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Tiergesundheit

Krank durch Trockensteller

Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit
am
18.07.2016

Nach der Anwendung des Trockenstellers Velactis der Firma Ceva wurden schwere Nebenwirkungen, zum Teil mit Todesfolge gemeldet.

Der Trockensteller Velactis mit dem Wirkstoff Cabergolin ist ein zentral über die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) zugelassenes Tierarzneimittel. Der Zulassungsinhaber CEVA Santé Animale hat im Juni 2016 die EMA darüber informiert, dass nach der Anwendung von Velactis schwerwiegende Nebenwirkungen bei Milchkühen, zum Teil mit Todesfolge gemeldet wurden.

Die bisherige Auswertung ergibt, dass für Velactis in der relativ kurzen Zeitspanne seit Markteinführung von März 2016 bis Ende Juni 2016 insgesamt 114 Meldungen zu 185 betroffenen Milchkühen mit teilweise schwerwiegenden Nebenwirkungen bei der EMA eingegangen sind. 21 Meldungen berichten vom Tod der betroffenen Tiere. In Deutschland sind bisher 13 Meldungen mit 20 betroffenen Tieren und 4 Todesfällen aufgetreten. Hauptsächlich werden in den Meldungen die Symptome Festliegen, Hypothermie, Hypokalzämie, Funktionsstörungen des Pansens, Diarrhö, periphere Durchblutungsstörungen (kalte Extremitäten), Ataxie und Adipsie genannt. Der kausale Zusammenhang ist zurzeit noch nicht bekannt und wird geprüft. Es besteht der Verdacht, dass Velactis einen negativen Einfluss auf die Stoffwechsellage der Tiere hat.

Die Mehrzahl der Fälle trat in Dänemark auf. Dort wurde das Produkt erstmals in der EU in den Verkehr gebracht. In Dänemark und den Niederlanden wurde ein befristetes Verbot des Inverkehrbringens und der Anwendung angeordnet. Auf Europäischer Ebene wird nach weiterer Analyse der Daten und Anhörung des Zulassungsinhabers eine für alle Mitgliedstaaten verbindliche Entscheidung zum Zulassungsstatus in der EU voraussichtlich noch im Juli  getroffen.

Die Firma CEVA Santé Animale hat den weiteren Vertrieb von Velactis vorübergehend eingestellt. Für die bereits im Umlauf befindlichen Präparate, die eventuell zur Anwendung kommen können, hat die Firma als zusätzliche Information den Tierärzten einen Leitfaden zur Risikominimierung bei der Anwendung zur Verfügung gestellt. Die Firma weist darin besonders auf bestimmte vermutete zusätzliche Risikofaktoren hin. So soll zum Zeitpunkt des Trockenstellens und davor keine Futterumstellung stattfinden. Die Tiere müssen jederzeit ausreichend Zugang zu Futter und Wasser haben. Zusätzliche Stressfaktoren, wie Neugruppierungen der Tiere, starke Hitze oder ein Stallwechsel sollen vermieden werden. Melkfrequenz und -routine sollen bis zum letzten Melken beibehalten werden.

 

Foto Startseite: Astrid Gast (Fotolia.com)

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