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Tiergesundheit

Blutschwitzer: Impfstoff ist Auslöser

von , am
08.01.2014

Das sogenannte „Blutschwitzen“ bei neugeborenen Kälbern gab lange Zeit Rätsel auf.

Das Blutschwitzen bei Kälbern wird durch einen Impfstoff hervorgerufen, wie Wissenschaftler jetzt herausfanden. © Holsteg
Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat  dazu in den vergangenen 3 Jahren ein Forschungsprojekt an den tiermedizinischen Hochschulen in Berlin, Gießen, Hannover und München gefördert. Unter dem Titel „Ursachenermittlung der Bovinen Neonatalen Pancytopenie“ wurde jetzt der Abschlussbericht im Internet veröffentlicht.

Seit 2007 ist das Krankheitsbild in Europa bekannt. In der Folge hat das Pharmaunternehmen Pfizer (jetzt Zoetis) 2010 den Impfstoff vom Markt genommen. Im Jahre 2011 traten auch erste Fälle in Neuseeland auf, woraufhin auch hier der Impfstoffverkauf gestoppt wurde.

Die Erkrankung  zeigt sich bei Kälbern innerhalb der ersten 3 Lebenswochen durch Schwäche und sichtbare Blutungen auf der Haut. Die betroffenen Kälber verbluten innerhalb weniger Tage und eine Therapie bringt nur sehr selten Heilung.

Das jetzt veröffentlichte Forschungsprojekt unter der Leitung von Prof. Klaus Doll von der Justus-Liebig-Universität Gießen kommt zu dem Schluss, dass der Impstoff PregSure®BVD ursächlich für das Krankheitsbild bei den Kälbern verantwortlich ist. Dabei konnten die Forscher u.a. zeigen, dass der Impfstoff neben dem erwünschten BVD-Virus auch fremde Rinderzellen enthält. Die Rinderzellen stammen von der Zellkultur, die für die Vermehrung des Virus bei der Herstellung notwendig ist. Durch die Impfung wurden die Rinder nicht nur gegen BVD immunisiert, sondern auch gegen die Rinderzellen aus der Zellkultur.

Geimpfte Tiere zeigen selbst keine Krankheitserscheinungen, aber sie verfügen über unerwünschte Antikörper (Abwehrstoffe) gegen fremde Rinderzellen. Geimpfte Muttertiere übertragen diese unerwünschten Antikörper auf das Kalb und können damit das Krankheitsbild des Blutschwitzens auslösen. Ob die Krankheit ausbricht, hängt in erster Linie vom „Verwandtschaftsgrad“ von Kalb und Mutter bzw. Vater und der Zellen aus der Zellkultur ab.

Bei erkrankten Kälbern fehlen die für die Blutgerinnung erforderlichen Blutplättchen (Thrombozyten). Die über das Kolostrum von der Mutter aufgenommenen Antikörper führen zu einer Zerstörung der Blutplättchen und der blutbildenden Zellen im Knochenmark. Durch die Schädigung des Knochenmarks ist nicht nur die Produktion der Blutplättchen gestört, sondern auch weiße Blutzellen (Leukozyten) werden nicht mehr in ausreichender Menge gebildet.

Ohne weiße Blutzellen ist der gesamte Organismus immungeschwächt und damit einer erhöhten Infektionsgefahr ausgesetzt. Daher müssen in PregSure®BVD-geimpften Herden häufiger Behandlungen bei den Kälbern durchgeführt werden. Dies wurde durch die Arbeitsgruppe aus München beschrieben und bestätigt auch die Erfahrungen aus dem Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Riswick der Landwirtschaftskammer NRW. 

Auch 3 Jahre nach dem Verbot des Impfstoffes treten immer noch Fälle auf. Betroffen sind Kälber von alten geimpften Kühen. Daher muss in PregSure®BVD-geimpften Betrieben weiterhin das Kolostrum geimpfter Kühe verworfen werden, um die Kälber vor der Erkrankung zu schützen. Geimpfte Kühe produzieren wahrscheinlich lebenslänglich gefährliches Kolostrum.

Durch einen Beitritt in die Interessengemeinschaft Blutschwitzer können berechtigte Ansprüche gebündelt und geltend gemacht werden. Durch das jetzt veröffentlichte Gutachten des BLE sind die Chancen gegenüber dem Hersteller einen finanziellen Ausgleich durchzusetzen sehr gut. © Dr. Mark Holsteg, Rindergesundheitsdienst/Bonn
 
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