Login
Selektives Trockenstellen

Projekt RAST

 rinderzucht-braunvieh-eutergesundheit-proben.jpg
Ariane Haubner, Rinderzucht
Ariane Haubner, Fleckvieh
am
09.01.2019

Selektives Trockenstellen und somit die Einsparung von Antibiotika ist bei optimalem Management ohne Beeinträchtigung der Herdeneutergesundheit möglich, so das Ergebnis des Projektes ›RAST‹, das von der LfL durchgeführt wurde.

Wenn man ansonsten nichts berücksichtigt, ist die Kombination von Trockensteller und Zitzenversiegler nach wie vor am effektivsten, um gegen Eutererkrankungen in der Trockenstehzeit vorzugehen. Doch immer mehr Landwirte sehen diesen generellen Einsatz von Trockenstellern kritisch und möchten daran gerne etwas ändern. Im Projekt ›RAST‹ (Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes beim Milchvieh durch selektives Trockenstellen), das im April 2015 unter Federführung der LfL startete, stellten sich 18 nach bestimmten Kriterien vorselektierte Testbetriebe, zunächst unter intensiver Betreuung, einer strengen Routine, an deren Ende schließlich die Trockenstellentscheidung für das Einzelstier stand. Insgesamt konnten von 1267 Tieren 42 Prozent ohne antibiotischen Trockensteller trocken gestellt werden. Allerdings war die Spannbreite trotz der Vorselektion der Betriebe nach bereits guter Eutergesundheit mit einem Anteil von 15 bis 71 Prozent relativ groß. Auf der Einzeltierebene konnten keine Unterschiede bezüglich der Neuinfektions- und Heilungsraten zwischen den Tiergruppen mit und ohne Antibiotika trockengestellt festgestellt werden.
 

Voraussetzungen zum Selektiven Trockenstellen

Für das selektive Trockenstellen müssen bei der Eutergesundheit auf Herden-
ebene erst einige Voraussetzungen erfüllt sein, damit die Aussichten auf Erfolg auch gegeben sind. Die Herdenzellzahl muss die vergangenen drei Monate (MLP-Kontrolle) unter 200 000 liegen oder unter 250 000 in zwei der letzten drei Monate (MLP-Kontrolle). Es darf kein Sanierungsprogramm für Staph. aureus laufen und es sollte kein ausgeprägtes Staph. uberis Problem im Bestand vorhanden sein. Außerdem muss der Bestand frei von Strep. agalactiae (Galt) und Strep. canis sein. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, kann nach dem Entscheidungsbaum vorgegangen werden. Die Entnahme der Viertelgemelksproben muss unter aseptischen Bedingungen stattfinden.

 

Vor- und Nachteile

Durch den geringeren Trockenstellereinsatz konnten die Betriebe auf der einen Seite Kosten einsparen. Auf der anderen Seite entstanden aber Kosten durch die bakteriologischen Untersuchungen und deren Versendung sowie die häufig verwendeten Zitzenversiegler, die in Summe die Einsparungen meist übertrafen. Langfristig, so der Projektbetreiber, könne man aber einen monetären Nutzen durch frühere Mastitiserkennung, Selektion chronisch kranker Kühe, gezielterer Wirkstoffauswahl sowie einen besseren Überblick über die Eutergesundheit der Herde ziehen.

Doch auch einige Nachteile wurden angeführt: Neben den Mehrkosten für die bakteriologischen Untersuchungen sowie die Anwendung von Zitzenversieglern wurde auch der größere zeitliche Aufwand genannt.

Mehr  dazu lesen sie im aktuellen Heft von Rinderzucht  Braunvieh 1/2019.

Auch interessant