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Editorial im neuen Heft

Die wahren Tierschützer

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Josef Berchtold, Fleckvieh
am
24.04.2019

Über die Landwirte bricht derzeit einiges herein: In Bayern bringt das Volksbegehren 'Rettet die Bienen' neue Auflagen, die teilweise mit guter fachlicher Praxis wenig zu tun haben. Die Umwandlung von Grünland zu Ackerland wird jetzt auch kraft Naturschutzgesetz verboten.

Wenn es aber in einigen Jahren durch Pflanzenzucht oder eine längere Vegetation an den jetzigen Grenzstandorten Sinn machen würde, einen Teil der Flächen als Ackerland zu bewirtschaften? Pech gehabt. Auf einer Veranstaltung über Artenvielfalt regten sich sogar Befürworter des Volksbegehrens darüber auf, sie wollten nämlich Blühflächen auf einer Wiese anlegen.

In Tirol wird ein Landwirt zu einer hohen Geldstrafe verurteilt, weil er den Fußweg, der durch seine Almwiese verläuft, nicht durch eine zusätzliche Einzäunung abgrenzte. Eine Urlauberin, die mit ihrem Hund den Weg benutzte, kam ums Leben, was tragisch ist. Was aber ist mit der Eigenverantwortung? Wünschen sich die Urlauber Vollkaskoschutz im Alpenraum? Zum Glück bekam die Almwirtschaft schnell Rückendeckung durch die Politik. Jedem ist klar, wie sich der Alpenraum verändert, wenn die Bauern im großen Stil ihre Almflächen sperren.

Zur Düngeverordnung, wieder so ein deutsches 'Meisterstück' auf Druck der EU: Da darf ein Landwirt nur 170 kg/ha Stickstoff aus organischen Düngern ausbringen, auch wenn seine fünfschnittigen Wiesen einen Entzug von beispielsweise 250 kg/ha haben. Den restlichen Bedarf darf er durch Mineraldünger decken, aber nicht durch Mist und Gülle aus dem hofeigenen Kreislauf. Bitte nicht über den Sinn nachdenken.

Die Themen lassen sich fortsetzen

Die Ausbreitung des Wolfes mit allen Folgen für die Alm- und Weidewirtschaft etwa oder die pauschale Kritik an der Landwirtschaft seitens der Tierschützer …. Doch halt!

Der Tierschützer? Wer sind eigentlich Tierschützer? Sind das nicht die Bauern, die sich jahrein, jahraus um das Wohlergehen ihrer Kühe, Rinder oder Schafe kümmern? Die an Wochenenden und in der Urlaubszeit für ihr Vieh da sind? Die selbst zurückstecken, wenn ein Tier krank ist oder ein Kalb geboren wird?

Oder sind das einige Aktivisten von teilweise ideologisch geleiteten Organisationen, die noch nie erlebt haben, mit wie viel Fürsorge sich die Menschen auf unseren Höfen um die Tiere kümmern? Die sich für die Ausbreitung des Wolfes stark machen und denen die gerissenen Kälber und Schafe scheinbar egal sind? Die zum Teil schon aus Prinzip gegen die Nutztierhaltung sind und somit das Leben unserer Kühe eigentlich erst verhindern möchten?

Eines ist klar: Die wahren Tierschützer sind unsere Bäuerinnen und Bauern. Und das sollten wir in unserem eigenen Wortschatz beherzigen!

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