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Forschung

ZG Raiffeisen forscht für die Zukunft

Lemken Spritze
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Lukas Arnold, Agrartechnik
am
15.05.2019

Auch in diesem Jahr werden auf dem Zukunftsbetrieb in Maxau bei Karlsruhe wieder diverse sensor- und satellitengestützte Verfahren erprobt, mit denen landwirtschaftliche Betriebsmittel wie Saatgut, Dünger oder Pflanzenschutz möglichst sparsam und umweltschonend angewendet werden können. Im Test sind verschiedene Verfahren für teilflächenspezifische Aussaat, Düngung und Wachstumsregler-Einsatz bei Getreide und Mais sowie Software zur Einhaltung von Abstandsauflagen im Pflanzenschutz.

Versuchsfeld Maxau

Damit geht das Gemeinschaftsprojekt von Landwirtschaftlichem Technologiezentrum Augustenberg (LTZ), Hofgut Maxau und ZG Raiffeisen inzwischen in die zweite Saison. Seit Ende 2017 testen die Projektpartner am Standort digitale landwirtschaftliche Zukunftstechnologien.

„Hier sehen wir die Herausforderungen, vor denen die Landwirte heute bereits stehen und die in den kommenden Jahren immer wichtiger werden“, sagt Jochen Schneider, Geschäftsführer der ZG Raiffeisen Digitale Landwirtschaft 4.0 GmbH. „Diese Herausforderungen sind extrem komplex, die technischen Lösungen dafür müssen aber möglichst einfach zu handhaben sein. Am Ende geht es dabei natürlich immer darum: Rechnet sich der Aufwand in der Praxis für den Landwirt?“

Standard oder Vereinzelung?

Ein Versuchsschwerpunkt sind in diesem Jahr Aussaatverfahren bei Getreide und Mais. Am Beispiel von Sommerbraugerste wird getestet, ob das Aussaatergebnis durch Vereinzelung des Saatgutes verbessert werden kann. Dafür treten ein Fendt Vario 516 mit einer mechanischen Sämaschine Lemken Saphir 8 mit Kreiselegge für das Standardverfahren gegen einen Fendt Vario 724 mit einer pneumatische Sämaschine Horsch Express 3 TD mit Kornvereinzelung am Schar für die Einzelkornaussaat gegeneinander an. Bei beiden Sä-Kombinationen hat die Technik funktioniert wie vorgesehen, der Feldaufgang war sehr gleichmäßig und verlief witterungsbedingt zügig.

Neben der Aussaattechnik wird in einem benachbarten Versuch zur teilflächenspezifischen Aussaat in Sommerbraugerste und Winterweizen erprobt, ob sich der Anbau von Mais oder Getreide optimieren lässt, indem die Aussaatmengen individuell an das Ertragspotenzial des Bodens angepasst werden. Dafür wurden zuvor die Hoch- und Niedrigertragszonen des Schlages durch Biomassezonierung per Satellit ermittelt und daraus eine Applikationskarte für die Aussaat erstellt. Mit dieser Applikationskarte wurde das Terminal des Traktors gefüttert und die Sämaschine angesteuert.

Lemken Spritze

Doppel-Strategie

Für mehr Aussagekraft werden in dem Versuch zwei unterschiedliche Aussaatstrategien verglichen: Differenzierend und homogenisierend. Dafür sät  das Team auf einer Hälfte des Versuchsfeldes bewusst mehr Saatgut in den ermittelten Hochertragszonen aus als in den Niedrigertragszonen, also dort, wo laut Satellitendatenauswertung in der Vergangenheit mehr Potenzial vorhanden war. Bei der anderen Hälfte ist das Verfahren genau umgekehrt. Dieser Vergleich zwischen differenzierendem und homogenisierendem Ansatz soll zeigen, wie diese Bereiche optimal bewirtschaftet werden sollten, und ob sich dadurch Betriebsmittel einsparen oder effektiver einsetzen lassen.

„So wollen wir herausfinden: Was ist denn eigentlich die bessere Bewirtschaftungsstrategie?“, sagt Jochen Schneider. „Das ist mit Sicherheit auch standortabhängig, also vom Boden und natürlich vom Klima. Wir hoffen, dass wir 2019 ein relativ durchschnittliches Anbaujahr bekommen, ohne extreme Nässe oder extreme Trockenheit. Letztendlich, wenn wir teilflächenspezifische Bewirtschaftung machen, machen wir immer auch eine Wette auf die Zukunft. Aber das lässt sich in der Landwirtschaft nie ganz vermeiden.“

Abstand halten!

Ein weiterer Versuchsschwerpunkt sind digitale Assistenzsysteme zur Einhaltung von Abstandsauflagen bei der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln. Landwirte müssen dabei umfangreiche gesetzliche Auflagen beachten, damit umliegende Gewässer nicht verunreinigt werden. Um dies zu verhindern, muss das Spritzgerät genau festgelegte Mindestabstände zu Gewässern, Biotopen oder Saumstrukturen einhalten.

Dabei können digitale Assistenzsysteme helfen, in denen sämtliche Gewässer und Auflagen hinterlegt sind. Der Assistent erstellt für den gewünschten Schlag eine Applikationskarte, mit deren Hilfe die Ausbringung zentimetergenau gesteuert werden kann. Sobald sich der Spritzbalken einem schützenswerten Bereich nähert, wird der Spritzvorgang an der entsprechenden Stelle automatisch unterbrochen und diese Fläche nicht mit dem Mittel behandelt.

Im Versuch kam das Agrimentor-System zum Einsatz, das die Firma Helm für Nutzer ihrer Schlagkartei anbietet. Für den Test hat das LTZ-Team eine fiktive Schutzzone im Versuchsschlag hinzugefügt. Der Assistent steuert die Sirius-Feldspritze von Lemken mit Einzeldüsenabschaltung mittels der erstellten Applikationskarte punktgenau und schaltet je nach Bedarf die einzelnen Düsen zu oder ab. Den Grad der Benetzung zeigen Teststreifen aus Papier, die in regelmäßigen Abständen über das Feld verteilt waren. Und tatsächlich: An den vorgesehenen Stellen sind die Teststreifen komplett weiß geblieben. Alle Abstandsauflagen wurden zuverlässig eingehalten, berichtet die ZG Raiffeisen.

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