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Im neuen Heft

Blickpunkt: Zurück zur guten fachlichen Praxis

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am Montag, 23.12.2019 - 08:54

Der Blickpunkt im neuen Heft: Seit fast 25 Jahren gibt es die Zeitschrift Rinderzucht Braunvieh. Die Milchbauern hatten in diesem Vierteljahrhundert Hochs und noch mehr Tiefs und die Bürokratie nahm zu. Das, was aber derzeit über die Bauernfamilien hereinbricht, gab es früher nicht.

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Die Berufsgruppe, die die Bevölkerung mit hochwertigen und zugleich preiswerten Lebensmitteln versorgt, die unsere herrliche Kulturlandschaft gestaltet und pflegt und die sich mehrheitlich mit großer Liebe um ihren Tierbestand kümmert, wird an den Pranger gestellt: Umweltverschmutzer und Tierquäler – das ist das Bild, das einige NGOs, Medien, Verbände und Politiker über die Landwirtschaft zeichnen. Die fehlende Wertschätzung und die zunehmend praxisfremden Forderungen belasten die Bauernfamilien enorm.

Wohl ist es legitim, dass die Arbeitsweise hinterfragt wird, auch in der Landwirtschaft. Das, was aber Politiker und Behörden, getrieben von zum Teil ideologischen Gruppierungen, in die Welt setzen, um die Landwirtschaft 'besser' zu machen, lässt häufig Sachlichkeit vermissen, kostet den Bauern Unsummen und sorgt für Resig­nation, gerade bei den kleineren Betrieben.

Nur ein paar Beispiele: Beim Bau neuer Güllegruben müssen diese jetzt in Deutschland trotz der schon hohen baulichen Auflagen noch in eine dicke Teichfolie eingewickelt werden. Das kostet schnell 10.000 € und mehr. Sickert von einer nach heutigem Standard gebauten Grube etwa Gülle aus? Nicht nur die Landwirte, auch Betonbauer schütteln den Kopf.

Düngung: Ein guter Grünlandbestand benötigt etwa 290 kg N pro Jahr. Ansonsten wird der Boden ausgelaugt. Die Düngeverordnung in Deutschland lässt aber nur 170 kg N pro ha aus organischen Düngern zu, auch in Top-Lagen. Und die fehlenden mehr als 100 kg N? Die können über Mineraldünger ergänzt werden. Die Bauern sollen also für teures Geld synthetische Dünger kaufen, müssen aber Gülle schon bei unter 2,0 GV/ha abgeben. Wer versteht das?

Blauzunge: Allein in Bayern wurden 100.000 Kälber auf BT untersucht – alle frei. Die Politik hält aber an verschärften Auflagen fest, die jeder Veterinär für maßlos hält.

Tiertransporte: Natürlich muss es den Kälbern gut gehen. Praxisreife und tiergerechte Lösungsvorschläge der Verbände und der Transporteure werden aber ignoriert. Transporte werden nicht mehr abgefertigt, der Preis bricht zusammen. 

Auch wenn es derzeit nicht danach aussieht: Ich glaube, dass wieder Zeiten mit mehr Akzeptanz für die Landwirtschaft kommen. In Deutschland stehen die Bauernfamilien jetzt auf und halten zusammen wie selten zuvor. Verbands- und generationsübergreifend, biologisch und konventionell, Rinder- und Schweinehalter, Acker- und Grünlandbauern – sie gehen gemeinsam auf die Straße und suchen den Dialog mit der Politik, der Gesellschaft und auch den NGOs. Das ist ein steiniger Weg, aber es ist der richtige.