Login
Im aktuellen Heft

Neue Gülleverordnung: 'Güllewürste' im Futter?

Dieser Artikel ist zuerst in der Braunvieh erschienen.

Jetzt testen und kennenlernen - mit unseren besonderen Angeboten!

rinderzucht-fleckvieh-braunvieh-guelle-ausbringung-guelleverordnung-schleppschuh-bornech
am Montag, 27.08.2018 - 12:34

In Deutschland wird die breitflächige Ausbringung von Gülle ab 2025 im Grünland mit wenigen Ausnahmen verboten. Dann ist die bodennahe und streifenförmige Ausbringung Pflicht. Viele Praktiker sind skeptisch.

Das Ziel ist klar: Der Ammoniakverlust bei der Gülleausbringung soll reduziert werden. Versuche zeigen, dass weniger Ammoniak in die Luft entweicht, wenn die Gülle streifenförmig und direkt am Boden abgelegt wird. Wichtige Aspekte aber werden vernachlässigt, monieren Praktiker und melden sich zu Wort.

Michael Schelle aus Forst bei Weilheim kann sich noch gut an einen Praxisversuch im Rahmen der Fachschule erinnern. Damals wurden rund 30 x 30 cm große Pappmaschee-Eierwaben auf 12 m Breite auf der Wiese ausgelegt, um zu überprüfen, ob die Gülle gleichmäßig auf die gesamte Arbeitsbreite verteilt wird. Das sei wichtig, so wurde es von einem erfahrenen Pflanzenbauer gelehrt, damit der Dünger allen Pflanzen zur Verfügung steht, schnell aufgenommen und gut verwertet wird. Und heute? Der Biobauer, der im Grünlandgebiet einen Milchviehbetrieb mit 60 Kühen bewirtschaftet, runzelt die Stirn und sagt: "Mit der neuen Technik bringt man auf einem Streifen von nicht einmal 5 cm die fünffache Güllemenge aus und lässt dazwischen 20 cm frei. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Nährstoffe hier allen Pflanzen gleichmäßig zur Verfügung stehen."

Güllewürste wachsen mit

guelle-guelleverordnung-guelleweurste-ausbringung-praxis-boden-duengung-braunvieh-rinderzucht

Ortswechsel nach Pforzen im Ostallgäu. Dort betreiben Johann und Markus Ostenried einen Braunviehbetrieb mit 130 Kühen und 180 Stück Jungvieh, bewirtschaftet werden 109 ha, davon sind 60 Prozent Grünland. Der Zuchtbetrieb brachte schon 19 Kühe mit über 100.000 kg Lebensleistung hervor. Ostenrieds sind Kuhleute durch und durch, und gerade deshalb sieht Johann den Zwang, in Zukunft die Gülle nur noch streifenförmig auszubringen, mit Skepsis. Einmal ließen sie versuchsweise Gülle auf einer Teilfläche mit Schleppschuh bodennah ausbringen. Ostenried beobachtete, wie die ›Güllewürste‹ auf dem Gras liegen blieben, mitwuchsen und zum Teil im nächsten Schnitt mit geerntet wurden.

Die Witterung ist entscheiden

Alois Kramer bewirtschaftet in Krün einen Fleckviehbetrieb mit 50 Kühen. "Die richtigen Wetterbedingungen haben einen größeren Einfluss auf die Ammoniakemission als die Ausbringtechnik", ist der Praktiker überzeugt. Bei den derzeit laufenden Versuchen zu den verschiedenen Systemen müsse darauf geachtet werden, dass die Gülle nach guter fachlicher Praxis ausgebracht wird, also wenn möglich vor oder während regnerischem Wetter, am Abend oder am frühen Morgen auf Tau und bei geringeren Temperaturen.