Pflanzenschutz Kommentar: Rote Karte für die Kartoffelanbauer

Erschienen in der LAND & Forst

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In den Landkreisen Emsland und Grafschaft Bentheim ist der Weiße Kartoffelzystennematode aus dem Ruder gelaufen. Dazu LAND & Forst-Redakteur Werner Raupert.

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LAND & Forst-Redakteur Werner Raupert

Das Pflanzenschutzamt der Landwirtschaftskammer Niedersachsen hat in den beiden Hochburgen des Stärkekartoffelanbaus mit dem Vollzug des Pflanzenschutzgesetzes und der Verkündung der Allgemeinverfügung die Notbremse gezogen. Jahrelang haben trotz eindringlichster Warnungen der Offizialberatung viele Bauern die für sie bedrohliche Situation völlig missachtet. Jetzt erhalten sie dafür die Quittung.

Breite Masse der Kartoffelanbauer reagierte nicht

Durch das Nichtstun vieler Betriebsleiter hat sich der Weiße Kartoffelzystennematode nicht nur vermehrt. Viel gravierender ist, dass sich durch die viel zu engen Fruchtfolgen, den Anbau von Sorten ohne oder falsche Resistenz und die Ignoranz, eigene Flächen auf Nematodenbesatz untersuchen zu lassen, die Situation weiter verschärft hat: Es ist zu einer Verschiebung des Pathotyps von Pa2 zu Pa3 gekommen. Nur Sorten mit höchster Resistenzleistung hätten auf betroffenen Flächen angebaut werden dürfen. Das haben aber nur wenige Bauern umgesetzt. Die breite Masse hat nicht reagiert.

Weißer Kartoffelzystennematode spezialisierte sich weiter

Mit guter fachlicher Praxis hat das nichts zu tun. Jetzt müssen alle die Konsequenzen tragen, denn der Schaderreger hat sich weiter spezialisiert und einen völlig neuen Virulenztyp gebildet. Da helfen noch nicht einmal resistente Sorten, denn es gibt sie nicht. Auf 18 Flächen ist der neue Typ bereits im Emsland nachgewiesen worden. Dort ist der Kartoffelanbau vorerst verboten.

Osmers: Situation war vermeidbar

Dr. Karsten Osmers von der LWK-Bezirksstelle Emsland ist jetzt der Kragen geplatzt. Er wirft nicht nur den Kartoffelanbauern vor, das Problem nicht ausreichend berücksichtigt zu haben. Auch die vor Ort tätige Erzeugergemeinschaft Industriekartoffeln und das Unternehmen Emslandstärke tragen seiner Einschätzung nach durch ihre Untätigkeit eine Mitschuld.

Rund 1.500 ha müssten eigentlich noch auf Nematodenbesatz untersucht werden, wenn dort 2017 Pflanzkartoffeln zum Zwecke des eigenen Nachbaus erzeugt werden sollen. Das wird nicht mehr zu schaffen sein. Die Situation, und das ist das Fatale, war vermeidbar. 40 % der Flächen in den beiden Landkreisen sind laut Osmers noch befallsfrei. Auch in angrenzenden Kreisen stehen unbelastete Flächen zur Verfügung. Die Suche nach Ersatzflächen hat aber bisher noch nicht eingesetzt.

Eine Mitschuld tragen auch die Verpächter. Sie profitieren zwar von hohen Pachtpreisen für die Kartoffelersatzflächen. Wegen möglicher finanzieller Einschnitte haben aber auch sie nicht auf die dringend notwendigen Flächenuntersuchungen gedrängt.

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