. "Wir wollten in der gleichen Abstufung bleiben und das ist uns auch gelungen."

Enorme Preissteigerung bei kompakten Maschinen

Striegel Hoflader 180 YA

Frank Fischer (Verkauf bei Striegel Maschinenbau) meinte hierzu: "Natürlich mussten wir die Preise für unsere Hoflader mit 37 und 50 PS durch die Änderung auf die Abgasstufe V nach oben korrigieren. Das war durch die hohen Einkaufspreise der Motoren nicht zu umgehen. Die Motoren mit der neuen Technik sind sehr viel teurer und dadurch mussten wir die Preise der Hoflader je nach Typ zwischen 4.000 und 5.000 Euro steigern. Wie schon oben beschrieben hat sich die Nachfrage dadurch zum negativen entwickelt, viele Kunden schwenken auf unseren 180 YA unterhalb der Grenze um. Andere Kunden, die von der Betriebsgröße auf einen Hoflader oberhalb der Grenze angewiesen sind, beißen in den sauren Apfel und zahlen den höheren Preis. Unser Sortiment hat sich durch die Umstellung nicht verringert, im Gegenteil ist durch den 180 YA ein weiterer Typ dazu gekommen."

Bernd Apfelbeck (Kaufmännischer Geschäftsführer bei der Weidemann GmbH) erklärte: "Die Motoreneinheit verteuert sich im Schnitt um rund 4.000 bis 5.000 EUR je nach Größenklasse. Die Umstellung der großen Maschinen oberhalb der 76 PS ist bei uns teilweise erfolgt und muss aber teilweise noch von der Abgasstufe IV auf V umgesetzt werden. Hier sind wir also mittendrin." 2020 habe man zudem im unteren PS-Bereich zwei Modelle umgestellt, unter anderem den Hoftrac 1390. Für diesen biete Weidemann eine Einstiegsmotorisierung an, die mit 18,4 kW / 25 PS ohne Abgasnachbehandlung auskommt. Die Maschine biete das Unternehmen aber auch mit Motoren mit 33,3 kW / 45 PS an beziehungsweise mit 40,1 kW / 55 PS. "Der neue Einstiegsmotor liegt also nominal zwar unter der Leistung des jeweiligen Vorgängers, verfügt aber über eine bessere Performance. Der Grund: Der von Weidemann neu entwickelte elektronisch geregelte Fahrantrieb, der sogenannte ecDrive – Electronic Controlled Drive – ermöglicht auch in geringeren PS-Klassen eine erhöhte vollumfängliche Leistung der Maschine. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass der 18,4 kW Motor komplett ohne Abgasnachbehandlung auskommt." Bei der 45 PS Variante habe man die Abgasnorm Stufe V durch den Einbau eines Dieselpartikelfilters (DPF) in Kombination mit einem Dieseloxydationskatalysator (DOC), umgesetzt. Harnstofflösung (DEF) müsse bei dieser Technologie nicht zugesetzt werden, so Bernd Apfelbeck. Die gesamte Motoreinheit komme, inklusive der Abgasnachbehandlung, von Yanmar.

Unterschiedliche Ansichten zu den Trennlinien

Case CE Radlader 321F

Auch Stefan Fuchs (Inhaber der Firma Ludwig Fuchs Landmaschinen) rechnet damit, dass sich die Maschinen oberhalb der 19 kW-Grenze künftig schwieriger verkaufen lassen. Hier mache sich die neue Abgastechnik im Preis sehr stark bemerkbar.

Ansgar Selhorst (Produktmanager für kleine Radalder bei JCB) erklärte: "Gerade bei dem kleineren Hoflader 403 – mit 2,7 Tonnen Betriebsgewicht – schlägt die aufwendigere Technik für die Abgasnachbehandlung preislich mehr zu Buche." Daher biete JCB ab dem kommenden Jahr zwei Modelle an: Erstens ein Modell mit 25 PS Motor, der ohne Abgasnachbehandlung auskommt. Aufgrund optimierter Motorenabstimmung habe dieses Modell genug Reserve für die meisten Einsatze. Zweitens werde es – für anspruchsvollere Einsatzbereiche mit Bedarf an PS und Hydraulikleistung – ab 2021 eine Motorenoption mit 49 PS und Abgasnachbehandlung geben.

Sebastian Bertelsmeier (Marketing bei der Schäffer Maschinenfabrik GmbH) sieht dagegen die scharfen Trennlinien bei den Hofladern nicht. "Wir sind auch mit der Abgasstufe V sehr breit aufgestellt, was die Motorenvielfalt im Kompaktsegment angeht. So bieten wir hier Maschinen mit Kubota-Motoren mit 20, 25, 38, 50 und 66 PS an. Die reine Motorleistung ist in den seltensten Fällen das einzige Argument für den Kunden. Wenn er eine Drei-Tonnen-Maschine mit entsprechender Hubleistung benötigt, entscheidet er sich auch für diese und wechselt nicht auf eine kleinere Maschine, die weniger Leistung mit sich bringt."