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"Unser Nachwuchs in der Branche hat große Chancen"

Nachgefragt...

am Freitag, 14.06.2019 - 12:35

Franz-Josef Borgmann ist Ehrenpräsident des Bundesverbandes LandBauTechnik und hat 1947 als Landmaschinenmechaniker in der Land- und Baumaschinenbranche begonnen.
Mehr als 20 Jahre war er Mitglied in der Jury des Service Awards und hat diesen maßgeblich mitentwickelt.

Franz-Josef Borgmann

Herr Borgmann, können Sie kurz Ihren beruflichen Werdegang erläutern?
Nach Abschluss der mittleren Reife folgte eine Lehre als Landmaschinenmechaniker. Ich entschied mich danach für die Meisterprüfung in Lüneburg und übernahm gemeinsam mit meinem Zwillingsbruder Alfred den elterlichen Betrieb. Er war der Kaufmann und ich der Techniker.
Zusätzlich gründeten wir 1969 ein Autohaus. In den Jahren danach wirkte ich unter anderem als Obermeister, Landesinnungsmeister NRW und Präsident des Bundesverbandes. Heute bin ich Ehrenpräsident.

Was hat Sie dazu bewegt, sich im Verband zu engagieren?
Ich wurde angesprochen, ob ich mir vorstellen könnte, dieses oder jenes Amt zu übernehmen. Was ich dann auch getan habe und mir 55 Jahre lang Spaß machte. Man lernt viele Menschen und Betriebe kennen, knüpft Kontakte, bekommt Informationen aus erster Hand und hat die Möglichkeit, die Branche mit zu steuern. Auch die Kontakte zur Industrie sind nicht unbedeutend. Durch die guten persönlichen Kontakte zur Industrie und dem Handel konnte ich viele Differenzen beseitigen, ob es um Konditionen für den Handel oder Garantievergütungen ging. Als Sprecher auf Arbeitgeberseite habe ich die Tarifverhandlungen mit den Gewerkschaften in NRW geführt. Auch die Fortbildung der Berufsschullehrer habe ich 1982 ins Leben gerufen und über 20 Jahre persönlich begleitet.

Was wünschen Sie sich für die künftige Verbandsarbeit?
Für die künftige Verbandsarbeit wünsche ich mir, dass die Zusammenarbeit auch mit anderen Verbänden und Organisationen weiter fortgeführt wird. Hier sind wir mit unserem jetzigen Vorstand und Geschäftsführung auf einem guten Weg. Ferner würde ich mich freuen, wenn viele junge Kollegen den Weg zum Ehrenamt einschlagen würden, die Innungen und die Landesverbände stärken und damit auch den Bundesverband unterstützen.

Was war für Sie rückblickend die größte technische Weiterentwicklung in der Landtechnik?
Die größte technische Weiterentwicklung  fand nach der Wiedervereinigung statt. Die Ansprüche wurden größer, die Belastungen der Technik wurden stärker. Dazu kam die Modernisierung, die digitale Ausstattung der Traktoren und der Erntetechnik.  

Welche „Weisheiten“ und Erfahrungen können Sie  dem Nachwuchs weitergeben?
Unser Nachwuchs in der Branche hat große Chancen. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe wird weiter abnehmen, aber dafür werden die Maschinen größer und leistungsfähiger. Allein die Zahl, dass wir in Westdeutschland nach dem Krieg 1,5 Millionen landwirtschaftliche Betriebe hatten und jetzt 370 000 ist beachtenswert. So wird auch die Zahl der Landtechnikbetriebe abnehmen, dafür werden aber viele Werkstätten wachsen. Unserer kommenden Generation rate ich, dass sie sich täglich weiterbildet und mit der Technik Schritt hält. Was heute Standard ist, ist in fünf Jahren überholt. Die landtechnischen Lehrbriefe in der AGRARTECHNIK sind hierfür ein gutes Mittel. So wichtig wie früher die Mechanik war, ist heute die Digitalisierung.

Was war Ihr schönstes Erlebnis in Ihrem beruflichen Leben?
Es gab viele schöne Erlebnisse und auch Anekdoten. Gefreut habe ich mich natürlich über das Vertrauen, das mir meine Kollegen entgegengebracht haben. Besonders waren aber auch die vielen Auszeichnungen wie beispielsweise das Bundesverdienstkreuz, die Goldene Ehrennadel des Bundesverbandes, die Goldene Ehrennadel des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks und die silberne Medaille der DLG. Vor allem habe ich mich aber darüber gefreut, dass 2014 die neue Ausbildungshalle der Bundes-Fachlehranstalt des Deutschen Landmaschinenhandwerks in Lüneburg „Franz-Josef Borgmann Halle“ meinen Namen trägt.

In der Rubrik "Nachgefragt..." interviewt Julia Seitz Persönlichkeiten aus dem Bereich Landtechnik. Weitere interessante Interviews finden Sie in der aktuellen Ausgabe der AGRARTECHNIK. Hier geht es zum kostenfreien Probeheft.