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Wirtschaft

EU: Skepsis gegenüber verpflichtender Herkunftsangabe von Milchprodukten

von , am
17.06.2015

Die Europäische Kommission steht einem aktuellen Berichtsentwurf zufolge einer verpflichtenden Herkunftskennzeichnung von Milch und Milchprodukten eher skeptisch gegenüber.

In dem Papier räumt die Kommission ein, dass Verbraucher durchaus Interesse an zusätzlichen Herkunftsinformationen für die behandelten Produkte hätten, vor allem für die Angabe des Ursprungslandes, sie jedoch nur eine bescheidene Zahlungsbereitschaft für diese Information aufwiesen.
 
Gerade für kleinere Molkereien, die ohnehin bevorzugt regional beliefert werden, befürchtet die Kommission beträchtliche Mehrausgaben für neue Rückverfolgbarkeitssysteme. Eine Pflichtherkunftsangabe für die Milch in verarbeiteten Produkten wiederum könnte nach Ansicht der Kommission durch die Gewährleistung der Rückverfolgbarkeit zu wirtschaftlichen Nachteilen und mehr Bürokratie führen.
 
Die Brüsseler Behörde ist durch die EU-Verordnung zur Lebensmittelinformation für Verbraucher gehalten, Kosten-Nutzen-Analysen zu Pflichtkennzeichnungen einer Reihe von Produktgruppen anzufertigen.
 
Unterdessen bekräftigte der EU-Milchindustrieverband (EDA) seine Ablehnung einer verpflichtenden Herkunftsangabe für Milchprodukte. In einem aktuellen Positionspapier weist der EDA darauf hin, dass sich die Mehrkosten einer solchen Maßnahme am Ende in Preiserhöhungen für den Verbraucher oder Erlöseinbußen für den Landwirt niederschlügen. Während ein Stück Fleisch einem Einzeltier zugeordnet werden könne, stamme der Inhalt eines Kartons Milch von verschiedenen Kühen mehrerer Betriebe und möglichweise aus unterschiedlichen Regionen. Auch grenzüberschreitender Handel sei möglich. Die notwendige Information sei sehr komplex und nicht immer praktikabel. Ihre Relevanz für den Verbraucher könne in Frage gestellt werden.
 
Ferner warnt der EDA u.a. vor negativen Umweltauswirkungen einer solchen Maßnahme, beispielsweise durch den höheren Reinigungsbedarf der Anlagen zwischen der Verarbeitung von Milch verschiedener Herkünfte oder durch die Schaffung zusätzlicher Lagerkapazitäten. © Text: AgE / Foto: flashpics (Fotolia.com)
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