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"Unglaublich viel bewegen und voranbringen"

Nachgefragt...

Nathalie Zapf
Nathalie Zapf, Agrartechnik
am
10.05.2019

Veit Ulbricht ist Junior Geschäftsführer bei der Heinrich Moerschen GmbH & Co. KG. Das über 120 Jahre alte Unternehmen am Niederrhein besitzt drei Standbeine: Landtechnik, Kommunaltechnik und Motorgeräte. Moerschen vertreibt Krone, Grimme, Antonio Carraro, MF, Horsch und seit 2016 auch JCB. Insgesamt beschäftigt der vielseitige Betrieb 57 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Veit Ulbricht, Heinrich Moerschen GmbH & Co. KG

Herr Ulbricht, warum haben Sie sich für einen Einstieg bei der Heinrich Moerschen GmbH & Co. KG entschieden und wie sah der Weg bis zu Ihrer heutigen Position aus?

Wie so viele Unternehmerkinder habe ich einen großen Teil meiner Freizeit in unserem Betrieb verbracht. Das alles hat mich schon früh fasziniert und daher war der Wunsch der Nachfolge schnell geboren.  Mit gerade 16 Jahren bin ich dann nach England gegangen, habe nach meinem Abitur dort in Mailand VWL studiert und auch ein Jahr in einer WP-Gesellschaft gearbeitet. Die insgesamt sechs Jahre im Ausland haben es mir ermöglicht, mit einem ganz neuen Blick auf unser Unternehmen und die Nachfolge zu schauen. Bevor ich dann entgültig im Unternehmen anfing, absolvierte ich noch für ein Jahr Praktika bei drei Händlerkollegen und der Landwirtschaftskammer.

 

Wie können wir uns Ihren Berufsalltag vorstellen und was motiviert Sie bei Ihrer täglichen Arbeit?

Von der Planung von Marketing-Aktivitäten über interne Projekte bis hin zu vielen Gesprächen mit Kunden und Lieferanten ist fast alles dabei. Wir haben sehr engagierte und offene Mitarbeiter, ambitionierte Lieferanten und hochprofessionelle Kunden, mit denen man unglaublich viel bewegen und voranbringen kann. Die einzige tägliche Konstante ist die gemeinsame Mittagspause mit meiner Mutter, in der wir uns zu den wichtigsten Themen austauschen.

 

Wenn Sie sich Ihren Markt, Ihre Firma, Ihre Position ansehen, was werden die größten Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Ich denke, dass die Bindung und Motivation unserer exzellent ausgebildeten Mitarbeiter das absolut beherrschende Thema sein wird. Die Erwartungen an einen attraktiven Arbeitgeber verändern sich, gleichzeitig werden insbesondere im Service die Einsätze immer härter und der Ton seitens der Kunden oft schroffer. Der Aspekt der Entlohnung ist dabei wichtig, aber nur die Spitze des Eisbergs! Unsere Aufgabe ist es, gemeinsam mit unseren Kunden Modelle zu finden, die unseren Mitarbeitern geregeltere Arbeitszeiten und weniger Notdienste ermöglichen.

 

Welche Rolle spielt die Digitalisierung für Ihr Unternehmen?

In der Landtechnik ist unsere Erfahrung, dass Systeme wie zum Beispiel JCB LiveLink, die Kunden und Werkstatt einen greifbaren Nutzen bieten, auch erfolgreich eingesetzt werden. Hier können wir im Service präventiv agieren, den Kunden über Optimierungspotenzial in der Nutzung der Maschine informieren und Wartungen effizienter planen. Mein subjektives Gefühl ist, dass viele Systeme und Plattformen dieses einfache Kriterium aus den Augen verlieren und somit keine durchschlagenden Veränderungen hervorrufen. Im Bereich Motorgeräte und Kommunaltechnik spielt die Telematik noch keine so starke Rolle, hier ist jedoch der Online-(Direkt-)Vertrieb in vollem Gange und wird wahrscheinlich die schon laufende Konsolidierung der Händlerschaft beschleunigen. Wir sind aktuell nicht aktiv im E-Commerce unterwegs, bieten jedoch unseren Kunden an, online auf Rechnung sämtliche Ersatzteile zu bestellen.

 

Stichwort Motorgeräte: Wie wichtig ist für Sie das Geschäftsfeld Motorgeräte?

Wir sind traditionell stark in diesem Segment und wollen es auch noch weiter ausbauen. Als Schnittpunkt zwischen allen unseren Kundengruppen ist der Bereich Motorgeräte nicht nur ein wichtiger Umsatzträger. Aufgrund kleinerer Maschinen und großer Stückzahlen ist er auch ein Spiegelbild für die großen Trends der Branche: Der unaufhaltsame Vormarsch der Akku-Technik ist das beste Beispiel.

 

Mit welchen weiteren Herausforderungen sehen Sie den Landtechnikfachhandel künftig konfrontiert?

Sicher können wir von verwandten Branchen lernen, dass Wartungsverträge womöglich der einzige Weg sind, in Zukunft hochqualitativen Service profitabel anbieten zu können. Dass wir uns zunehmend mit alternativen (und wartungsärmeren) Antrieben beschäftigen werden, bestärkt diese Entwicklung noch.

 

Veit Ulbricht, Junior Geschäftsführer bei der Heinrich Moerschen GmbH & Co. KG

In der Rubrik "Nachgefragt..." interviewt Julia Seitz Persönlichkeiten aus dem Bereich Landtechnik. Weitere interessante Interviews finden Sie in der aktuellen Ausgabe der AGRARTECHNIK. Hier geht es zum kostenfreien Probeheft.

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