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Rolls-Royce-Geschäftsbereich Power Systems steigert Umsatz und Gewinn

am Montag, 12.08.2019 - 09:29

Der Rolls-Royce-Geschäftsbereich Power Systems hat in der ersten Hälfte des Jahres 2019 Umsatz und Gewinn gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum trotz unsicherer Lage der Weltwirtschaft deutlich gesteigert. Das teilt das Unternehmen in einer Presseinformation mit. Der bereinigte Umsatz sei um sechs Prozent auf 1,553 Milliarden Pfund (umgerechnet 1,778 Milliarden Euro) gestiegen. Der bereinigte Betriebsgewinn sei um 20 Prozent auf 96 Millinen Pfund (109 Millionen Euro) gewachsen. Wirtschaftlich und strategisch bedeutende Projekte und Aufträge hätten die erste Hälfte des Jahres 2019 gekennzeichnet, die auch von der weiteren Umsetzung der Zukunftsstrategie PS 2030 geprägt war. Ab Herbst werde der Geschäftsbereich Power Systems mit seinem Markenauftritt die Zugehörigkeit zum britischen Rolls-Royce-Konzern deutlicher als bisher hervorheben.

Microgrid Solarpanel

„Wir haben uns ordentlich geschlagen, obwohl wir uns in einer herausfordernden Gemengelage befinden“, sagt Vorstandsvorsitzender Andreas Schell. Das klassische Geschäft mit Motoren und Systemen sei durch eine gute Auftragslage und weiterhin guten Auftragseingang gekennzeichnet, wobei auch neue Märkte erschlossen würden. So sei Power Systems mit XCMG, einem chinesischen Hersteller von Bergbaufahrzeugen und -ausrüstung, eine vertiefte Partnerschaft eingegangen, was die Position im chinesischen Markt weiter verbessern werde.

Das Geschäftsfeld Energieerzeugung trug laut Mitteilung zum Neugeschäft im ersten Halbjahr 2019 besonders stark bei. Vor allem die Notstromversorgung für missionskritische Anlagen wie beispielsweise Datencenter werde weiterhin stark nachgefragt. Das habe den erwarteten Umsatzrückgang bei Antrieben für die Bau- und Landwirtschaft mehr als ausgeglichen. Dieses Geschäftsfeld hätte im Vergleichszeitraum des Vorjahres hohe Umsätze verzeichnet, da Kunden vor Inkrafttreten neuer Emissionsregeln mehr Motoren als üblich auf Vorrat geordert hätten. „Diese Mischung aus unterschiedlichen Märkten gibt uns Stabilität“, analysiert Finanzvorstand Wolfgang Widlewski. „Mit dem um 15 Prozent gestiegenen Auftragsbestand von 3,335 Milliarden Pfund (3,818 Milliarden Euro) haben wir ein ordentliches Polster, um zu einem guten Gesamtjahresergebnis zu kommen“, so Widlewski weiter.

Serviceanteil wird größer

Noch stärker als das klassische Geschäft mit Motoren sei der Serviceumsatz (plus sieben Prozent) gewachsen. Dazuhabe vor allem der um 27 Prozent gesteigerte Abschluss von Langzeitwartungsverträgen sowie die verstärkte Nachfrage von Ersatzteilen beigetragen. „Unsere Kunden kaufen also nicht mehr nur einen Motor oder ein Antriebssystem, sondern mehr und mehr ein Gesamtpaket inklusive Wartung, das Zuverlässigkeit und Ausfallsicherheit bei kalkulierbaren Kosten bietet“, sagt Vorstandsvorsitzender Andreas Schell. Für die Verbesserung der Servicedienstleistungen treibe Power Systems die Digitalisierung voran. Mittlerweile seien über 3.000 Datenlogger an MTU-Motoren verbaut, die Daten zur digitalen Auswertung erfassen, um beispielsweise durch frühzeitige Wartung Schäden zu vermeiden.

„Unser klassisches Geschäft mit vor allem dieselbasierten Antrieben ist nicht nur unsere derzeitige Ertragsquelle Nummer Eins: Es ist die finanzielle Basis für unsere Transformation vom Motorenhersteller zum Anbieter integrierter Lösungen und damit für unseren Zukunftskurs mit unserer Strategie PS 2030“, betont Andreas Schell. Investitionen in die Elektrifizierungs- und Hybrid-Strategie sowie in neue Motoren haben deshalb für um acht Millionen Pfund (neun Millionen Euro) höhere Ausgaben für Forschung und Entwicklung gesorgt, was einer Steigerung von zehn Prozent entspricht.

Mit neuen Produkten für integrierte Lösungen feiert der Rolls-Royce-Geschäftsbereich laut Mitteilung erste Erfolge: „Bestellungen von 13 MTU-Hybridantrieben für Bahn-Triebwagen aus dem Vereinigten Königreich und Irland zeigen, dass es wichtig und richtig ist, in Zukunftstechnologien zu investieren und dabei einen langen Atem zu haben“, so Schell. Für das baden-württembergische Verkehrsministerium arbeitet Rolls-Royce Power Systems derzeit an einer Machbarkeitsstudie zum Einsatz des MTU-Bahn-Hybridantriebs in Deutschlands Südwesten.

Eigenes microgrid ab Herbst

„Einen weiteren großen Schritt zum Lösungsanbieter haben wir mit der Inbetriebnahme des ersten Microgrids beim Automobilzulieferer Winkelmann in Ahlen gemacht“, erklärt Schell. Die Kombination aus MTU-Blockheizkraftwerken zur Produktion von Strom und Wärme, Batteriecontainer und demnächst auch einer Solaranlage ist das erste Microgrid, an dem Power Systems über die Komponentenlieferung hinaus beteiligt ist. Das erste eigene Microgrid entsteht derzeit auf dem Werksgelände in Friedrichshafen und wird im Herbst eingeweiht. Im dazugehörigen Validierungs-Center werden den Kunden individuelle Kombinationen von unterschiedlichen Energiequellen und deren gemeinsame Steuerung demonstriert. Ein zweites unternehmenseigenes Microgrid wird derzeit im MTU-Werk in Aiken (USA) gebaut.

„Unsere Microgrid- Entwicklungen sind auf dem Weltmarkt auf großes Interesse gestoßen“, freut sich Schell. Allein für den im Frühjahr vorgestellten MTU-Batteriecontainer arbeite das Unternehmen an mehreren Dutzend Angeboten für potenzielle Kunden. Darüber hinaus werde Rolls-Royce in Zusammenarbeit mit seinem Partner Qinous unter der Marke MTU künftig Batteriecontainer mit Kapazitäten von 30 bis 2500 kVA anbieten und damit neue Märkte erschließen. Neben Elektrifizierung und Digitalisierung arbeite Power Systems auch am Einsatz alternativer Kraftstoffe, beispielsweise Gase und flüssige Kraftstoffe, die mit Hilfe erneuerbarer Energiequellen hergestellt sind und somit CO2-neutral eingesetzt werden können.
 

Der Diesel bleibt unverzichtbar

„Wir verabschieden uns nicht vom Diesel, sondern sind überzeugt, dass er auch in Zukunft ein wesentlicher Bestandteil unseres Produktprogramms sein wird – mittelfristig allerdings nicht mehr mit so hohem Anteil wie heute. Weil es zu ihm oft keine Alternative gibt, entwickeln wir ihn immer weiter und haben gerade erst die fünfte Generation unserer MTU-Baureihe 4000 vorgestellt“, erklärt Schell. Hybridantriebe, Gasmotoren, alternative Kraftstoffe, eventuell auch Brennstoffzellen, würden teilweise an dessen Stelle treten. „Wir wollen unseren Kunden jedenfalls die passende Lösung bieten – oft mit, immer öfter ohne Diesel. Deshalb wandeln wir uns, werden neue Lösungen und Produkte bieten, die wir heute noch nicht haben. Das sichert unsere Zukunft“, so Schell.

Weil die dazu notwendigen Fachkräfte aber schwer zu bekommen seien, bilde das Unternehmen etwa 100 Motoreningenieure zu Elektrotechnikfachleuten weiter und bündelt so Knowhow für neue Produkte im eigenen Haus. Auch die Ausbildungsabteilung, die in diesem Jahr ihr 100jähriges Bestehen feiert, ist auf Zukunftskurs. Die neue Ausbildungswerkstatt, die im November eröffnet wird, verfügt nun über einen industriellen 3D-Drucker, damit der Berufsnachwuchs von Anfang an mit neuen Fertigungstechniken vertraut ist. Rund eine Million Euro investiert das Unternehmen in die Zukunft seiner traditionsreichen Ausbildung.

„In den fünf Jahren, in denen wir zu 100 Prozent zu Rolls-Royce gehören, haben wir uns eine starke Position im Konzern erarbeitet“, betont Andreas Schell. „Wir sind nicht nur der zweitgrößte Geschäftsbereich, sondern gelten auch mit unserer Transformation, mit unserer agilen Unternehmenskultur und mit dem Tempo, in dem wir die Veränderungen hervorbringen, als Vorbild. Ab Herbst präsentiert sich der Geschäftsbereich mit einem überarbeiteten Markenauftritt – einer ausgewogenen Kombination der Marken Rolls-Royce und MTU. Rolls-Royce steht dabei als Unternehmens- und Arbeitgebermarke im Mittelpunkt, MTU wird klar als Marke der Produkte und integrierten Lösungen positioniert. „Alle unsere Tochterunternehmen werden künftig Rolls-Royce im Namen tragen. Folgerichtig werden wir im Herbst die größte Tochtergesellschaft, MTU Friedrichshafen GmbH, in Rolls-Royce Solutions GmbH umbenennen. Unsere Produkte und Lösungen werden weiterhin MTU heißen und das MTU-Logo in Verbindung mit dem Zusatz „A Rolls-Royce solution“ tragen. Denn MTU ist die Marke, die unsere Kunden mit uns verbinden“, erläutert Schell den Schritt. Die Marke MTU Onsite Energy für Energielösungen wird in MTU integriert. Neue Beschriftungen an den Gebäuden, neue Arbeitskleidung und ab Herbst ein neuer Internetauftritt sind die ersten sichtbaren Zeichen des neuen Markenauftritts.