Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Interview mit Matthias Süess

Brown Swiss Masters: Alles über die neue Schweizer Tierschau

Matthias Süess ist OK-Präsident der Brown Swiss Masters, einer nationalen Tierschau in Sargans.
am Mittwoch, 18.01.2023 - 15:30

Am Sonntag, 5. März findet in Sargans im Kanton St. Gallen die „Brown Swiss Masters“ statt, eine privat organisierte Tierschau.

Die Meldung verbreitete sich wie ein Lauffeuer: Im Tierschauland Schweiz, in dem zuletzt drei große nationale Schauen auch nach Corona nicht mehr durchgeführt wurden, wird eine neue nationale Brown-Swiss-Schau ins Leben gerufen: Die Brown Swiss Masters. Am 5. März richtet Stefan Klocker in der Markthalle in Sargans die besten Schweizer Erstmelkkühe Brown Swiss und Original Braunvieh. Ab dem nächsten Jahr soll es eine offene Nationalschau auch für ältere Kühe werden. Rinderzucht Braunvieh sprach mit OK-Präsident Matthias Süess.

Rinderzucht Braunvieh: Mit der „Brown Swiss Masters“ wird ein neues Schauformat ins Leben gerufen. Warum das?

Matthias Süess: Zuletzt wurden in der Schweiz die Swiss Expo, die Betriebsmeisterschaft und die Gotthard Open nicht mehr durchgeführt, aus unterschiedlichen Gründen. Im Jahr 2023 wäre die IGBS-Schau die einzige Schweizweite Ausstellung gewesen. Viele Züchter in unserem Land sind aber schaubegeistert und diese Lücke möchten wir wieder füllen. Die ersten Reaktionen sind durchwegs positiv, viele freuen sich auf diese neue Tierschau.

Brown Swiss Masters Titelblatt_AS

Rinderzucht Braunvieh: Die Brown Swiss Masters ist als Erstmelkschau ausgeschrieben, richtig?

Matthias Süess: Ja, aber das gilt nur für dieses Jahr. Ab 2024 soll die Schau als nationale Tierschau für alle Altersgruppen stattfinden, von der Erstmelkkuh bis zur Dauerleistungskuh.

Organisiert von sieben Züchtern

Rinderzucht Braunvieh: Wer steckt hinter diesem neuen Schaukonzept?

Matthias Süess: Die Schau wird auf privater Ebene organisiert, also nicht von einem Verband. Das Organisationskomitee besteht aus sieben Personen. Neben mir sind das die Züchter Paul Caduff, zuständig für Sponsoring, Christian Schneider, zuständig für Bau/Infrastruktur und Marco Wildhaber, der sich um die Festwirtschaft kümmert. Der Jungzüchter Jonas Kessler organisiert den Bereich Schauwesen und Manuel Mannhart, ein weiterer junger Züchter, die Bar sowie ebenfalls den Bau, also zum Beispiel das Zelt und die Aufstallung. Außerdem ist noch Daniela Bonderer im Team, sie kümmert sich um die Administration und um PR. Sie hatte auch die Idee für den Namen der Schau.

Braunvieh: Was waren hier die Überlegungen?

Süess: Wir hatten zuerst den Namen „National Brown Swiss Show“. Dann kam Daniela zur ersten Sitzung mit einem Entwurf fürs Logo und dem Namen „Brown Swiss Masters“. Das hat uns alle gleich besser gefallen.

Stefan Klocker ist Richter

Braunvieh: Wie ist das Programm und wer richtet?

Stefan Klocker richtet die Brown Swiss Masters in Sargans. Seine Tochter Angelina war zuletzt mehrmals als Ringwoman dabei.

Süess: Am Samstag Nachmittag beginnt die Anlieferung der Tiere und am Samstag Abend ist eine Party mit Bar. Die Schau beginnt dann am Sonntag, vermutlich um 10 Uhr. Preisrichter ist Stefan Klocker aus Tirol.

Braunvieh: Wenn schon der Preisrichter aus Österreich kommt, dürfen dann auch Kühe aus den Nachbarländern aufgetrieben werden?

Süess: In diesem Jahr nicht, da ist es eine reine Schweizer Schau.

Braunvieh: Wie viele Tiere erwartet ihr?

Süess: In diesem Jahr denken wir nicht mehr als 100. In den nächsten Jahren dann mehr.

Braunvieh: Warum geht ihr auf den Sonntag als Schautag? Das ist in der Schweiz eher unüblich.

Süess: Tatsächlich ging es in diesem Jahr nicht anders. Wir waren sehr spät dran mit unserer Entscheidung, die Schau durchzuführen, die erste Sitzung war am 28. Dezember. Einen Tag vor unserer Schau ist noch die Jersey-Night, eine Woche danach ist der Junior Contest und zwei Wochen danach die St. Galler Züchtergruppenshow. Die Halle ist also gut ausgebucht. Zudem erwarten wir an einem Sonntag viele Zuschauer und ganze Familien, die vorbeischauen. Ob wir dann auch in den nächsten Jahren auf den Sonntag gehen, ist noch nicht entschieden. Wir schauen einmal, wie es dieses Jahr läuft.

Braunvieh: Ihr seid am 17. Januar mit dem Schaukonzept an die Öffentlichkeit gegangen. Gibt es schon Anmeldungen?

Süess: Ja, es läuft gut an. Ich habe die Rückmeldung erhalten, dass das Natel für die Anmeldung auf Hochtouren läuft. Das freut uns natürlich, zumal ein Startplatz ja auch 100 Franken kostet.

Braunvieh: Was sind die Anforderungen zur Teilnahme?

Süess: Es gibt keine Mindestanforderungen, jeder darf seine schönste Kuh bringen, ohne Leistungs- oder Zuchtwertanforderungen.

Diskussion um Mindestanforderungen

Braunvieh: Das Schauwesen ist ja zum Teil deshalb in Kritik, weil viele Betriebe dadurch zu stark das Exterieur in ihre züchterischen Entscheidungen einbeziehen. Wenn ihr keine Anforderungen stellt, wird das noch verstärkt, oder wie siehst Du das?

Süess: Ich sehe es schon anders. Zum einen denke ich, dass richtig erfolgreiche Schaukühe auch viel leisten, weil sie sonst zu rund und zu wenig fein sind und zuwenig Eutervolumen haben. Zu einer schönen Kuh gehört auch eine ordentliche Milchmenge.

Zudem haben wir ein Problem mit Anforderungen zur Milchmenge: Die Betriebe in den guten Futterbaustandorten haben mit Mindestleistungen nie ein Problem. Wir haben aber auch Biobetriebe im Berggebiet, und bei Bio dürfen neu nur 5% der Futter-Trockenmasse als Kraftfutter gegeben werden. Diese Betriebe erreichen nie diese hohen Leistung. Insofern sind Mindestleistungen auch ungerecht und spiegeln in keinster Weise die genetische Veranlagung alleine ab, weil sie sehr stark von der Fütterung beeinflusst sind.

Kritik am GZW

Braunvieh: Denkst Du, dass die Schau einen neuen Schwung für die Rasse Brown Swiss gibt?

Süess: Neuer Schwung ist wohl der falsche Ausdruck. Es gibt aber viele motivierte und schaubegeisterte Züchter, die sich gerne Tiere von der Rasse in den Stall stellen wo auch schaumäßig einiges geboten wird. Und hier können wir helfen.

Der Druck auf die Rasse hat meines Erachtens andere Hintergründe: Das Aufzuchtgebiet zum Beispiel in Graubünden bricht teilweise weg, weil dort immer mehr Betriebe auf Mutterkühe setzen. Zudem wird sehr viel mit Fleischrassen besamt.

Vor allem aber finde ich, dass sich der Gesamtzuchtwert falsch zusammensetzt. Den meisten Bauern sind in erster Linie die Milchmenge, das Euter, der Zellgehalt und die Fruchtbarkeit wichtig, diese Merkmale sollte man stärker im GZW wichten und dafür die Inhaltsstoffe zurücknehmen.

Außerdem finde ich, dass wieder mehr Söhne von töchtergeprüften Stieren getestet werden sollten. Diese schnelle Geschwindigkeit in der sehr stark genomisch geprägten Zucht kostet Sicherheit und führt dann immer wieder zu Enttäuschungen. Wir sollten auch auf die Sicherheit wieder mehr achten.