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Liqui Moly: Durchwachsene Halbjahresbilanz wegen neuer Software

Ernst Prost, Liqui Moly
am Donnerstag, 11.07.2019 - 11:33

Die Einführung einer neuen Unternehmenssoftware im Januar entwickelt sich für Liqui Moly zur Dauerbaustelle. Was beim Öl- und Additivspezialisten die Abläufe vereinfachen und Kosten senken sollte, sorgt für das genaue Gegenteil und vermiest die Halbjahresbilanz. „Wären wir börsennotiert, müsste ich eine Gewinnminderungswarnung herausgeben“, sagt Geschäftsführer Ernst Prost. Der Halbjahresertrag fiel um rund 30 Prozent auf elf Millionen Euro.

Liqui Moly Ölspezialist

Mit der Unternehmenssoftware werden unter anderem der Einkauf gemanagt, die Produktion gesteuert, der Versand abgewickelt und Rechnungen gestellt. Sie ist daher von zentraler Bedeutung für das Wohl und Wehe des Unternehmens. Die frühere Software war Jahrzehnte alt und stieß immer mehr an Grenzen. Daher wurde sie, nach jahrelanger Vorbereitung, zum Jahreswechsel abgelöst.

Doch statt der zu erwartenden, kleineren Einführungsprobleme gab es massive Schwierigkeiten, die bis heute andauern. Schwierigkeiten, die sich ganz unmittelbar auf den Geschäftsbetrieb auswirken. „Trotz der Unterstützung durch renommierte Softwarehäuser gelingt es uns noch immer nicht, auf dem Level zu produzieren und zu liefern, das wir erwarten und das unsere Kunden von uns erwarten“, so Ernst Prost. Bei den Kunden führt das zu berechtigtem Frust und Ärger. Und es führt zu erheblichen Mehrkosten, zum Beispiel für Container, die nur zur Hälfte mit Ware gefüllt werden können, für Speditionen, die länger als geplant auf die Verladung warten müssen, oder für Luftfracht, wenn dringend benötigte Ware per Schiff nicht mehr rechtzeitig ankäme.

Zu den gewaltigen Kosten für die Softwareumstellung als solche kommen jeden Tag neue für Fehlersuche und Problembeseitigung. Dies alles hinterlässt deutliche Spuren in den Geschäftszahlen. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2018 ging der Umsatz zwar nur leicht um 0,8 Prozent auf 259,6 Millionen Euro zurück, und das auch nur, weil der hohe Auftragsbestand wegen der Computerprobleme nicht vollständig abgearbeitet werden konnte. Der Halbjahresertrag jedoch fiel um rund 30 Prozent auf elf Millionen Euro.

Der Ölspezialist war lange erfolgsverwöhnt: Jahr für Jahr mehr Umsatz, mehr Gewinn. Die aktuelle Situation trifft das Unternehmen unerwartet. Dank des hohen Leistungsniveaus bedeutet das aber nur eine Delle im Gewinn und ist weit weg von einer existenzbedrohenden Lage. „Blinden Aktionismus in Form von Kurzarbeit oder Stellenabbau wird es bei uns nicht geben“, so Ernst Prost. „Wir halten Kurs, wir bleiben weiter auf Expansionskurs, wir stellen weiter neue Leute ein, wir investieren weiter in neue Produkte und neue Märkte.

Die aktuellen Probleme haben uns Bereiche aufgezeigt, wo wir nun investieren werden, um noch besser werden“, so Ernst Prost. So soll der Bau eines neuen Zentrallagers die Logistik vereinfachen. Die Computerprobleme sollen zusammen mit den Softwarehäusern spätestens bis zum Jahresende gelöst werden.