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Tierzucht

Neues Zuchtziel in Diskussion

von , am
29.10.2015

Das Zuchtziel beim Braunvieh für Deutschland und Österreich wird überarbeitet.

Bei einer Veranstaltung für die bayerischen Züchter in Betzigau am Donnerstag, 15. Oktober, stellte Dr. Christian Fürst von der ZAR den aktuellen Diskussionsstand und 5 der diskutierten Varianten des neuen Gesamtzuchtwertes (GZW) vor. Der GZW ist quasi die 'mathematische Definition des Zuchtzieles'. Beschlossen wird der neue GZW am 24./25. November 2015, umgesetzt werden soll er mit der April- Zuchtwertschätzung 2016. Neu eingeführt wird ein Vitalitätszuchwert (VIW), der neben Totgeburten und Verendungen bis zum 2. Lebenstag auch die Aufzuchtverluste bis zum 15. Lebensmonat berücksichtigt.
 
Doch was wollen die Bauern? Mehr Milch, mehr Fleisch, mehr Fitness? In einer lebhaften Diskussion forderte Josef Arnold/Stadl die Gewichtung der Milch müsse unbedingt gehalten werden. Auch AHG-Vorsitzender Norbert Meggle möchte noch mehr Druck in der Leistung mit 50% Gewichtung auf Milch. Thomas Fleschutz und Thomas Socher kommt die Persistenz in den Vorschlägen zu kurz. Herbert Babel sähe auch das Exterieur gerne im GZW, andernfalls würde er Milch und Fitness mit jeweils 50 % wichten, ähnlich die Meinung von Gerhard Metz. Für Arthur Kolb muss weiter die vitale Braunviehkuh im Mittelpunkt stehen, kein Kompromiss also in der Fitness.
 
Doch den Wunderwaffen-Zuchtwert gibt es nicht, die Lösung, bei der Braunvieh links die Holsteins in der Milch und rechts das Fleckvieh im Fleisch überholt. Und das braucht es auch nicht: Braunvieh ist die eiweißstarke langlebige Fitnessrasse, die noch mehr an ihrem eigenen Profil arbeiten sollte. Auch das wurde bei der Diskussion angesprochen, wenngleich man der Milchschiene am meisten Gewicht einräumte. Das Fleisch könnte bei der bisherigen Gewichtung bleiben. Das Exterieur wird wohl auch weiter nicht in den GZW kommen, hier setzen Stationen und noch mehr die Bauern bereits ihre Mindeststandards, sodass diese Merkmale auch ohne GZW bearbeitet werden.

In einer der diskutierten Varianten wird die Töchterfruchtbarkeit bei nur 2 % Erblichkeit mit 20 % im GZW verankert. Macht das Sinn? Auch hier gab es Stimmen, die Gewichtung geringer zu halten und den wirtschaftlich wichtigen Merkmalen mit hoher Erblichkeit nicht zu viel Platz zu rauben. Extrem schlechte Stiere in der Töchterfruchtbarkeit könne man über Mindestwerte ausschließen. Bei Melkbarkeit oder Kalbeverlauf wurde darüber diskutiert, diese künftig aus dem GZW herauszunehmen, ein Stier mit 80 ZW Melkbarkeit kommt eh nicht in den Einsatz.  

Ganz ohne Zahlen geht eine Diskussion um einen neuen GZW nicht. Die 'gefühlte Mehrheit' in Betzigau sprach sich für eine Gewichtung von Milch : Fleisch : Fitness von 50 : 5 : 45 (bisher 48 : 5 : 47) aus. Größer sind die Änderungen in Einzelmerkmalen, das Eiweiß wird weniger und das Fett deutlich stärker gewichtet als bisher, die bisherige Gewichtung von 10 : 1 sei immer politisch, nie betriebswirtschaftlich fundiert gewesen. Der Vitalitätswert wird die Totgeburtenrate ablösen. Bei aller Zahlenspielerei: "Das Zuchtprogramm umzusetzen ist die Sache von Zuchtverbänden und Züchtern", sagte die Züchterin Martina Heckenberger zum Abschluss, "und wenn wir mehr Milch wollen, dann müssen wir halt diese Stiere mit einem hohen Milchzuchtwert einsetzen!"  

Für alle, die es genauer wissen wollen: Die nebenstehende Tabelle zeigt 5 der aktuell diskutierten Varianten mit ihrer unterschiedlichen Gewichtung (linke Tabellenhälfte) und dem daraus resultierenden Selektionserfolg. Zum Vergrößern auf die Tabelle klicken; sie öffnet sich in einem neuen Fenster. © Text und Foto: Josef Berchtold
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