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AGRARTECHNIK-Trendbericht

Kompakte Lader: Verschiedene Meinungen zur Elektrifizierung

am Mittwoch, 04.11.2020 - 08:00

Ein großes, aber auch umstrittenes Thema bei Hofladern ist die Elektrifizierung. Wir haben uns hierzu in der Branche umgehört.

Weidemann 1160e Hoflader

Die ersten, rein elektrisch angetriebenen Lader sind inzwischen bereits seit mehreren Jahren auf dem Markt und die Zahl der Modelle nimmt zu. Dennoch wird dieses Thema von den Unternehmen aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet. Die einen sehen die Vorteile – beispielsweise bei der Arbeit in Ställen hinsichtlich Geräusch- und Abgasemission. Die anderen erkennen in dieser Technik noch viele konstruktionsbedingte Schwächen, wie beispielsweise die hohen Kosten oder das Verhältnis zwischen Arbeits- und Ladezeit. Im Vorfeld des AGRARTECHNIK-Trendberichts "Hoflader und Agrar-Radlader bis 80 PS" haben wir verschiedene Hersteller zum Thema befragt.

Positive Resonanz am Markt

Hierauf antwortete Bernd Apfelbeck (kaufmännischer Geschäftsführer bei der Weidemann GmbH): "Unser elektrisch angetriebener 1160 eHoftrac war 2015 der erste knickgelenkte E-Hoflader am Markt. Nach fünfjähriger Erfahrung können wir sagen, dass wir die Maschine in all den Jahren sehr erfolgreich verkaufen. Neben den sehr positiven Eigenschaften – wie geräuscharm und emissionsfrei zu arbeiten – kommen langfristig Aspekte wie ein wesentlich geringerer Wartungsaufwand und kein Ersatz von bestimmten Verschleißteilen für unsere Kunden zum Tragen. Die Performance der Maschine ist gut und durch die zweite Generation der Batterietechnik – mit der Zwischenladungen jederzeit möglich sind und die Maschine somit flexibler eingesetzt werden kann – stieg die Akzeptanz der E-Technik gerade im Bereich Landwirtschaft weiter deutlich an. Die Entwicklung weiterer alternativer Antriebe wird in den nächsten Jahren ein starkes Thema sein – nicht zuletzt aufgrund der rasant steigenden Klimaerwärmung und aktuellen Umweltpolitik."

Auch Tobroco-Giant habe inzwischen einen ersten E-Lader erfolgreich in den Markt eingeführt, so Mark Mocking (Account Manager). In den kommenden Jahren werde man das Sortiment auf andere Gewichtsklassen ausdehnen. Allmählich würden weitere Anfragen kommen. Dies sei insbesondere dann der Fall, wenn die entsprechenden Personen ihren eigenen Strom erzeugen können.

Stefan Fuchs (Inhaber der Ludwig Fuchs Landmaschinen) erwartet, dass sein Unternehmen mit dem neuentwickeltem F 950 E Hofschlepper weiteren Erfolg haben werde. Mit dem Modell könne man die Maschinen F 950 H bis F 1100 nahezu in allen Bereichen ersetzen. Der E-Hofschlepper sei bereits seit Ende des letzten Jahres lieferbar und die Nachfrage sei relativ groß. Allerdings wären auch die Preisunterschiede zu den Maschinen mit herkömmlicher Dieseltechnik momentan noch hoch.

Staatliche Förderung erwünscht

Schäffer würde, so Sebastian Bertelsmeier (Marketingleiter), mit dem 23e mit Hochvolt-Technologie und Lithium-Ionen-Batterien eine technisch führende Maschine anbieten. "Das Fehlen einer staatlichen Förderung trägt allerdings dazu bei, dass die Investitionsschwelle beim E-Lader höher ist als bei der vergleichbaren Dieselmaschine. Gerade hier wäre eine Förderung absolut sinnvoll, da es um das Wohl von Mensch und Tier geht. Aber auch ohne Förderung lohnt sich bei entsprechender Auslastung die Investition in eine Elektromaschine, da die laufenden Kosten für Wartung und Kraftstoff deutlich geringer sind."

In manchen Regionen sei diese Förderung bereits vorhanden, ergänzt Dietmar Pöhler (Verkauf und Kundenbetreuung bei der Thaler GmbH & Co.KG). "Die Stadt Paris hat zur Versorgung ihrer Grüngut-Abgabe-Stellen schon elektrisch betriebene Maschinen eingekauft." Zudem würden die ersten Landwirte Konzepte zur energetischen Autarkie auf Basis von selbstproduziertem Strom umsetzen. Das Thema gewinne folglich an Fahrt. Allerdings hänge die Geschwindigkeit dieser Entwicklung im Wesentlichen von dem Verhältnis Ladezeit und Arbeitszeit ab. Hier stelle sich die Frage: Was kann die nächste Generation von Batterien? Zweites und drittes Kriterium seien die Strategien zur energetischen Autarkie des landwirtschaftlichen Betriebes und die Speicherfähigkeit der elektrischen Energie.

Kritische Stimmen zum Technikstand

Weniger überzeugt ist Frank Fischer (Verkaufsleiter bei Striegel Maschinenbau): "Es gibt sicherlich eine Nachfrage nach elektrisch angetriebenen Hofladern, allerdings ist diese in unserem Kundenkreis sehr gering. Die Firma Striegel hat sich dagegen entschieden einen elektrischen Antrieb anzubieten, da erstens die umweltschädliche Herstellung der Batterien nichts zur Klimaverbesserung beiträgt und zweitens die Technik noch längst nicht ausgereift ist. Unserer Meinung nach wird sich die Elektrotechnik auf Dauer nicht durchsetzen, wir sehen die Zukunft eher in der Wasserstofftechnik und in synthetischen Kraftstoffen."

Auch Michael Wadsack (Senior Product Manager und Product Marketing bei Komatsu) meint, dass sich der Trend zur Elektrifizierung deutlich langsamer entwickeln würde, als erwartet. "Dies ist wohl einerseits dem großen Entwicklungsaufwand und den hohen Kosten geschuldet, zum anderen aber auch den zu geringen Akkulaufzeiten und der fehlenden Ladeinfrastruktur." Komatsu würde den Markt folglich weiter beobachten und zu diesem Thema forschen.

Ralf Grönboldt (Marketing D-A-CH bei Case Construction Equipment Case CE) bemerkte abschließend, dass im Bausektor der e-Antrieb bisher keine große Rolle spiele.