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Fertigung

Kverneland setzt auf mobile Roboter

Roboter MiR500 im Einsatz bei Kverneland
am Montag, 07.10.2019 - 10:27

Die norwegische Kverneland Group ist bestrebt die Produktion effizient zu gestalten. Hierzu gehört auch ein schlanker Materialfluss. Im Werk im dänischen Kerteminde unterstützt daher seit kurzem der autonome Transportroboter MiR500 von Mobile Industrial Robots (MiR) die Intralogistik. Damit kann Kverneland den personal- und wartungsintensiven Einsatz von Gabelstaplern reduzieren und seinen Mitarbeitern mehr Zeit für produktive Tätigkeiten einräumen.

Roboter MiR 500 bei Kernland im Einsatz

Seit 2012 gehört das mittlerweile börsennotierte Unternehmen zur japanischen Kubota Corporation. Ob für Bodenbearbeitung, Aussaat oder Pflanzenschutz – Kverneland bietet seinen Kunden ein breites Portfolio an Maschinen und Dienstleistungen. In der hochentwickelten Agrartechnikindustrie herrscht ein großer Wettbewerbsdruck.

Dies schlägt sich auch in den weltweit verteilten Fertigungsstätten der Kverneland Group nieder. Eine davon befindet sich in der mitteldänischen Kleinstadt Kerteminde. In der 55.000 Quadratmeter großen Werkshalle kümmern sich 500 Mitarbeiter um die Montage hochwertiger Pflüge, Sämaschinen und weiterer Produkte. Dafür werden sie jährlich mit rund 100 000 Paletten an Rohmaterial beliefert. Um diese zu befördern, setzten die Beschäftigten bislang hauptsächlich manuelle Hubwagen oder bemannte Gabelstapler ein. Dies bringt jedoch diverse Nachteile mit sich, die Kvernelands Maxime effizienter Arbeitsprozesse zuwiderlaufen. „Aktuell sind einige unserer Mitarbeiter fast den ganzen Tag damit beschäftigt, Paletten mit dem Gabelstapler von A nach B zu bringen“, berichtet Jakob Klokker, Assistent der Projektleitung bei Kverneland. Auch die häufige Wartung der Maschinen bindet wertvolle Arbeitszeit.

Das Planungsteam in Kerteminde suchte daher nach einem Weg, die internen Transportabläufe an sein fortschrittsorientiertes Leistungsverständnis anzupassen. Man entschied sich dafür, die werksinternen Paletten Transporte zu automatisieren, um langsam von den personalintensiven Lösungen wegzukommen. Die Herausforderung: Traditionelle fahrerlose Transportsysteme (FTS) sind häufig auf im Boden eingelassene Induktionsschleifen oder Schienen angewiesen. Bei Kverneland verändert sich die Produktion jedoch stetig, sodass auch die eingesetzten Technologien entsprechend flexibel sein müssen.  

Mobiler Roboter von MiR erstzt Gabelstapler

Roboter MiR500 transportiert Paletten

Die passende Lösung kam schließlich aus dem nahegelegenen Odense. Dort entwickelt Mobile Industrial Robots (MiR) autonome Transportroboter, die selbständig navigieren und sich dank ausgefeilter Sensorik frei bewegen können – ideal also für das dynamische Produktionslayout von Kverneland. Die Projektverantwortlichen entschieden sich für das Modell MiR500, das speziell für den Transport schwerer Güter entwickelt wurde. So ist es in der Lage, die Aufgaben eines Staplers zu übernehmen, bindet aber durch seine Autonomie viel weniger Ressourcen.

Im Werk von Kerteminde transportiert ein solcher MiR500 nun Paletten mit wärmebehandelten Teilen zum Lackieren und wieder zurück. Dafür ist er mit einer Hebevorrichtung ausgestattet, die es ihm im Zusammenspiel mit einer jeweils stationär befestigten Regalinstallation ermöglicht, die Paletten ohne menschliches Zutun auf- und abzuladen. Eine typischer Weg führt den Roboter von der Schweißhalle in die Lackiererei, das Lager und wieder zurück, was etwa 500 Metern entspricht. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 7,2 km/h schafft er vier solcher Runden in einer Stunde. Da er non-stop im Einsatz ist, legt er im Laufe eines Tages also bis zu 48 Kilometer zurück – ein enormer Aufwand, um den sich die Mitarbeiter nun keine Gedanken mehr machen müssen.

 

Von der Größe einer Europalette und mit einer Traglast von 500 Kilogramm erweist sich der MiR500 als besonders robust und ist daher prädestiniert für den Einsatz in der geschäftigen Fabrikhalle. Auf dem Boden bilden sich dort zum Beispiel häufig Wasser- oder Ölpfützen, manchmal lagert sich Staub ab – dies macht dem Roboter nichts aus. Auch mit Unebenheiten oder Rampen kommt er zurecht und kann die Kverneland-Mitarbeiter stets pünktlich beliefern.

Die Inbetriebnahme der MiR-Technologie gestaltete sich außerdem schnell und unkompliziert. Vor dem ersten Einsatz fährt der Roboter sein zukünftiges Einsatzumfeld ab, um es genau zu kartieren. Alternativ können auch CAD-Dateien des Werks in sein System eingespielt werden. So ist er später in der Lage, den jeweils schnellsten Weg zum Ziel zu berechnen, bevor er seine nahezu lautlose Fahrt aufnimmt. Unfallgefahr besteht dabei nicht: Im Gegensatz zu den bei Kverneland bis dato gängigen Gabelstaplern erkennt der MiR500 Hindernisse rechtzeitig und weicht ihnen automatisch aus. Hierfür sorgen zwei 3D-Kameras sowie zwei Laserscanner, die eine 360-Grad-Sicht erlauben. Näherungssensoren in jeder seiner Ecken tragen ebenfalls dazu bei, dass der Roboter bedenkenlos direkt neben dem Menschen eingesetzt werden kann. Trifft er auf ein Hindernis, berechnet er seine Route neu, sodass der Logistikprozess nicht ins Stocken gerät. Auch Tore kann der Roboter selbständig öffnen und durchqueren. Das funktioniert über die Integration in das vorhandene Kommunikationssystem, zum Beispiel durch WLAN.

Daneben profitieren die Werker auch von der einfachen Bedienbarkeit des Roboters. Dieser lässt sich nämlich intuitiv über eine webbasierte Benutzeroberfläche steuern, auf die sie über Handy, Tablet oder PC zugreifen können. Dort können die Mitarbeiter Aufträge einspielen, auch ohne über spezielle Programmierkenntnisse zu verfügen.