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Bauern stehen unter starkem Druck

© DBV/Andreas Müller
von , am
12.01.2015

Die deutschen Landwirte leidern immer stärker unter den erhöhten Tierhaltungsauflagen, sinkenden Preisen und der fehlenden Akzeptanz in der Bevölkerung. Das machte BBV-Präsident Walter Heidl und Schweinehalter Johannes Scharl deutlich.

© DBV/Andreas Müller
"Gleichzeitig engagieren sich Landwirte in ganz Bayern für den Umwelt- und Gewässerschutz und den Erhalt der wertvollen Kulturlandschaft. Doch sinkende Preise, immer neue Regeln und vor allem der fehlende Rückhalt bei Politik und Verbrauchern untergraben unser Engagement", stellt BBV-Präsident Walter Heidl fest.[[mehr]]
 
Große Herausforderungen sind im Moment zum Beispiel das Arzneimittelgesetz, die Düngeverordnung oder die Bundesanlagenverordnung. „Diese Politik ist das Gegenteil von Unterstützung für die bayerischen Bauernfamilien. Das passt ganz und gar nicht zu den Versprechen aus vielen Sonntagsreden“, sagte Heidl. Gleichzeitig drückt der Handel gnadenlos die Preise und lockt Kunden mit Schleuderpreisen in die Läden. "Als Trittbrettfahrer nutzt der Lebensmitteleinzelhandel das russische Importverbot und seine Marktmacht knallhart aus", kritisiert Heidl. Die Erzeugerpreise sind gegenüber dem Vorjahr um mehr als 20 Prozent gesunken.
 

 

Unsachliche Diskussion trifft ins Mark

Eine Entwicklung, die auch Landwirt Johannes Scharl (Bild) zu schaffen macht: "Wir Bauern stellen uns den gesellschaftlichen Erwartungen und den Anliegen der Verbraucher. Wir können auch mit veränderter Witterung oder schwankenden Preisen umgehen – aber die emotional und oft unsachlich geführte Debatte über moderne Landwirtschaft trifft mich und viele Berufskollegen ins Mark", sagte der 36-jährige Schweinehalter.
 
"Seit Generationen arbeiten wir in und mit der Natur und sorgen uns tagtäglich um unsere Tiere. Schließlich wollen wir unsere Höfe nachhaltig bewirtschaften, damit sie auch für kommende Generationen eine Lebensgrundlage sind."
 
 

Auflagen belasten kleinere Betriebe besonders stark

Scharl will künftig an der "Initiative Tierwohl" teilnehmen, die seit Januar 2015 gestartet ist. Bei der Arbeit auf dem „Häringhof“ bei Eichstätt werden Johannes Scharl jedoch durch hohe Auflagen und immer neue Regulierungen viele Knüppel zwischen die Beine geworfen. Ein Beispiel: Schon seit mehr als zehn Jahren verwertet Scharl die Schweinegülle in einer kleinen Biogasanlage direkt auf dem Hof. So wird Strom produziert und die Abwärme dient als Heizenergie für den Schweinestall.
 
"Durch solch clevere Konzepte können sinnvolle Kreisläufe auf dem Hof geschaffen und gleichzeitig ein wichtiger Beitrag zur Energiewende geleistet werden", sagt Bauernpräsident Heidl. "Doch gerade kleinere Betriebe werden durch immer höhere Auflagen und Anforderungen, neue Regeln oder immense Kosten für Gutachten in die Ecke gedrängt. Auf den Höfen lastet enormer Druck, das geht an die Nerven!"
 
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