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Interview

Mit scharfen Kufen

Vogelsang Blackbird
am Freitag, 26.07.2019 - 12:49

Das 1929 gegründete Unternehmen wuchs in den vergangenen 90 Jahren vom Hersteller für Landmaschinen zum Spezialisten für individuell konfigurierbare Maschinen, Anlagen und Systeme in den Segmenten Abwasser, Agrartechnik, Biogas, Industrie und Verkehrstechnik. Mit neuen technischen Lösungen soll die Gülleausbringung noch effektiver und wartungsfreundlicher werden. Jörg Rath-Kampe hat sich mit Geschäftsführer Harald Vogelsang unterhalten.

Vogelsang entwickelt Lösungen, die individuell auf die technischen Anforderungen der jeweiligen Branche zugeschnitten sind. Zu den im Markt etablierten Produkten gehört die 1970 von Vogelsang erfundene elastomerbeschichtete Drehkolbenpumpe, die kontinuierlich weiterentwickelt wurde. Sie findet heute zum Beispiel in Biogas- und Kläranlagen, in der Landwirtschaft an Tank- und Fasswagen, bei der Vakuum-Entsorgung für Reisezüge, Busse und Schiffe aber auch in immer mehr Industriezweigen Anwendung.

Mit Erfindung des Schleppschlauchgestänges und des Exaktverteilers hat Vogelsang die heutige präzise Gülleausbringtechnik maßgeblich mitgestaltet. Weitere Lösungen wie die anwendungsspezifischen Zerkleinerungstechniken und eine intensive Forschungs- und Entwicklungsarbeit sichern einen technologischen Vorsprung, mit dem Vogelsang in vielen Bereichen zu den Technologie- und Marktführern gehört.

Um die Marktposition zu stärken, hat das Familienunternehmen den Schleppschuhverteiler BlackBird und den Exaktverteiler ECQ neu entwickelt.

Vogelsang wächst insbesondere seit den 1990er Jahren kontinuierlich. Zurzeit beschäftigt das mittelständische, innovative Familienunternehmen knapp 1 000 Mitarbeiter weltweit. Heute produzieren allein in Essen/Oldenburg rund 700 Mitarbeiter auf über 20 000 Quadratmetern Hallenfläche mithilfe von modernen, CNC-gesteuerten Fertigungsmaschinen Vogelsang-Produkte.

Hauptgeschäftsfelder der Vogelsang GmbH & Co. KG sind heute die Pumpen und Zerkleinerungstechnologie für den Agrartechnik-, Biogas-, Industrie- und Abwassersektor, wirtschaftliche Gülleausbringtechnik sowie die Vakuum Entsorgungstechnik für den Sektor Verkehrstechnik. Dank intensiver Forschung und Entwicklung ist das Unternehmen in vielen Bereichen Innovationsführer und setzt mit seinen Produkten nationale und internationale Standards.

Kunden von Vogelsang sind Agrarbetriebe, Bahn- und Busgesellschaften, Biogasanlagenbetreiber, zahlreiche Industrie-unternehmen, Kommunen und Landtechnikhersteller sowie Redereien und Werften.

Über die weitere Entwicklung des Unternehmens haben wir uns mit Geschäftsführer Harald Vogelsang unterhalten.

Geschäftsführer Harald Vogelsang

AGRARTECHNIK: Vogelsang ist Spezialist für Pumpen und Zerkleinerer im Güllebereich und Schmutzwasser sowie Gülleverteiler. Welchen Anteil am Umsatz nimmt das Agrargeschäft ein?
Harald Vogelsang: Etwa 30 Prozent am weltweiten Umsatz.

AGRARTECHNIK: Wie hoch ist die Fertigungstiefe?
Harald Vogelsang: Sehr groß, wir haben nur sehr wenig Lohnzulieferung. Schweißtechnik, Drehen, Fräsen, Umformen und natürlich auch Montagen liegen mit modernsten Maschinen in unserer eigenen Hand.

AGRARTECHNIK: Die Düngeverordnung verschärft die Vorgaben, wie und wann der Landwirt Gülle ausbringen darf. Welche Auswirkungen hat das auf Ihren Geschäftsverlauf und auf die verkauften Geräte?
Harald Vogelsang: Wie in der ganzen Branche ist der Geschäftsverlauf derzeit sehr positiv.

AGRARTECHNIK: Wohin geht der Trend bei den Gülleverteilern?
Harald Vogelsang: Wir erwarten auch nach dem aktuellen Boom einen generellen Zuwachs in Deutschland, aber auch in unseren ausländischen Märkten.

AGRARTECHNIK: Sind Ausstattungen für Biogasanlagen noch ein Thema?
Harald Vogelsang: Da wir über ein extrem gut entwickeltes Produktprogramm für die Nasseinbringung, Zerkleinerung, Fremdkörperabscheidung und Verpumpen verfügen und in den letzten Jahren unsere Geräte noch weiter für die Biogasbranche optimiert haben, haben wir derzeit mehr Umsatz im Biogasbereich als zu den Boomzeiten der Branche. Das liegt allerdings auch am Exportgeschäft. Bei der Modernisierung von Biogasanlagen wird seitens der Kunden im In- und Ausland gerne auf unsere Technik zurückgegriffen.

AGRARTECHNIK: Spezialisten haben oft das Problem, ihr Know-how auf die Vertriebspartner zu übertragen? Welche Wege stehen Ihnen hier offen?
Harald Vogelsang: Unsere Vertriebspartner sind vor allem unsere eigenen Tochtergesellschaften in 25 Ländern der Welt. Naturgemäß ist die Know-how-Übertragung in dieser Struktur einfacher als bei externen Handelspartnern. Da bei uns die technische Betreuung unserer Kunden höchsten Stellenwert hat, fahren wir mit dieser Strategie sehr gut. Alle Vertriebs- und Servicemitarbeiter des Unternehmens werden regelmäßig weitergebildet.

AGRARTECHNIK: Wo liegen Ihre Hauptabsatzmärkte? Wie hoch ist der Exportanteil?
Harald Vogelsang: Für die Agrartechnik vor allem in Zentraleuropa. Moderne Gülletechnik ist bei weitem noch nicht in aller Welt auf dem Standard wie in Deutschland. Die Exportquote des Unternehmens liegt bei etwa 60 Prozent.

AGRARTECHNIK: Sie beliefern mit Ihren Produkten vorwiegend Fasswagenhersteller. Arbeiten Sie auch mit Händlern zusammen?
Harald Vogelsang: Wir arbeiten vor allem mit Herstellern von Fasswagen zusammen. Der klassische Handel hat bei uns eher eine untergeordnete Rolle. Das liegt an der Struktur der Nachfrage. Wir sind vor allem Zulieferer für die Fahrzeugbauer. Der Kunde fragt eher komplette Fahrzeuge als einzelne Verteiler oder Pumpen an. Wir arbeiten mit allen bedeutenden Herstellern in Deutschland zusammen.

AGRARTECHNIK: Wie schnell sind die Gülleverteiler und Pumpen verfügbar, wenn ein Kunde bestellt?
Harald Vogelsang: Das kommt auf die Anfrage an. Bei gewissen Standardprodukten oder Ersatzteilen kann die Lieferung sofort erfolgen. Kundenspezifische Produkte brauchen vier bis acht Wochen. Bei kompletten Ausbringgeräten kann es aber auch bis zu mehreren Monaten dauern.

AGRARTECHNIK: Wie ist die Ersatzteilversorgung organisiert?
Harald Vogelsang: Wir liefern in der Regel am nächsten Tag. Spezielle Teile oder größere Mengen können länger dauern. Ersatzteile sind auch am Wochenende verfügbar.

AGRARTECHNIK: Wo sehen Sie Wachstumspotenziale für Ihr Unternehmen?
Harald Vogelsang: Regional im Großen und Ganzen in allen Ländern der Erde. Bezüglich der Produkte in allen Produktbereichen. Und natürlich betreiben wir intensive Produktentwicklung, die uns zu weiteren Märkten führen soll.

 

Neuheiten:

•    Neues Schleppschuhgestänge BlackBird mit zwölf oder 15 Meter Arbeitsbreite
•    Stabilität durch neue Blattfedern und ihre Schwingungstilgung
•    Aktiver Druck von bis zu zwölf Kilogramm auf die zugespitzte Kufe
•    Exaktverteiler ExaCut ECQ mit     Quickservice-Konzept
•    ECQ mit 50 Prozent weniger Leistungsbedarf und 50 Prozent höherer Standzeit

Jörg Rath-Kampe

Weitere Interviews und Hintergrundberichte finden Sie in der aktuellen Ausgabe der AGRARTECHNIK. Hier geht es zum kostenfreien Probeheft.