Login
2. Braunvieh-Stammtisch

Von Jane of Vernon bis zu Schrago

Josef Berchtold, Fleckvieh
am
05.02.2016

Hans Grath, Martina Heckenberger, Hermann Zuchtriegel und Emil Zwingli waren die besonderen Gäste beim kurzweiligen Stammtischabend am vergangenen Dienstag (2. Februar 2016) am Berghof Babel.

Martina Heckenberger ist die Vorsitzende des RBW-Rasseausschusses Braunvieh, der darüber entscheidet, welche Stiere in die Besamungsempfehlung kommen. Hier hat also ein gewähltes Gremium von Züchtern das letzte Wort beim Stiereinsatz. Sie setzt stark auf die Jugend – hinsichtlich der Jungzüchter genauso wie im Betrieb, wo fast nur genomisch besamt wird. Überrascht zeigten sich viele Gäste darüber, dass im RBW-Gebiet anders als in Bayern die Bauern selbst keine Stierkälber typisieren dürfen. Die strenge RBW-Regelung gilt für Holstein übrigens bundesweit.

Züchter Hans Grath aus Engenberg zeigte sich als Kritiker der Indexzucht und forderte, Prüfstiere nur aus langlebigen, sehr gesunden, fruchtbaren und exterieurstarken Kuhfamilien anzukaufen. In Zuchtwerte, zumindest von jungen Stieren und Kühen, hat er kaum Vertrauen, umso mehr in starke Kuhfamilien. Seine Traumkuh bis heute: Jane of Vernon 1928-1945 ("Bei der wär ich auf die Beerdigung gegangen").

Die Euphorie bei den genomischen Stieren ist vorbei, schilderte Greifenbergs Stationsleiter Hermann Zuchtriegel seine aktuelle Erfahrung. Er zeigte sich nicht als Gegner von Genomik, und richtig angewendet bringe sie auch mehr Fortschritt, aber der starke Einsatz einzelner Stiere ist gefährlich. Zuchtriegel sprach sich für einen stärkeren Prüfstiereinsatz aus (im Grundeinsatz möglichst unselektiert, nicht beworben und im Breiteinsatz). Kurz: Greifenberg will wieder mehr Stiere testen. Die Wahrscheinlichkeit, dadurch später auch Top-Töchtergeprüfte anzubieten steigt damit an.

Der Schweizer Züchter Emil Zwingli setzt sich für mehr Wettbewerb und eine liberale Zucht ein. Mit Blick auf den deutschen Markt sieht es Zwingli positiv, dass der Rasseverband (nur eine Organisation für das ganze Land) nicht zustande gekommen ist, das hätte den Wettbewerb komplett ausgeschaltet. Jede Station sollte die besten Stiere suchen – "Wildern muss erlaubt sein". Für die Schweiz wünscht er sich weiterhin und künftig wieder mehr Wettbewerb. „Über die Grenzen schauen, wie Zucht und Landwirtschaft bei anderen Rassen und in anderen Ländern abläuft“, so sein glühender Appell an die Jugend. Mit anderen Worten: Ab ins Ausland und mit neuen Ideen und voller Schwung zurückkommen.

Mehr zu den vier Gästen finden Sie in unserem Landlive-Thema. Übrigens, dort können Sie sich auch mit anderen Züchtern und Landwirten austauschen oder interessante Diskussionen führen. Einen Themenüberblick in der Braunvieh-Gruppe finden Sie hier. Anmelden können Sie sich direkt auf www.landlive.de!

Auch interessant