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Vorwort

Gezielt paaren nicht vergessen

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am Dienstag, 29.12.2020 - 14:26

»Jede Besamung ist eine gezielte Paarung!« Das betonen die Brüder Lötscher aus Fürstenau, bei denen bereits 15 Kühe die Marke von 100 000 kg Lebensleistung überschritten haben. Das ist an sich nicht neu, eine goldene Regel vieler Viehzüchter besagt: Ein bestimmter Stier vererbt bei der Anpaarung auf Kuh A top, während er auf Kuh B überhaupt nicht passt.

Gezielt anpaaren? »Das ist doch nichts besonderes, das macht doch jeder«, wird sich auch mancher Leser jetzt denken. Wirklich? Kommt dieses gezielte Anpaaren nicht immer öfter zu kurz? Allein durch den starken Einsatz genomischer Stiere ist das schwieriger, weil sich die Zuchtwerte der Genomstiere in Einzelmerkmalen stärker verändern können als bei töchtergeprüften Stieren. Zudem kommen die höchsten Genomstiere und ihre Söhne, und damit auch bestimmte Vererbungsmuster in Wellen in den Einsatz. Antonov, Sinatra, Bender oder Amor waren Bullenväter, bei denen meist in kurzer Zeit viele Söhne in Einsatz kamen.   

Aktuell starten die Söhne von Canyon, der selbst noch ein genomischer Stier ist: Drei hohe Canyon-Söhne sind schon im Einsatz und viele werden folgen. Auch in der Schweiz sind unter den Top-11-Stierkälbern nach GZW sieben Canyon-Söhne. Fünf davon wurden bereits von KB-Stationen angekauft und bringen es auf GZW 1495. Damit sind die fünf im Schnitt höher als heute der beste. Sie sind im Fitnesswert (ø 125), im Milchwert (ø 134), in der Gesamtnote (ø 118) und im Euter (ø 131) hoch, ebenso in der Mastitisresistenz (117) und der Töchterfruchtbarkeit (119). In der Oberlinie liegt Canyon bei Zuchtwert 84 (CH) und diese fünf Stierkälber bei ø ZW 93. Ein gezieltes Anpaaren ist also auch bei dem Stier ratsam, von dem man sich gerade in der Fitness viel erhofft.

Dass sich Zuchtwerte mit geringerer Sicherheit noch stärker verändern können, zeigt Bender. Er hat zum zweiten Mal einen Zuchtwert auf Basis der eigenen Töchterleistungen. Beim ersten Mal stürzte er ab, beim zweiten Mal schnellte er nach oben und stieg in der Schweiz von Milchwert 107 auf 134. Das sind Welten! Und morgen? Zucht braucht manchmal eben etwas Zeit.

Deutlich länger als zunächst befürchtet beschäftigt uns alle die Corona-Pandemie. Auch im landwirtschaftlichen Sektor wurden fast alle Veranstaltungen abgesagt. Videokonferenzen haben Hochkonjunktur und so fand am 17. Dezember, unmittelbar vor Druck dieses Heftes, auch die Jahresversammlung der bayerischen Jungzüchter online statt. Thomas Unsinn wurde zum Vorsitzenden wiedergewählt, wozu wir herzlich gratulieren. Gerade die Jungzüchter sind es, die mit Ungeduld das Ende der ›tierschaulosen Corona-Zeit‹ herbeisehnen.

In der Hoffnung, dass bald wieder vieles ›normaler‹ wird, vor allem aber, dass Sie gesund bleiben, wünsche ich einen guten Start ins Neue Jahr und das Allerbeste für 2021.