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ARD-Bericht verärgert Milchbauern

von , am
23.07.2015

Die ARD hat einseitig über heimische Milchviehhaltung informiert. Dagegen wehrt sich der Rheinische Landwirtschaftsverband RLV.

© agrarpress
In der vom Südwestrundfunk produzierten Sendung „Verheizt für billige Milch – Das Leiden der deutschen Turbokühe“ ist die ARD am vergangenen Montagabend (20. Juli) nach eigenem Bekunden der Frage nachgegangen, wie es den deutschen Kühen geht.
 
Was dann nach Angaben des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV) exklusiv im Ersten folgte, entpuppte sich in der Wahrnehmung vieler Landwirte als pauschaler Rundumschlag: Unter anderem wurde in der Sendung ausgeführt, „die“ Bauern setzten auf hohe Milchmengen und nähmen dafür Krankheiten in Kauf. Die Vorwürfe gipfelten in der Behauptung, vierzig Jahre Hochleistungszucht hätten die Kühe an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit gebracht. Kaum überraschend lehnte ein veganer Tierrechtler Milchviehhaltung grundsätzlich ab und der Vertreter des Veterinäramtes, der es eigentlich besser wissen müsste, kam in der Sendung nur mit schlechten Beispielen zu Wort.
 
 

Milchleistung ist nicht das alleinige Zuchtziel

Tatsache ist: Tiergesundheit und Lebensdauer stehen inzwischen längst im Vordergrund der Rinderzucht. Eine einseitige Fokussierung auf Milchleistung entspricht nicht den heutigen Zielen der Züchtung, wie der Deutsche Bauernverband bereits im Vorfeld der Sendung klarstellte. In NRW wurde zudem mit Unterstützung des Düsseldorfer Landwirtschaftsministeriums vereinbart, die Zucht auf Hornlosigkeit weiter voranzubringen. Kaum ein Markt in der Zuchtbranche entwickelt sich mittlerweile so rasant wie die Hornlos-Genetik.
 
Hinzu kommt: Die deutschen Landwirte haben nach Ergebnissen des „Konjunkturbarometers Agrar“ zuletzt im Durchschnitt jährlich zwischen drei und vier Mrd. Euro in den Um- und Neubau von Boxenlaufställen sowie moderne Stalltechnik investiert. Allein in NRW genießt inzwischen mehr als drei Viertel des Milchkuhbestandes die Vorteile moderner und großzügiger Laufställe, so der RLV.
 
 

Offene Kuhställe zeigen völlig anderes Bild

Während die ARD unter reißerischer Titelaufmachung und mit Aufnahmen von abgemagerten kranken Kühen aus einigen wenigen Betrieben ein einseitiges Bild der deutschen Milchviehhaltung zeichnete, öffnen alljährlich unzählige Betriebe am Tag der Milch, bei Hoffesten oder Höfetouren für Verbraucher und Medien ihre Ställe und machen ihre Arbeitsweisen transparent. Dass Milchkühe heute dank Kuhkomfort und gutem Management fit auch bei hoher Leistung sind, das kann, wer will, vor Ort authentisch nachvollziehen. Der jüngste Fernsehbeitrag hat viele Landwirte vor den Kopf gestoßen – ausgewogene öffentlich-rechtliche Berichterstattung sieht anders aus.
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