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Milchprüfring Bayern: Weltweit spitze

Dieser Artikel ist zuerst in der Braunvieh erschienen.

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Josef Berchtold, Fleckvieh
am
31.10.2018

Mit über 14 Mio. Proben jährlich betreibt der Milchprüfring Bayern in Wolnzach eines der drei größten Labors weltweit zur Untersuchung von Milchproben. Für die Qualitätssicherung wird hier alles getan.

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Beim Milchprüfring Bayern in Wolznach ist Anton Meßner gemeinsam mit Zeno Lohmaier für den Bereich Technik verantwortlich, zu dem auch die Geräte und die Qualitätssicherung zählen. "Der Aufwand, um die Milchproben zu erfassen, zu sammeln und zu untersuchen sowie die Bedeutung einer korrekten Beprobung sind so groß, dass wir alles tun müssen, damit die Ergebnisse stimmen", erklärt er.

Jeden Tag werden die Untersuchungsgeräte mit verschiedenen Standards kalibriert, deren Sollwerte von bis zu acht externen Referenzlabors kommen. Das zugekaufte Referenzmaterial bezeichnet Meßner als 'die definierte Wahrheit'. Nach allen 35 bis 45 der täglich bis zu  80.000 untersuchten Fläschchen steuern die Geräte automatisch zwei Kontrollproben ein, durch die die korrekte Messung überwacht wird. Über 300 Plausibilitätskontrollen und eine anschließende Überprüfung im 4-Augen-Prinzip stellen sicher, dass nur Ergebnisse von korrekt gezogenen und untersuchten Proben in die Bewertung einfließen. Neben dem internen Qualitätsmonitoring erfolgt die externe Überprüfung durch die unabhängige Akkreditierungsstelle DAkkS.

Vor über 80 Jahren gegründet

Der Milchprüfring Bayern wurde 1935 als Verein gegründet. Mitglieder sind acht bäuerliche und molkereiwirtschaftliche Verbände. Das Labor in Wolnzach wurde 2000 gebaut, bis dahin hatte der Milchprüfring Bayern vier Untersuchungsstellen. Im Jahr 2000 wurden die Untersuchungen von Regensburg und Triesdorf und drei Jahre später die von Mindelheim und Obing nach Wolnzach verlagert. 2003 kam auch die Verwaltung hierher. "Wolnzach ist geographisch im Mittelpunkt von Bayern", erklärt Zeno Lohmaier. "Ginge es nach der Anzahl der Proben, dann könnte das Labor etwas weiter südlich sein", ergänzt Meßner. Aber dann käme man in den Münchner Speckgürtel mit höheren Immobilienpreisen.

 

Milch von 30.000 Betrieben

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Die meisten Proben (9,2 Mio.) kommen über das LKV Bayern, der zweite große Block (4,8 Mio.) im Rahmen der Milchgüteverordnung von rund 80 Molkereien, Sennereien und Liefergruppierungen. Aktuell werden für die Molkereien die Güteproben von 29.449 Betrieben aus Bayern (26.1901), Baden-Württemberg (1046), Österreich (1028), Polen (560), Tschechien (257), Hessen (204), Thüringen (137), NRW (53), Sachsen (50) sowie Saarland (3) und Sachsen-Anhalt (2) untersucht. Auch die Bauern können über ihren Milchfahrer Proben mitgeben, mit 50.000 Proben jährlich ist das aber nur ein kleiner Anteil.

Zudem wird für 'Spezialfälle' mit anderen Labors zusammengearbeitet. Zum Beispiel schickt der Milchprüfring Bayern Einzelproben zur Untersuchung auf Clostridien nach Baden-Württemberg, während Milchprüfringe und Molkereien aus umliegenden Ländern positive Hemmstoffproben nach Wolnzach schicken. Dort steht mit dem MCR3 die in dieser Form weltweit einzige Mulitplex-Elisa-Anwendung zur Verfügung, die den für den Hemmstoffbefund verantwortlichen Wirkstoff in der Milch nachweisen kann. Meßner erzählt: »Gott sei Dank sind Hemmstofffälle sehr selten. Obwohl Wolnzach ein großes Labor ist und noch Proben von außerhalb kommen, läuft das Gerät nur einmal wöchentlich.«

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