Pflanzenbau Permanente Fahrspuren: 5 Fakten zu Controlled Traffic Farming

Controlled Traffic Farming auf dem Betrieb Agrovation © Horsch Bild vergrößern
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Für die einen ist es eine Philosophie, für andere ein Weg zu weniger Bodenverdichtung und Mehrerträgen: Controlled Traffic Farming. Die wichtigsten Antworten zum Pflanzenbau mit permanenten Fahrspuren.

Was ist Controlled Traffic Farming?

Controlled Traffic Farming (CTF) bedeutet, permanente, über Jahre beibehaltene Fahrgassen für alle Arbeitsgänge im Ackerbau und Pflanzenbau zu benutzen. Das Gegenteil ist Random Traffic, also die zufällige Überfahrt über die Flächen. Bei CTF werden die Flächen in einen Fahr- und einen Wachstumsraum getrennt. Der Hintergrund: Die Bodenverdichtungen beschränken sich auf wenige Spuren, der Wachstumsraum wird geschont.

Warum setzen Landwirte auf Controlled Traffic Farming?

Immer größere Maschinen und Achslasten erhöhen den Bodendruck. Er beträgt bei Traktoren und Feldhäckslern rund 70 bis 100 kPa wirkt, bei Mähdreschern, Transportmaschinen, Rübenerntern und Kartoffelrodern zum Teil das Doppelte. Je mehr Fläche verdichtet ist, desto weniger Wasser kann eindringen und gespeichert werden. Das erhöht das Erosionsrisiko und die Anfälligkeit für Trockenperioden. Ein verdichteter Boden kann außerdem weniger Luft führen. Das alles schadet dem Pflanzenwachstum. Zudem steigt der Aufwand für die Bodenbearbeitung.

Wo wird Controlled Traffic Farming betrieben?

Auf den riesigen Schlägen Australiens ist CTF schon seit den 1990er-Jahren verbreitet, aber auch in Europa wird das Verfahren beliebter. In Holland betreiben rund 40 Betriebe Gemüseanbau auf Flächen mit permanenten Spuren. In Großbritannien wird CTF auf rund 15.000 ha eingesetzt, meist in Kombination mit Direktsaat. Dänische Landwirte bewirtschaften eine ähnlich große Fläche mit CTF, auf der vor allem verdichtungsempfindliches Kleegras und Luzerne wächst. Im Gegensatz zur Kunstwiese hat CTF auf Dauergrünland den Vorteil, dass Saat und Bodenbearbeitung entfallen und sich die Arbeitsbreiten leichter abstimmen lassen.

Bringt Controlled Traffic Farming wirklich etwas?

Eine pauschale Antwort ist nicht möglich, da vieles von den individuellen Begebenheiten des jeweiligen Feldes abhängt und der Umsetzung von CTF abhängt. Es gibt verschiedene Studien zur Wirkung von CTF.

  • Unter mitteleuropäischen Ackerbedingungen soll mit CTF ein rund fünf bis acht Prozent höherer Ertrag erzielt werden, im Gemüsebau und Grünland bis zehn Prozent.
  • Im holländischen Gemüsebau wurde festgestellt, dass mit CTF 15 bis 50 Prozent Energie für die Bodenbearbeitung gespart werden und im Frühjahr dreimal so viele Feldarbeitstage zur Verfügung stehen.
  • Die Schweizer Forschungsanstalt Agroscope gibt außerdem an, dass CTF das Infiltrationsvermögen, die Wasserspeicherung und die Luftführung im Boden verbessert und dieser so bei klimatischen Extremen stabilere Erträge liefern kann.

Hat Controlled Traffic Farming auch Nachteile?

Eine der größten Herausforderungen ist die Abstimmung alles Arbeitsbreiten und Spurweiten aufeinander. Besonders schwierig ist das, wenn man mit Lohnunternehmern oder Maschinengemeinschaften zusammenarbeitet. Und auch wenn alle Reifen, Spuren und Arbeitsbreiten zueinander passen, muss man sich meist am Vorgewende entscheiden, ob man überlappen lässt oder nicht bearbeitet. Innerhalb der Fahrspuren, die nicht bearbeitet werden, können Beikräuter wachsen. Außerdem kann das permanente befahren der Spuren zur Rillenbildung führen, was wiederum die Saattiefe verändert.


Controlled Traffic Farming: Beispiele in Theorie und Praxis
  • Controlled Traffic Farming (CTF) bedeutet, permanente, über Jahre beibehaltene Fahrgassen für alle Arbeitsgänge zu benutzen. Dabei werden die Flächen in einen Fahr- und einen Wachstumsraum getrennt, um den Boden zu schonen.

    © Horsch
  • Da die Maschinen immer größer und schwerer werden, müssen Konzepte gegen die Bodenverdichtung entwickelt werden. Bei CTF wird der Druck sehr stark auf eine kleine Fläche, nämlich die Fahrspuren, konzentriert, um die Wachstumszonen zu schonen.

    © Julia Eder
  • Bei Random Traffic (links), also der willkürlichen Überfahrt, wird der Boden relativ gleichmäßig verdichtet. Hier muss der Bodendruck beispielsweise mit breiten Reifen und wenig Reifendruck reduziert werden. Bei Controlled Traffic (rechts) müssen hingegen alle Maschinen auf dieselbe Spurweite gebracht werden und auch die Arbeitsbreiten aufeinander abgestimmt werden.

    © Martin Holpp
  • Die Achsen der Traktoren und Anhänger werden dazu häufig auf rund 3,0 m verbreitert und die Reifenbreite auf etwa 40 bis 60 cm reduziert.Die Arbeitsbreiten sollten ein Vielfaches voneinander sein, um doppelte Überfahrungen oder Überlappungen zu vermeiden, zum Beispiel 4,50 m für die Saat, 9 m für die Ernte, 18 m für den Pflanzenschutz.

    © Bakker/CTF Europe
  • Einige Hersteller bieten bereits verlängerte Abtankrohre an. Schließlich muss der Überladewagen in der nächsten Spur neben dem Mähdrescher fahren.

    © Werkbild
  • Die möglichst schmale Reifenaufstandsfläche erhöht den Schlupf. Raupen können eine Alternative sein. Der Landtechnikhersteller Horsch, der in Tschechien den Betrieb Agrovation gänzlich mit CTF bewirtschaftet, hat sämtliche Maschinen mit Raupen ausgestattet.

    © Horsch
  • Interessant ist CTF auch für Grünland, wo Bodenverdichtungen ohnehin nicht Bodenbearbeitungsgeräten gelockert werden können. Wenige Hersteller haben CTF-Lösungen für Grünland im Programm. Von JF Stoll gibt es beispielsweise einen 12-m-Mähbalken mit Mittenablage.

    © Werkbild
  • Die gesamte Bewirtschaftung auf CTF umzustellen ist zeit- und arbeitsintensiv. Eine Einstiegsmöglichkeit ist CTF light. Dabei werden die permanenten Fahrspuren nur für schwere Fahrzeuge genutzt. Alle Arbeiten, bei denen der Kontaktflächendruck gering ist und der Boden nur wenig verdichtet wird, werden unabhängig von den festgelegten Fahrspuren durchgeführt.

    © Julia Eder